Der Brüsseler Partner Bronckers war Ende der 1980er Jahre als Mitglied der holländischen Kanzlei Van Doorne & Sjollema für Airbus tätig. Dabei habe er auch, so die Kritik, Insider-Wissen über die Strategie des Konzerns in seinem Verhalten gegenüber der WTO erlangt. Die ehemalige US-Handelsbeauftragte Barshefsky war während ihrer Tätigkeit für die US-Regierung maßgeblich in den ersten Airbus-Boeing-Subventionsstreit involviert.
„Dies ist ein eklatanter Rechtsverstoß. Er berührt ethische Grundprinzipien des Verfahrensrechts und Standesregeln, die weltweit gelten“, sagte ein Airbus-Sprecher. Die Kanzlei müsse das Mandat aufgeben. „Der Handelsstreit ist die Fortsetzung des Streits zwischen Airbus und Boeing mit anderen Mitteln. Dabei müssen wir unsere Rechte wahren“, so der Sprecher gegenüber JUVE.
Die Gegenseite ist anderer Meinung: WilmerHale sieht in der mehr als 15 Jahre zurück liegenden Arbeit Bronckers‘ für Airbus, die zudem für eine andere Kanzlei erbracht wurde, keinen Interessenkonflikt. „Marco Bronckers ist von unserer Arbeit für Boeing abgeschirmt und hat keinerlei vertraulichen Informationen von Airbus offen gelegt“, sagte William Perlstein, Co-Managing Partner von WilmerHale in Washington.
Auch die Arbeit von Barshefsky sei ordnungsgemäß. Ihre Tätigkeit für Boeing sei seit 2004 allgemein bekannt. Damals habe das Büro des United States Trade Representative die Korrektheit ihres Verhaltens offiziell bestätigt.
Das erste Hearing in Washington, bei dem die Argumente beider Seiten gehört werden, wird für September erwartet. Das WTO-Verfahren selbst wird durch den Antrag gegen WilmerHale nicht direkt beeinflusst.