Die DFL hatte geplant, einen Investor mit 12,5 Prozent an einer Medienrechte-Tochter zu beteiligen. Die Laufzeit des Vertrags sollte 20 Jahre betragen und den Vereinen insgesamt zwei Milliarden Euro einbringen. Mit dem frischen Kapital wollte die Liga ihre digitale Vermarktung stärken, vor allem im Ausland.
Im Vergleich mit anderen europäischen Top-Ligen wie der englischen Premier League, der spanischen La Liga oder der italienischen Serie A hat das deutsche Oberhaus hier deutlich Luft nach oben.
Furcht vor den Investoren
Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch stimmten elf Vereine gegen den Deal, fünf enthielten sich. Die Überzeugungsarbeit seitens der Befürworter, darunter insbesondere die Vereine mit internationalen Ambitionen, fruchtete nicht. Die Liga hatte den Clubs einen festen Betrag zur Realisierung von Infrastrukturprojekten zugesagt, zudem sollten die Ligateilnehmer rund 300 Millionen Euro erhalten, um sie nach eigenem Gusto zu verwenden.
Zu groß waren seitens der Minderheit dennoch die Bedenken, ein Investor würde über das zur Verfügung gestellte Kapital hinaus weiteren Einfluss auf das operative Geschäft für sich reklamieren.
In die engere Wahl für ein Abkommen hatte die DFL die Investoren CVC, Advent und Blackstone genommen. Im Vorfeld ausgeschieden waren die in Stockholm ansässige EQT, die frühere Hertha-Anteilseignerin Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) aus den USA sowie der britische Investor Bridgepoint. Die luxemburgische CVC hat Ende 2021 einen Medien-Deal mit der spanischen Liga über ebenfalls rund zwei Milliarden Euro abgeschlossen, der mit einer Beteiligung von 8,2 Prozent an der Medientochter allerdings auf fünf Jahrzehnte ausgelegt ist. Mit der französischen Ligue 1 hat sich CVC 2022 auf einen vergleichbaren Vertrag über 1,5 Milliarden Euro geeinigt.
Berater DFL
Inhouse Recht (Frankfurt): Jürgen Paepke (Direktor Recht), Dr. Vito Esposito (Head of Media, Commercial and Antitrust Law)
Noerr (Berlin): Dr. Laurenz Tholen, Prof. Dr. Christian Pleister (beide Federführung; beide M&A/Private Equity), Dr. Tobias Bosch, Torsten Kraul (beide Medienrecht); Associate: Viktoria Schneider (Private Equity)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Carsten Schlotter, Dr. Philipp Diffring (beide Steuerrecht)
Berater Advent International
Freshfields Bruckhaus Deringer (Berlin): Dr. Stephanie Hundertmark (Private Equity)
Berater Blackstone
White & Case (Frankfurt): Karsten Wöckener, Gernot Wagner (beide Private Equity), Dr. Stefan Bressler, Sebastian Pitz (beide Corporate/M&A)
Berater CVC Capital Partners
Hengeler Mueller (München): Prof. Dr. Hans-Jörg Ziegenhain, Dr. Daniel Wiegand (beide Private Equity)
Berater EQT
Freshfields Bruckhaus Deringer (München): Dr. Wessel Heukamp (Private Equity)
Berater KKR
Latham & Watkins (München): Burc Hesse (Private Equity)
Berater Bridgepoint
Allen & Overy (Hamburg): Dr. Nils Koffka (Federführung), Dr. Roman Kasten (Frankfurt; beide Private Equity)
Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.
Für die DFL begleiteten aus der Rechtsabteilung heraus Paepke und Esposito den eingeleiteten Prozess. Paepke ist seit März 2002 für die DFL GmbH tätig, seit 2012 als Direktor Recht. Seit 2015 gehört er der Geschäftsleitung der DFL GmbH an. Die Mandatsbeziehung zwischen Noerr und der DFL besteht seit 2007. Die Kanzlei hat die Liga unter anderem beim 2020 geschlossenen und noch bis 2025 laufenden Medienvertrag beraten. Ein Team von Flick Gocke Schaumburg unter der Federführung von Schlotter und Diffring war seitens der DFL für die Entwicklung der Transaktionsstruktur sowie für die steuerliche Strukturierung mandatiert.
Hengeler für CVC im Einsatz
Hengeler Mueller hatte CVC früher häufiger beraten. 2014 stand ein Team um die Partner Ziegenhain und Dr. Steffen Oppenländer dem Investor beim Erwerb von Flint zur Seite, einem globalen Produzenten von Druckfarben. Vorher noch hatte Ziegenhain gemeinsam mit Dr. Emanuel Strehle CVC unter anderem begleitet, als diese sich die Mehrheit am Essener Energiedienstleister Ista Deutschland zurückholte. Das Mandat zum Anteilserwerb an der DFL ist der erste Beleg dafür, dass die Beziehung besteht.
Die Beziehung von Freshfields zu Advent besteht seit vielen Jahren. Die Berliner Partnerin Hundertmark hat der Bostoner Private-Equity-Gesellschaft mehrfach bei großen Transaktionen im Gesundheits- und Pharmabereich zur Seite gestanden. 2019 war sie im Mandat, als Advent für 2,5 Milliarden Euro das Plexiglasgeschäft von Evonik übernahm.
Chinesische Mauer bei Freshfields
Hinter Chinese Walls beriet der Münchner Partner Heukamp die Mitbewerberin EQT. EQT und Heukamp arbeiten regelmäßig zusammen, zuletzt zum Beispiel beim Kauf des Desinfektionsmittelherstellers Schülke von der französischen Mutter Air Liquide oder beim im Januar 2023 abgebrochenen Versuch des Investors, die Mehrheit an der Schufa zu übernehmen.
White & Case berät Blackstone international vielfach. Hier war nach Informationen aus dem Markt ein Team um die Frankfurter Partner Wöckener, Wagner, Bressler und Pitz mandatiert.
Die vorzeitig aus dem Favoritenkreis ausgeschiedene KKR wurde dem Vernehmen nach vom Münchner Latham-Partner Hesse beraten.
Bridgepoint arbeitet regelmäßig mit Allen & Overy zusammen. Koffka ist Leiter der deutschen Private-Equity-Praxis der Magic-Circle-Kanzlei, beriet den Investor zuletzt etwa Ende 2022, als die Karlsruher PTV Group sich eine Mehrheitsbeteiligung am belgischen Unternehmen Conundra sicherte. Die PTV Group aus Karlsruhe ist ein Anbieter von Mobilitätssoftware, Bridgepoint hält hier 60 Prozent der Anteile.