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03.04.2012

Nächster Coup: Allen & Overy angelt sich Chef für Öffentliches Recht von Gleiss

Dr. Olaf Otting (46), Kopf der Praxis für Öffentliches Recht bei Gleiss Lutz, verlässt die Sozietät nach 14 Jahren und schließt sich in gleicher Funktion Allen & Overy an. Die Magic-Circle-Kanzlei gewinnt damit einen der bundesweit angesehensten Vergaberechtler, der den Ausbau der gesamten Praxis für Öffentliches Recht vorantreiben soll.

Olaf Otting

Mit Otting wechseln auch der assoziierte Partner Dr. Wiland Tresselt und der Associate Dr. Udo Olgemöller, mit denen er seit einigen Jahren eng zusammenarbeitet. Der genaue Zeitpunkt des Wechsels steht noch nicht fest. Bislang deckte Allen & Overy das Öffentliche Recht lediglich ausschnittsweise mit einem kleinen Team ab. Die Praxis war vor allem im Umwelt- und Planungsrecht aktiv und vornehmlich auf die Unterstützung bei Transaktionen und Finanzierungen ausgerichtet. Durch den Zugang des Teams um Otting erweitert Allen & Overy ihr Spektrum um ein zentrales Gebiet des Öffentlichen Rechts.

Sie gewinnt nun auf einen Schlag eine eigenständige vergaberechtliche Praxis dazu. Zu Ottings wichtigsten Mandanten gehörte bislang beispielsweise die Deutsche Bahn, deren Tochter DB Regio er bei zahlreichen großvolumigen Ausschreibungen im Öffentlichen Nahverkehr beriet (mehr…). Daneben vertraut ihm auch die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) seit Jahren, so zuletzt bei drei größeren Shoppingcenter-Projekten (mehr…).

Hohe Ambitionen bei Allen & Overy

„Mit dem Zugang von Olaf Otting unterstreichen wir wiederum unser erklärtes Ziel, in allen Bereichen, in denen wir Rechtsrat erteilen, und damit auch im Öffentlichen Recht, zu den führenden Kanzleien zu gehören“, sagte Neil Weiand, Senior Partner von Allen & Overy in Deutschland. Tatsächlich ist der Einstieg Ottings der erste nachhaltige Schritt in diese Richtung und ein klares Signal, dass die Sozietät es in dem Segment ernst meint mit dem Aufbau eines breiter fokussierten Teams. Im Zusammenspiel mit der Erfahrung der Kanzlei bei Finanzierungen sollte es Allen & Overy etwa deutlich leichter fallen, bei großen vergaberechtlichen Ausschreibungen aufseiten von Bietern mandatiert zu werden. An anderen Schnittstellen im Öffentlichen Sektor fehlt es der Kanzlei dagegen bislang noch an einschlägiger Kompetenz, so etwa im Beihilferecht oder im Energierecht.

Keine andere Kanzlei war in den vergangenen beiden Jahren ähnlich erfolgreich wie Allen & Overy, wenn es darum ging, sich mit renommierten Quereinsteigern zu verstärken. Rund ein Dutzend meist hochkarätige Experten warb sie bei Wettbewerbern ab. Erst Anfang des Jahres holte die Sozietät den Linklaters-Kapitalmarktrechtler Dr. Berthold Kusserow hinzu (mehr…). Zuvor waren unter anderem der Investmentrechtler Frank Herring (mehr…) und die beiden Arbeitsrechtler Thomas Ubber (mehr…) und Hans-Peter Löw (mehr…) eingestiegen.

Bitter für Gleiss

„Nach über 14 Jahren fällt es mir nicht leicht, Gleiss Lutz zu verlassen. Doch es hat mich gereizt, das dynamische Wachstum von Allen & Overy in Deutschland durch den Ausbau des Öffentlichen Rechts mit zu gestalten“, sagte Otting. „Mein Weggang ist eine Entscheidung für Allen & Overy, eine sich dynamisch entwickelnde Kanzlei, die meinem Team und mir exzellente Möglichkeiten bietet, das Geschäft strategisch weiter zu entwickeln“.

Für Gleiss ist Ottings Wechsel ein deutlicher Verlust. Entsprechend enttäuscht zeigte sich Managing Partner Dr. Rainer Loges: „Wir bedauern den Entschluss von Olaf Otting, Gleiss Lutz zu verlassen. Wir hätten ihn gerne bei uns behalten.“ In Ottings Spezialgebiet Vergaberecht bedeutet dessen Abschied einen tiefen Einschnitt für die Praxis. Hier gehörte Gleiss unumstritten zu den drei wichtigsten deutschen Praxen. Diesen Status aufrecht zu erhalten dürfte zumindest vorübergehend schwer fallen, auch wenn die Sozietät mit dem Berliner Partner Dr. Andreas Neun weiterhin einen der angesehensten deutschen Spezialisten in ihren Reihen hat. Neun spielt zudem in dem zukunftsträchtigen Krankenkassensektor eine wichtige Rolle. Neben ihm deckt künftig noch der Stuttgarter Partner Dr. Marco König das Vergaberecht ab.

In Frankfurt, wo die Sozietät nach Ottings Weggang keinen Partner mehr im Vergaberecht hätte, will sie die entstehende Lücke durch den Wechsel von Partnern aus anderen Büros schließen. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein renommierter Öffentlichrechtler Gleiss verlassen. Dr. Markus Deutsch, vor allem für seine Arbeit im Luftverkehrssektor bekannt, war zu Dolde Mayen gegangen (mehr…). Gleichwohl gehört die Sozietät im Öffentlichen Recht nach wie vor zu den wichtigsten Adressen. Rund 30 Berufsträger arbeiten in dem Team, davon 8 Equity-Partner. Wer die Nachfolge Ottings als Kopf der Praxis antritt soll, will Gleiss in Kürze bekannt geben. (René Bender, Anja Hall)

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