Post-M&A-Streit

Bayer mit Jones Day und Sullivan in Schiedsverfahren erfolgreich

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat beim Verkauf seiner Saatgutgeschäfte BASF als Käuferin ordnungsgemäß über die Kostenpositionen informiert und keine Vertragspflichten verletzt. Ein in Frankfurt konstituiertes ICC-Schiedsgericht wies im August eine entsprechende Klage von BASF vollständig ab.

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Das Bayer-Kreuz in Leverkusen
Ansgar Rempp

Bayer trennte sich 2017 und 2018 von großen Teilen seines Agrargeschäfts, um schon im Vorfeld der 60 Milliarden US-Dollar-schweren Monsanto-Übernahme Bedenken der Kartellbehörden entgegenzuwirken. BASF erwarb in diesem Zug einen Teil der Saatgut- und Schädlingsbekämpfungssparte für insgesamt 7,4 Milliarden Euro. Die Ludwigshafener waren danach allerdings der Ansicht, dass Bayer sie nicht ausreichend über bestimmte Kostenpositionen, einschließlich Personalkosten, informiert und diese einigen Geschäftsbereichen nicht angemessen zugewiesen habe.

2019 strengte BASF deshalb eine Schiedsklage an, um Schadensersatzforderungen geltend zu machen. Nach Informationen des ‚Handelsblatt‘ forderte der Ludwigshafener Konzern 1,7 Milliarden Euro plus Zinsen von Bayer. Das in Frankfurt konstituierte ICC-Schiedsgericht konnte keine Vertragsverletzungen feststellen und wies die Klage von BASF ab. Nach Informationen der Fachzeitschrift ,Global Arbitration Review‘ hatten die Schiedsrichter in einer zweiwöchigen Anhörung mehr als 20 Zeugen gehört. 

Boris Kasolowsky

Vertreter BASF
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Boris Kasolowsky, Dr. Carsten Wendler, Elliot Friedman, Lee Rovinescu (beide New York; alle Konfliktlösung) – aus dem Markt bekannt

Vertreter Bayer
Jones Day: Ansgar Rempp (M&A; Düsseldorf), Dr. Johannes Willheim, Thomas Mahlich (beide Konfliktlösung; beide Frankfurt; alle drei Federführung), Martin Schulz (M&A; München), Amy Kläsener (Konfliktlösung; Frankfurt), Dr. Zhaoxia Chen (M&A; Düsseldorf), Korel Kaplan (M&A/Private Equity; München)
Inhouse (Leverkusen): Dr. Max Thümmel (Senior Legal Counsel), Dr. Thomas Reuter (Senior Counsel)
Sullivan & Cromwell (New York): Dustin Guzior, Richard Pepperman, Akash Toprani, Bill Wagener; Associates: Alex Gross, Colin Hill, Michael Lemanski (alle Konfliktlösung)

Siegfried Elsing

ICC Schiedsgericht, Frankfurt
Prof. Dr. Siegfried Elsing (Vorsitzender; Düsseldorf), Paul Friedland (benannt von BASF; New York), Robert Davidson (benannt von Bayer; New York)

Hintergrund: Der ursprüngliche Deal war stark von den Inhouse-Teams der beiden Konzerne in Ludwigshafen und Leverkusen gesteuert worden. Da der Vertrag aber amerikanischem Recht unterlag, hatten sowohl Bayer als auch BASF extern vor allem US-Teams hinzugezogen. Wie in dem anschließenden Schiedsverfahren setzte BASF schon für die Transaktion auf Freshfields. Zu dem New Yorker Team um den erfahrenen M&A-Spezialisten Peter Lyons gehörten damals auch Brüsseler Anwälte. 

Mit Jones Day setzte Bayer in der Auseinandersetzung dagegen auf eine Kanzlei, die zwar nicht an dem Deal beteiligt war, mit der sie aber dennoch seit langem verbunden ist. Bereits in den Nullerjahren beriet Partner Rempp den Konzern regelmäßig bei Transaktionen. 

Zum Sullivan-Team gehörte ursprünglich auch der erfahrene Kartellrechtler Steven Holley, der den Deal mit begleitet hatte. Der New Yorker Partner wechselte allerdings im April als Executive Vice President zum New Yorker Hedgefonds Select Equity Group. 

Bayer-Syndikus Thümmel kennt die gegnerische Kanzlei gut: Vor seinem Wechsel in die Rechtsabteilung hatte er drei Jahre in der Prozesspraxis von Freshfields gearbeitet. 

Internationale Arbitration-Größen

Das Schiedsgericht war prominent besetzt: Mit Elsing lag der Vorsitz bei einem der renommiertesten deutschen Schiedsrechtler. Der Düsseldorfer Orrick Herrington & Sutcliffe-Partner ist dabei gleichermaßen als Schiedsrichter und Parteivertreter gefragt. So vertritt er etwa die Bundesrepublik Deutschland im Rechtsstreit um die gescheiterte Pkw-Maut. Auch die beiden parteibenannten Schiedsrichter gehören zu den internationalen Arbitration-Größen: Der von BASF benannte Friedland ist langjähriger Partner im New Yorker Büro von White & Case, der von Bayer benannte Davidson war zunächst viele Jahre bei Baker & McKenzie. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden 2003 schloss er sich dem privaten Dienstleister für alternative Streitbeilegung, JAMS, an.

 

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