Gleiss Lutz hatte die internen Abläufe in der Zeit davor geprüft. Auf Basis der Ergebnisse entschied das Unternehmen, neben Winterkorn auch dessen frühere Kollegen Rupert Stadler, Wolfgang Hatz und Stefan Knirsch zu belangen. Nach dem Grundsatzbeschluss im März steht jetzt die endgültige Einigung.
Winterkorns private Überweisung wird mit 11,2 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch sein wie die 5 Millionen, die Heinrich von Pierer infolge des Schmiergeldskandals beim Elektroriesen Siemens leisten musste. Für den lange als „Mr. Volkswagen“ geachteten Manager kommt eine solche Selbstbeteiligung indes nicht einmal an die 17 Millionen Euro heran, die er in seinen besten Jahren an Gehalt einstrich.
Seine persönliche und die von den Versicherern zugesagten Zahlungen – letztere liegen bei 270 Millionen Euro – übertreffen nach Angaben eines Unterhändlers die Werte bei allen bisherigen Wirtschaftskrimis hierzulande. Mehr als 30 Anbieter sogenannter D&O-Policen, die auf Haftungsrisiken im Management spezialisiert sind, beteiligen sich – darunter Größen wie Allianz, Zurich oder Axa. Herausgekommen sei am Ende die „mit Abstand höchste Summe, die ein solches Konsortium in Deutschland jemals auf den Tisch gelegt hat“.
Dennoch deckt das Geld weniger als ein Hundertstel dessen ab, was der Abgasbetrug VW aus der Bilanz fraß. Die Diesel-Rechtskosten machen im größten deutschen Konzern inzwischen über 32 Milliarden Euro aus.
Drei Co-Manager aus Winterkorns Zeit schlossen sich der Einigung an. Ex-Audi-Chef Rupert Stadler selbst überweist 4,1 Millionen Euro. Bei ihm und Winterkorn geht es um die Verletzung von Sorgfaltspflichten im Aktienrecht. Der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz steuert 1,5 Millionen Euro bei, Stefan Knirsch von Audi 1 Millionen Euro.
VW hatte auch vom Ex-Entwicklungschef der VW-Kernmarke und von Audi, Ulrich Hackenberg, Schadenersatz verlangt. Dieser sei aber „nicht zu einer Einigung bereit“, hieß es. Als Konsequenz sollen deshalb nun „gerichtliche Schritte“ gegen ihn vorbereitet werden.
Die jetzt geschlossenen Vergleiche bewegen sich außerhalb zivil- und strafrechtlicher Verfahren. Am 22. Juli muss die VW-Hauptversammlung sie noch billigen.
Berater Aufsichtsräte Volkswagen
Gleiss Lutz: Prof. Dr. Michael Arnold (Gesamtfederführung), Dr. Tobias Harzenetter, Dr. Hansjörg Scheel (Verhandlungen Vergleiche Vorstandsmitglieder und D&O-Versicherungen)
Martin Hitzer, Dr. Vera Rothenburg (Co-Federführung Volkswagen), Prof. Dr. Christian Arnold, Dr. Alexander Werder, Dr. Matthias Gärtner, Dr. Thomas Kreuz; Associates: Dr. Joscha Meyer, Nils Maiwurm, Lukas Neuhaus, Dr. Simon Frye, Dr. Charlotte Evers, Dr. Bettina Sauter, Christian Ditté, Dr. Michael Traub, Dr. Nikolai Unmuth, Dr. Jan-David Geiger, Daniel Bernhardt, Frank Buchhöcker, Katharina Bein, Anna Gralla, Jonas Hofer
Steffen Carl, Dr. Patrick Mossler, Dr. David Quinke (Co-Federführung Audi), Dr. Stephan Dangelmayer, Dr. Christopher Splinter, Dr. Julian Aicher, Dr. Nadja Al-Wraikat, Laura de Leeuw, Dr. Stephan Kreifels
Dr. Adrian Bingel, Dr. Gabriele Roßkopf (Co-Federführung Porsche), Marie-Theres Lochner, Moritz Stilz, Richard Notz, Dr. Johannes Culmann; Associates: Maximilian Imre, Julia Schumann, Dr. Christian Bock, Dr. Matthias Schilde, Jan Hinrichs, Matthias Hahn, Silke Hoffmann, Teresa Link
Berater Zurich
DLA Piper (Köln): Dr. Christian Schneider, Torben Schlüter (beide Versicherungsrecht)
Inhouse (Frankfurt): Markus Both (Head of Financial Lines Claims), Kirsten Siemon (Teamleader Financial Lines Claims)
Vertreter Axa XL
Fiedler Cryns-Moll (Köln): Dr. Anna Cryns-Moll, Björn Fiedler
Segger (Köln): Dr. Stefan Segger
Vertreter AIG
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Björn Seitz, Jan Kordes
Verteter QBE
Friedrich Graf von Westphalen (Köln): Prof. Dr. Tobias Lenz, Mike Weitzel
Vertreter Liberty
Clyde & Co (Düsseldorf): Dr. Henning Schaloske, Daniel Kreienkamp
Vertreter Allianz
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Bastian Finkel, Dr. Julia Achtmann
Vertreter Tokyo Marine
BLD Bach Langheid Dallmayr (München): Dr. Reinhard Dallmayr, Dr. Joachim Krane
Vertreter Great Lakes
Thümmel Schütze & Partner (Stuttgart): Prof. Dr. Roderich Thümmel, Dr. Frank Schmidt-Husson
Vertreter Ergo
Fieldfisher (München): Dr. Jan-Ulf Suchomel
Berater Martin Winterkorn
Dr. Kersten von Schenck (Frankfurt)
Cyrus (Frankfurt): Dr. Rolf Cyrus
Berater Rupert Stadler
Kliemt (Düsseldorf): Prof. Dr. Michael Kliemt
Berater Stefan Knirsch
Eckstein & Kollegen (München): Frank Eckstein
Berater Wolfgang Hatz
Küttner (Köln): Dr. Tim Wißmann (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Loschelder (Köln): Dr. Sandra Orlikowski-Wolf (Versicherungsrecht)
Berater Ulrich Hackenberg
Martius (München): Dr. Wolfgang Grobecker, Dr. Philipp Kopp, Philipp Opitz (alle Corporate/Litigation)
Hintergrund: Dem Turm der D&O-Versicherer gehören neben Zurich auf der ersten Stufe so gut wie alle Branchengrößen an. Jeder Versicherer hatte eigene Rechtsberater. DLA war für den Versicherer Zurich im Mandat. Die Beziehung besteht bereits sein 2015. Seit Ende März dieses Jahres war DLA mit den Verhandlungen zwischen Managern und Versicherern betraut. Eine federführende Rolle soll auch die Zurich-Inhouse-Abteilung gespielt haben, mit der DLA eng zusammenarbeitete.
Die Vertreter der Vorstände sind bereits seit geraumer Zeit mandatiert.
Gleiss Lutz berät bekanntlich seit Jahren den Aufsichtsrat. Die Kanzlei hat den Komplex unter der Gesamtverantwortung von Prof. Dr. Michael Arnold in mehrere Workstreams mit jeweils eigenen Lead-Partnerinnen und -Partnern unterteilt.