Juve Plus EuGH-Urteil

Clifford kickt Europas Fußball ein Stück Richtung Super League

Die Fußballverbände Fifa und Uefa dürfen Vereinen und Spielern nicht einfach verbieten, eigene Wettbewerbe zu veranstalten. Dieses Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Gründung einer sogenannten Super League sorgt für Aufregung in der Sportwelt – doch die etablierten Verbände geben sich gelassen.

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Den Initiatoren der Super League schwebt im Männerfußball ein dreistufiges Ligen-System mit 64 Vereinen vor. Bei den Frauen sollen in zwei Ligen insgesamt 32 Clubs mitspielen. Zudem sei einer der Kernpunkte der neuen Wettbewerbe, dass die Fans alle Spiele „live und kostenlos über eine neue digitale Streaming-Plattform verfolgen“ können, heißt es. 

Die Gruppe der Unterstützer des Projekts war nach dem krachenden Scheitern eines ersten Anlaufs 2021 zusammengeschrumpft, aktuell verfolgen nur noch die beiden spanischen Vereine Real Madrid und FC Barcelona sowie Juventus Turin als Speerspitze das Projekt. Die an der Mailänder Börse gehandelte Juventus-Aktie legte nach der Urteilsverkündung prompt um mehr als zehn Prozent zu. 2021 fiel der Aufschrei bei Ligen, Fans und der Politik so heftig aus, dass sich die meisten Vereine sofort wieder verabschiedeten.

Marktmachtmissbrauch durch die Uefa

Europas oberste Richter, die nun entscheiden sollten, ob die Verbände Fifa und Uefa den Vereinen ein Projekt wie die Super League überhaupt verbieten können, sehen es so: Es gibt keinen Rahmen für die Regeln der Verbände, der gewährleistet, dass deren Vorgaben transparent, objektiv, nicht diskriminierend und verhältnismäßig sind. Auch die Regeln, die Fifa und Uefa die ausschließliche Kontrolle über die kommerzielle Rechteverwertung der Wettbewerbe einräumen, würden den Wettbewerb in der EU einschränken, heißt es im Urteil. Fifa und Uefa würden ihre dominante Marktposition missbrauchen.

Das Urteil bedeute allerdings nicht zwangsläufig, dass die Super League genehmigt werden müsse, so die Luxemburger Richter ergänzend. Der vor einem Jahr veröffentlichte Schlussantrag des Generalanwalts Athanasios Rantos hatte noch die Position der Uefa gestärkt. Eine schriftliche Urteilsbegründung liegt noch nicht vor.

Desinteresse in Deutschland und England

Die Initiatoren der Super League, die ursprünglich vor einem Madrider Handelsgericht geklagt hatten, feierten das Urteil umgehend als großen Sieg. „Das Uefa-Monopol ist vorbei“, sagte der frühere RTL-Manager Bernd Reichart, der das Projekt für die Agentur A22 vertritt. Die Uefa reagierte hingegen gelassen. Das Urteil bedeute keine „Billigung oder Bestätigung der sogenannten Super League“, neu eingeführte Regeln würden die vom Gericht aufgeführten Mängel auffangen.

Die deutschen Klubs haben sich seit Jahren von den Plänen distanziert, insbesondere der früher oft in Verbindung mit Eliteliga-Projekten genannte FC Bayern bekräftigte umgehend noch einmal seine Ablehnung. Auch DFL und DFB positionierten sich eindeutig dagegen. Die ursprünglich vertretenen englischen Vereine haben sich 2022 ebenfalls gegenüber der Premier League zur Treue verpflichtet.  

Bosman-Anwalt will erneut den Fußballmarkt umkrempeln

Sichtbare Rechtsvertreter der Klägerin European Superleague Company (ESL) sind die Madrider Clifford Chance-Partner Luis Alonso, Fernando Irurzun und Miguel Odriozola sowie die beiden Belgier Jean-Luis Dupont (Brüssel) und Martin Hissel (Eupen). Für die Uefa treten der Brüsseler Ashurst-Partner Donald Slater sowie der ebenfalls aus der EU-Metropole beratende Sportrechtsspezialist Benoît Keane auf. Die Fifa vertritt der Spanier Alvaro Pascual von der Madrider Kanzlei Baño León.

ESL-Anwalt Dupont schrieb 1995 mit einer von ihm vor dem EuGH erstrittenen Entscheidung Rechtsgeschichte. Für seinen Landsmann, Fußballprofi Jean-Marc Bosman, erwirkte er die Ablösefreiheit nach Vertragsende. Der Richterspruch stellte den Arbeitsmarkt im Fußball auf den Kopf, verschaffte den Spielern eine erhebliche Verhandlungsposition. Dupont ist of Counsel der spanischen Einheit Roca Junyent und betreibt zudem zusammen mit Hissel eine eigene, nach den Partnern benannte Sozietät. Hissel berät primär für die belgische Kanzlei Elegis. (mit Material von dpa)

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