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13.05.2013

Shearman: Auch Frankfurter Büro bröckelt – Roger Kiem geht zu White & Case

Der Partnerexodus der deutschen Shearman & Sterling-Praxis erreicht durch den Wechsel von Prof. Dr. Roger Kiem (51) zu White & Case auch das Frankfurter Büro. Der M&A-Experte war hier bisher einer der zentralen Köpfe. Mit dem Equity-Partner kommt auch der Bankaufsichtsrechtler Dr. Andreas Wieland (36) als Local-Partner sowie mindestens eine Associate zu White & Case. Der Wechsel soll bereits kurzfristig erfolgen.

Shearman will in Frankfurt ihr deutsches Geschäft zentralisieren, nachdem sie Ende April bekannt gegeben hatte, in Düsseldorf und München zu schließen (mehr…).

Roger Kiem

Kiem ist nun schon der siebte Partner innerhalb der vergangenen drei Wochen, der der Sozietät den Rücken kehrt. Den Auftakt machte der Düsseldorfer Corporate-Star Dr. Hans Diekmann, der zu Allen & Overy ging (mehr…). Kurz darauf folgte der Wechsel des angesehenen Kartellrechtlers Dr. Jürgen Meyer-Lindemann zu Dechert (mehr…) und vergangene Woche gaben dann gleich vier wichtige Partner ihren baldigen Absprung bekannt: Die beiden bisherigen deutschen Management-Chefs der Kanzlei, Rainer Wilke (Düsseldorf) und Dr. Markus Rieder (München) schließen sich mit Dr. Harald Selzner und Dr. Martin Neuhaus (beide Düsseldorf) Latham & Watkins an (mehr…).

Entscheidung mit Sprengkraft

Sowohl die Namen dieses Quartetts als auch der von Kiem hatten vergangene Woche auf einer Liste gefehlt, mit der Shearman bekannt gab, mit welchem Team sie künftig von Frankfurt aus beraten will (mehr…). JUVE-Informationen zufolge sollen zudem weitere Partner in intensiven Verhandlungen mit Wettbewerbern stehen. „Über die Sprengkraft ihrer Entscheidung ist sich die Kanzleispitze bislang nicht im entferntesten bewusst“, sagte ein Partner.

Schon bevor Shearman sich nun auf die Fahnen schrieb, ihre Arbeit hierzulande auf Frankfurt zu fokussieren, hatten 2012 mehrere etablierte Partner aus verschiedenen Praxisgruppen für sich keine Zukunft mehr bei Shearman gesehen (mehr…, mehr…, mehr…). Ein Grund dafür dürfte auch gewesen sein, dass die US-Führung Wünschen nicht nachkommen wollte, hierzulande wieder zu wachsen, nachdem die deutsche Praxis in den vergangenen Jahren fast 40 Prozent ihrer deutschen Berufsträger verloren hatte.

M&A-Gewinn für White & Case

Kiem kehrt nun nach rund zwölf Jahren zu seiner ehemaligen Kanzlei White & Case zurück. Im Markt ist Kiem vor allem für sein Geschäft mit dem arabischen Raum angesehen. So gilt er etwa als Vertrauensanwalt der Katar Holding in Deutschland, seit er 2009 den Staatsfonds bei dessen Einstieg bei Porsche beraten hat (mehr…). Neben den Kontakten in den Nahen Osten, wo White & Case mit drei Büros vertreten ist, sollten sich aber auch hierzulande Anknüpfungspunkte ergeben. Denn Kiem arbeitete während seiner Zeit bei Shearman auch für zahlreiche bedeutende hiesige Unternehmen, insbesondere Banken und Versicherer . Bekannt ist etwa seine Arbeit für den Allianz-Konzern.

Der Zugang zur ersten Riege der Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum ist bei White & Case noch ausbaufähig. Zwar hat die Kanzlei ihre M&A-Praxis in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut und einige größere Erfolge verbucht, etwa die Arbeit für Clariant beim Kauf von Süd-Chemie (mehr…). Im Vergleich zur Marktspitze und deren engsten Verfolgern ist die Beteiligung an solchen Großdeals aber noch nicht so häufig. Dies zu ändern, hat die Kanzleiführung zuletzt stärker ins Visier genommen. Dies hatte auch personelle Änderungen zur Folge. So rückten intern einige jüngere Partner nach, andere langjährige Partner wie Dr. Christian Jacobs und Dr. Frank Evers verließen die Kanzlei (mehr…). (René Bender)

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