Die 1964 gegründete Eissmann-Gruppe beliefert Automobilhersteller mit Produkten für die Innenausstattung der Fahrzeuge. Zum Portfolio gehören etwa Verkleidungsteile, laminierte Oberflächen und diverse Bedienelemente. Der Geschäftsbetrieb solle so reibungslos wie möglich fortgeführt werden, so das Unternehmen in einer Mitteilung.
In Deutschland produziert das Familienunternehmen an den Standorten Pirna (Eissmann Automotive KTSN, 285 Mitarbeiter), Gera (Eissmann Automotive Dagro, 405 Angestellte) und in Bad Urach selber, wo die Eissmann Automotive Deutschland derzeit 258 Mitarbeiter beschäftigt. An den kleinen Standorten in Nürnberg und Münsingen (Eissmann Automotive Ingeneers und Eissmann Individual) ist insgesamt eine niedrige zweistellige Zahl von Mitarbeitenden beschäftigt.
Liquiditätseinbußen durch Zukäufe
Weltweit sind für das Unternehmen nach eigenen Angaben weitere rund 4.000 Angestellte tätig, unter anderem in Großbritannien, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Mexiko, den USA und China. Die ausländischen Gesellschaften sind von den Verfahren nicht betroffen. Seinen globalen Umsatz im Geschäftsjahr 2023 beziffert Eissmann auf 450 Millionen Euro.
Vorinsolvenzliche Restrukturierungsmaßnahmen hätten Effekte wie gestiegene Energie- und Materialkosten oder die Zinsentwicklung nicht länger kompensieren können, so das Unternehmen. Angesichts von Ertrags- und Liquiditätseinbußen sei die Insolvenzanmeldung unvermeidlich gewesen. Ein lokaler Medienbericht zitiert aus dem Geschäftsbericht 2021, der die in diesem Jahr getätigten Zukäufe des Spritzgussspezialisten KTSN sowie des Elektronikunternehmens Ingeneers mit den Liquiditätseinbußen in Verbindung bringt.
Die Gehälter der Beschäftigten sind durch das Insolvenzausfallgeld für drei Monate gesichert. Der Gläubigerausschuss ist nach Marktinformationen noch nicht konstituiert.
Vorläufige Insolvenzverwaltung
Görg (Stuttgart): Dr. Holger Leichtle (Insolvenzverwalter), Simone Kaldenbach (Friedrichshafen), Tim Beyer (Bremen), Dr. Mike Westkamp (Wuppertal), Dr. Daniel Schmitz (Köln; alle Insolvenzrecht/Restrukturierung), Dr. Christian Becker (Corporate/M&A; München); Associates: Lucas Bendel, Madeleine Ringendahl (Tübingen; beide Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Berater Eissmann
Norton Rose Fulbright (Frankfurt): Dr. Sylwia Bea-Pulverich (Federführung), David Schrader; Associates: Anna-Maria Baorda, Lorenz Scholtis (alle Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Latham & Watkins (Hamburg): Ulrich Klockenbrink (Bank-/Finanzrecht; Federführung) – aus dem Markt bekannt
Berater Banken
Noerr (Frankfurt): Andreas Naujoks (Federführung), Dr. Alexander Schilling; Dr. Dorian Legel; Associate: Patrick Geist (alle Bank-/Finanzrecht) – aus dem Markt bekannt
Berater Lieferantenpool
Warning Müller-Seils Wolf (Köln): Carsten Müller-Seils (Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Hintergrund: Görg ist erst seit Sommer 2020 mit eigenen Insolvenzverwaltern in Südwestdeutschland präsent. Damals wechselte Leichtle mit einem Team von Schultze & Braun zu der Kanzlei. Leichtle verfügt über zwei Jahrzehnte Erfahrung als Verwalter. Zuletzt wirkte er etwa als Sachwalter im Schutzschirmverfahren des schwäbischen Modekonzerns Peter Hahn.
Noerr steht den Banken zur Seite
Nach JUVE-Informationen soll Noerr-Partner Naujoks die Gläubigerbanken fortlaufend beraten. Der Finanzrechtler wird im Markt auch als Beteiligter des Noerr-Teams genannt, das derzeit der Bayerischen Versorgungskammer als Gläubigerin der KaDeWe-Gruppe zur Seite steht.
Vorinsolvenzlich waren dem Vernehmen nach die kleine Restrukturierungspraxis von Norton Rose um Bea-Pulverich sowie nach Informationen aus dem Markt auch ein Team um den Hamburger Latham-Partner Klockenbrink im Mandat. Die Frankfurterin Bea-Pulverich ist derzeit die einzige rein auf Restrukturierung fokussierte deutsche Partnerin der weltweit tätigen britisch-amerikanischen Fusionskanzlei. Klockenbrink berät seit mehr als einem Jahrzehnt Mandanten bei Restrukturierungen, Distressed M&A- und Vollstreckungssituationen.
Um die Bündelung der Gläubigerinteressen in einem Lieferantenpool bemüht sich der Kölner Müller-Seils. Der langjährig erfahrene Spezialist ist derzeit in gleicher Mission im Verfahren von Arko, Hussel und Eilles sowie bei den Deutschen Steinzeugwerken mit Sitz im rheinischen Alfter-Witterschlick tätig.