Diesel

Gleiss-Bericht zum VW-Skandal sprengt alle Dimensionen

Früheren VW-Managern drohen umfangreiche Schadensersatzforderungen: Nach der Aufarbeitung eines riesigen Datenbergs durch Gleiss Lutz will der Aufsichtsrat des VW-Konzerns frühere Vorstände wegen des Dieselskandals in Regress nehmen. Neben Martin Winterkorn und Rupert Stadler werden auch den ehemaligen Vorständen von Audi, Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch, sowie dem früheren Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz "aktienrechtliche Sorgfaltspflichtverletzungen" vorgeworfen.

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Michael Arnold
Michael Arnold

Es sei die mit  „Abstand umfangreichste und aufwändigste Untersuchung in einem Unternehmen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte“, so Gleiss. Ihre Anwälte hätten für die Aufarbeitung über 65 Petabyte Daten analysiert, insgesamt wurden mehr als 480 Millionen Dokumente in Datenräume überführt. Ein Petabyte sind eine Billiarde Bytes, eine Zahl mit 15 Nullen. Auf Papier ausgedruckt würden die gesicherten Daten einen Stapel ergeben, der mehrmals um die Erde reicht.

Außerdem, so Gleiss, seien 1,6 Millionen Dateien überprüft und über 1.550 Interviews und Vernehmungen geführt worden. Dazu gehörten auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten, Berichte des US-Monitors Larry Thompson sowie behördliche und gerichtliche Verfahren. Entsprechend umfangreich waren auch die Gleiss-Truppen: Über 70 Anwälte plus Projekt-Juristen arbeiteten zu Hochzeiten an dem Fall. Naheliegend ist deshalb, dass Gleiss auch die Durchsetzung der Forderungen in Angriff nehmen wird.

Haftungssumme noch unbekannt

Konzernchef Martin Winterkorn hat nach der Ankündigung von Schadenersatzforderungen gegen ihn beteuert, sich vor dem Auffliegen der Diesel-Affäre korrekt verhalten zu haben. Über seine Anwälte Dr. Felix Dörr und Dr. Kersten von Schenck ließ er am Freitag erklären, „alles Erforderliche getan und nichts unterlassen zu haben, was dazu geführt hätte, den entstandenen Schaden zu vermeiden oder geringer zu halten“.

Um welche Haftungssumme es gehen könnte, ist noch nicht bekannt. VW kostete die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals bisher schon weit über 30 Milliarden Euro.

Kersten von Schenck
Kersten von Schenck

Gegenstand der von Gleiss geleiteten Untersuchungen war, ob Winterkorn, Stadler und möglicherweise weiteren damaligen Führungskräften vor dem Auffliegen der Affäre im September 2015 fahrlässige Management- und Kontrollversäumnisse vorzuwerfen sind. Diese möglichen Versäumnisse hatten letztlich die Manipulationen an weltweit Millionen Dieselautos ermöglicht oder zumindest nicht verhindert.

Springt die D&O-Versicherung ein?

Winterkorn wird wegen der Abgasaffäre auch vor Gericht stehen. Mitte September soll in Braunschweig der Prozess gegen ihn und vier weitere, teils ehemalige Führungskräfte wegen mutmaßlichen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs beginnen. Das Landgericht hatte den Beginn wegen der Corona-Lage kürzlich verschoben. Stadler und Hatz stehen wegen einer möglichen Mitverantwortung für manipulierte Abgaswerte bereits vor dem Münchner Landgericht.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Forderungen heute Mittag begannen die Diskussionen darüber, ob und wenn ja in welcher Höhe die Managerhaftpflicht von Winterkorn & Co. einspringen wird. Soweit bekannt, ist Zurich der D&O-Versicherer der Manager. Schon vor einigen Jahren wurde darüber spekuliert, dass der Fall der bislang größte Management-Haftpflichtfall werden könnte. (Christiane Schiffer; mit Material von dpa)

Michael Kliemt
Michael Kliemt

Berater Aufsichtsräte
Gleiss Lutz: Prof. Dr. Michael Arnold (Gesamtfederführung), Martin Hitzer, Dr. Vera Rothenburg (beide Federführung Volkswagen), Steffen Carl (Federführung Audi), Dr. Adrian Bingel, Dr. Gabriele Roßkopf (beide Federführung Porsche)

Für Volkswagen
: Dr. Hansjörg Scheel, Dr. Dirk Wasmann, Dr. Burghard Hildebrandt, Prof. Dr. Christian Arnold, Dr. Alexander Werder, Dr. Bernhard Busch, Dr. Christian Hamann, Dr. Detlef Schmidt, Dr. Thomas Kreuz, Dr. Matthias Gärtner, Dr. Eva Koch, Konrad Discher; Associates: Nils Maiwurm, Katharina Bein, Dr. Simon Frye, Dr. Joscha Meyer, Lukas Neuhaus, Dr. Bettina Sauter, Dr. Michael Traub, Dr. Nikolai Unmuth, Dr. Jan-David Geiger, Daniel Bernhardt, Frank Buchhöcker, Martin Weil, Dr.Ricarda Zeh, , Dr. Christian Ditté, Dr. Daniel Görlich, Simon Wegmann, Aylin Hoffs, Tatjana Schmidt, Henrike Westphal, Dr. Dominik Monz, Carsten Fitting, Dr. Markus Martin, Moritz Stilz, Dr. Hilmar Hütten, Dr. Lars Kindler, Dr. Ulrike von Paris

Für Audi: Dr. Patrick Mossler, Dr. Tobias Harzenetter, Dr. Tobias Boecken, Dr. David Quinke; Associates: Dr. Stephan Dangelmayer, Dr. Julius Scheifele, Dr. Tobias Klemm, Dr. Julian Aicher, Melina Grauschopf, Dr. Daniel Widmann, Dr. Nadja Al-Wraikat, Anke Siemer-Arqc, Dr. Julia Egyptien, Laura de Leeuw, Dr. Stephan Kreifels, Simone Lindenmüller, Alexandra-Helene Schwager

Für Porsche: Dr. Stephanie Lumpp, Dr. Johannes Culmann; Associates: Marie-Theres Lochner, Dr. Christian Bock, Dr. David Schneider, Richard Notz, Oliver Wolf, Dr. Matthias Schilde, Jan Hinrichs, Matthias Hahn, Maximilian Imre, Julia Schumann

Wolfgang Grobecker
Wolfgang Grobecker

Berater Martin Winterkorn
Dr. Kersten von Schenck (Frankfurt; Corporate/Kapitalmarktrecht)
Dr. Dörr & Kollegen (Frankfurt): Dr. Felix Dörr (Wirtschaftsstrafrecht)

Berater Rupert Stadler
Kliemt (Düsseldorf): Prof. Dr. Michael Kliemt (Arbeitsrecht)
Pfordte Bosbach (München): Thilo Pfordte, Ulrike Thole-Groll (beide Wirtschaftsstrafrecht)

Berater Ulrich Hackenberg
Martius (München): Dr. Wolfgang Grobecker, Dr. Philipp Kopp, Philipp Opitz (alle Corporate/Litigation)
Stetter (München): Dr. Sabine Stetter (Wirtschaftsstrafrecht)

Berater Stefan Knirsch
Eckstein & Kollegen (München): Frank Eckstein (Wirtschaftsstrafrecht)

Berater Wolfgang Hatz
Küttner (Köln): Dr. Tim Wißmann (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Trüg Habetha (Freiburg): Prof. Dr. Gerson Trüg, Dr. Jörg Habetha (beide Wirtschaftsstrafrecht)

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