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11.03.2011

Schlussstrich: HSH Nordbank kündigt Chefjustiziar

Es war ein Ende mit Ansage: Gestern hat die HSH Nordbank ihren seit Herbst letzten Jahres freigestellten Chefjuristen Dr. Wolfgang Gößmann gekündigt. Es handelt sich um eine nicht begründete, ordentliche Kündigung zu Ende September dieses Jahres. Gößmann wird jedoch nicht mehr an seine Arbeitsstelle zurückkehren.

Seine Bezüge erhält Gößmann, der sich von dem Frankfurter Arbeitsrechtler Dr. Stefan Filippi aus der Kanzlei Sachse beraten lässt, bis zu seinem regulären Ausscheiden. Über Filippi hat Gößmann bereits Kündigungsschutzklage eingereicht. Auf Seiten der HSH Nordbank ist Marktinfomationen zufolge Personalchef Dr. Stefan Brügmann in den Vorgang involviert. Er leitet seit der Beurlaubung Gößmanns zudem die Rechtsabteilung kommissarisch.

Darüber hinaus hatte die HSH Nordbank im Herbst 2010 für die Koordination der Aufarbeitung sämtlicher Vorgänge den Hamburger Graf von Westphalen-Partner Dr. Klaus Landry mandatiert.

Was genau Hintergrund und Ursache für die Beurlaubung und Kündigung Gößmanns sind, ist derzeit unklar. Zwar wird gegen ihn ermittelt, doch wäre genauso denkbar, dass der designierte neue Vorstandsvorsitzende Paul Lerbiger, der Anfang April sein Amt antreten wird, den Vertrauten seines Vorgängers Dirk Nonnenmacher ersetzen will. Im Markt galt Gößmann bisher nicht als jemand, der den Weg der Legalität verlassen würde.

Seit Monaten taucht sein Name in der Presse nun aber immer wieder in Verbindung mit den verschiedenen Affären der HSH Nordbank auf. Das gilt für die Kampagne gegen den früheren Vorstand Frank Roth (mehr…) ebenso wie für die Entlassung des New Yorker Niederlassungsleiters (mehr…). Gößmann setzte sich presserechtlich, vertreten durch Gernot Lehr von Redeker Sellner Dahs, immer wieder zur Wehr, im Hinblick unter anderem auf die Vorgänge um Roth erfolgreich. In diesem Zusammenhang ermitteln jedoch die Kieler Strafverfolger soweit bekannt auch gegen Gößmann, der sich strafrechtlich von Lehrs Kanzleikollegen Prof. Dr. Bernd Müßig beraten lässt. Nach Auskunft von Lehr läuft jedoch kein Ermittlungsverfahren gegen Gößmann in den USA. Vor Kurzem waren zudem Vorwürfe laut geworden, die im Zusammenhang mit einem Prozess der HSH gegen einen türkischen Reeder stehen. Auch hier ist die Sachlage völlig offen.

Im Verlauf von Unternehmensskandalen hatten in der Vergangenheit einige Chefjuristen das Unternehmen verlassen: So wurde der langjährige MAN-Chefjurist Michael Fontaine durch Dr. Wolfgang Betz ersetzt (mehr…). MAN betonte seinerzeit, Fontaines Ausscheiden habe nichts mit der Korruptionsaffäre zu tun. Auch Ferrostaal hat mit Dr. Thomas Sonnenberg einen neuen Rechtschef (mehr…). (Astrid Jatzkowski)

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