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25.07.2020

Gesunder Start: Görg und Redeker bringen Verkauf von Malteser-Krankenhäusern auf den Weg

Im Herbst 2019 gab Malteser Deutschland bekannt, sechs ihrer acht Akutkrankenhäuser veräußern zu wollen. Zwei der Häuser wurden im Mai verkauft: Helios Kliniken übernahm das Krankenhaus ‚Seliger Gerhard‘ in Bonn. Das Kölner St. Hildegardis-Krankenhaus ging an die Stiftung der Cellitinnen. Auch die übrigen vier Kliniken sollen in den nächsten Monaten den Besitzer wechseln.

Jürgen Lüders

Jürgen Lüders

Als Grund für den Verkauf der Krankenhäuser gaben die Malteser an, eine qualitativ hochwertige Versorgung aufgrund steigender Kosten und sinkender Vergütungen nicht länger an allen Standorten sicherstellen zu können. Das Engagement im Geschäftsbereich ‚Wohnen und Pflegen‘ solle vom Trägerwechsel der Krankenhäuser jedoch unberührt bleiben. Darin sind die Aktivitäten der Malteser in der Altenhilfe und Pflege gebündelt.

Verkaufspläne in einer ähnlichen Größenordnung hat es im deutschen Krankenhausmarkt lange nicht gegeben. In den vergangenen Jahren wechselten meist einzelne Häuser den Besitzer. Die letzte große Verkaufsserie aus einer Hand fand zwischen privaten Krankenhausbetreibern statt, als der Helios-Mutterkonzern Fresenius zwischen 2013 und 2014 rund 40 Häuser von Rhön-Klinikum übernahm.

Neuordnung im Krankenhausmarkt

Während der fränkische Krankenhausbetreiber Rhön Klinikum direkt vom zweitgrößten Klinikbetreiber Asklepios übernommen wird, kam der größte private Klinikbetreiber hierzulande nach einem Bieterverfahren bei den Maltesern zum Zug. Fresenius-Angaben zufolge hat das Krankenhaus ‚Seliger Gerhard‘, das Helios erwirbt, mehr als 400 Betten und 2019 einen Umsatz von 66 Millionen Euro erzielt. In dem Deal gehen auch zwei medizinische Versorgungszentren und eine Apotheke mit Logistikzentrum an das Unternehmen. Das Bundeskartellamt hat der Übernahme durch Helios bereits zugestimmt, sodass der Abschluss der Transaktion zu Beginn des dritten Quartals 2020 erwartet wird.

Der kirchliche Träger Stiftung der Cellitinnen wiederum erwirbt mit dem St. Hildegardis-Krankenhaus eine Einrichtung mit ungefähr 230 Betten und 520 Mitarbeitern. In die Transaktion inbegriffen sind alle zugehörigen Grundstücke und Gesellschaftsbeteiligungen. Über den Kaufpreis wurde in beiden Fällen nichts bekannt.

Berater Malteser Deutschland
Redeker Sellner Dahs (München): Dr. Jürgen Lüders (Corporate; Federführung), Hans-Peter Hoh (Immobilienrecht), Dr. Markus Dierksmeier (Corporate), Axel Groeger (Arbeitsrecht), Dr. Andreas Rosenfeld (Kartellrecht), Alexander Leidig (Immobilienrecht; alle Bonn), Dr. Sebastian Steinbarth (Kartellrecht; Brüssel), Sabine Wildfeuer (IT), Dr. Cornelius Böllhoff, Dr. Gero Ziegenhorn (beide Datenschutz; alle Berlin); Eugen Kunz (Bonn), Matthias Flotmann (beide Corporate); Associates: Dr. Cathrin Brünkmans, Wibke Scheermann ( beide Bonn), Dr. Raphael Beermann (alle Corporate), Ira Gallasch (Arbeitsrecht), Caroline Glasmacher (IT), Dr. Stefanie Schulz-Große, Dr. Diane Rataj (beide Datenschutz; alle Berlin), Aleksandar Todorov (Planungsrecht)
Möller & Partner (Düsseldorf): Dr. Kyrill Makoski (Gesundheit)

Verkauf St. Hildegardis-Krankenhaus

Jörg Bornheimer

Jörg Bornheimer

Berater Stiftung der Cellitinnen 
Görg (Köln): Dr. Jörg Bornheimer (Gesundheit), Dr. Alexander Kessler (Corporate; beide Federführung), Dr. Katja Kuck, Dr. Marc Schüffner (Berlin; beide Gesundheit), Dr. Frank Wilke, Dr. Christoph Müller (beide Arbeitsrecht), Dr. Damian Tigges (Immobilienrecht), Dr. Christian Bürger (Kartellrecht), Dr. Adalbert Rödding, Dr. Holger Dann (beide Steuerrecht), Dr. Sebastian Feiler (Wirtschaftsrecht), Dr. Katharina Landes (Datenschutz); Associates: Claus Christopher Schiller (Corporate), Dr. Ulrich Christian Killius (Gesundheit; Berlin); Maren Freymuth (IP/IT), Moritz Windheuser (Immobilienrecht)

Verkauf Krankenhaus ‚Seliger Gerhard‘

Berater Helios Kliniken 
Inhouse Recht (Berlin): Dirk Schneider (Leiter Recht und Transaktionen), Carolin Tetzel (Head of Legal and Transactions), Olga Sonnschein (Recht und Transaktionen)
Noerr (Frankfurt): Dr. Fabian Badtke (Federführung), Dr. Sascha M. Giller (beide Kartellrecht)

Hintergrund: Weil beide Krankenhäuser in der Malteser Rhein-Sieg gGmbH verankert waren, schied ein Share Deal aus. Stattdessen mussten die Verkäufe im Rahmen von Asset Deals mit komplexen Vertragswerken über die Bühne gehen, die neben Gesellschaftsrecht auch weitere Rechtsgebiete − von Krankenhaus- über Arbeits- bis hin zu IT-Recht − abdeckten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Krankenhausmarkt verkomplizierten und verzögerten die beiden Deals zusätzlich. Denn unter anderem durch das Ende März beschlossene COVID19-Krankenhausentlastungsgesetz haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser geändert. Die dadurch entstandenen neuen Finanzierungsstrukturen mussten kurzfristig in den Verträgen abgebildet werden.

Redeker berät die Malteser bei allen sechs Transaktionen in dem Komplex umfassend. Das Unternehmen greift bereits seit mehreren Jahren regelmäßig auf das M&A-Team der Kanzlei zurück. Die Beziehung beruht unter anderem darauf, dass Corporate-Partner Hoh drei Jahre in der Geschäftsführung der Malteser saß, bevor er 2013 als Quereinsteiger in die Kanzlei kam. Für den medizin- bzw. krankenhausrechtlichen Teil tat Redeker sich – wie bereits häufiger in der Vergangenheit – mit Makoski von der Düsseldorfer Medizinrechts-Boutique Möller & Partner zusammen. An dem Verkauf des Bonner Hauses wirkte zudem der Gesundheitsrechtler Dr. Christian Bracher von Redeker mit.

Die Transaktionen stellte das Team unter Federführung von Lüders vor verschiedene Herausforderungen. Bevor die beiden Krankenhäuser im Rahmen von Asset Deals verkauft werden konnte, mussten verschiedene Einrichtungen, wie Pflegeheime oder Hospize, durch Carve-Out-Maßnahmen aus der gemeinsamen gGmbH ausgegliedert werden. Diese Einrichtungen verbleiben bei den Maltesern. Die ins operative Geschäft eingebundene Rechtsabteilung der Malteser war bei den Deals nur am Rande involviert. Stattdessen koordinierte Redeker das Mandat mit dem Generalbevollmächtigten der Malteser, Karl Prinz zu Löwenstein, sowie Geschäftsführerin Verena Hölken.

Dirk Schneider

Dirk Schneider

Die Cellitinnen ließen sich in allen Rechtsgebieten, die beim Kauf des St. Hildegardis-Krankenhauses gefragt waren, von dem Görg-Team unter Federführung von Bornheimer und Kessler beraten. Die Mandatsbeziehung ist neu und kam über eine Empfehlung zustande. Die Gesundheitspraxis der Kanzlei war auch in der Vergangenheit bereits an Krankenhaus-Deals beteiligt, etwa 2018 für die Klinik Dr. Winkler beim Verkauf eines Krankenhauses und Rehazentrums an Amedes. Beim aktuellen Deal wurde der Transaktionsprozess im Oktober 2019 angestoßen. Da die Stiftung keine Rechtsabteilung hat, arbeitete die Kanzlei unternehmensseitig mit Dieter Kesper, Vorstandsvorsitzender des Vereins und Gunnar Schneider, Geschäftsführer der Augustinerinnen Köln, zusammen. Letztere ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Cellitinnen und nimmt nun das St. Hildegardis-Krankenhaus auf.

Wie bei den meisten nationalen Transaktionen stemmte die Helios-Rechtsabteilung um Rechtschef Schneider den Kauf des Bonner Krankenhauses ‚Seliger Gerhard‘ größtenteils allein. Auf Grund des engen Zeitplans unterstützte ihn zudem Carolin Tetzel, die eigentlich für die internationale Holding-Gesellschaft der Klinik-Gruppe tätig ist. Die beiden Unternehmensjuristen waren bereits in der Vergangenheit maßgeblich an Zukäufen des Fresenius Helios-Konzerns beteiligt, etwa 2013/14 beim Rhön-Klinikum-Deal oder 2016 beim Kauf des größten privaten Klinikbetreibers Spaniens, Quirónsalud. Für die kartellrechtliche Anmeldung der Transaktion holte sich Helios Unterstützung bei einen Team um Badtke, Leiter der Praxisgruppe Kartellrecht von Noerr. Die Kanzlei hat Helios bereits häufig beraten und war seinerzeit auch an den Zukäufen von Rhön-Klinikum beteiligt. (Johanna Heidrich; mit Material von dpa)

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