Das höchste Bußgeld unter den japanischen Herstellern entfiel auf NTN: Das Unternehmen hatte als einziger Beteiligter nicht mit den Ermittlern kooperiert und muss 201 Millionen Euro zahlen. JTEKT ging als Kronzeugin straffrei aus, NSK zahlt 62 Millionen Euro, NFC knapp 4 Millionen. Bis auf NTN erzielten alle Beteiligten durch Kooperation mit der Behörde Strafnachlässe. Einen Rabatt von 10 Prozent gewährte die Kommission am Ende allen Kartellanten, da diese sich auf ein Settlement einließen – also ihre Beteiligung an dem Kartell zugaben und so einen schnelleren Abschluss des Verfahrens ermöglichten.
Die Kommission wirft den Wälzlager-Herstellern illegale Preisabsprachen zwischen 2004 und 2011 vor. Sie hätten steigende Stahlpreise koordiniert an die Kunden in der Autoindustrie weitergegeben und sich bei Kostenvoranschlägen und Jahresrabatten für die Abnehmer abgestimmt. Laut Kommission beträgt das Marktvolumen für Wälzlager allein in Europa etwa zwei Milliarden Euro.
Vertreter Schaeffler
WilmerHale (Brüssel): Christian Duvernoy – aus dem Markt bekannt
Vertreter SKF
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Wolfgang Bosch, Antonia Harbusch – aus dem Markt bekannt
Vertreter JTEKT
Van Bael & Bellis (Brüssel): Kris Van Hove, Charlotte Nassogne, Stephanie Reinart
Vertreter NSK
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (Brüssel): Robbert Snelders, Lars-Peter Rudolf; Associate: Jacopo Figus Diaz
Vertreter NFC
Herbert Smith Freehills (Brüssel): Craig Pouncey; Associates: Adelaide Luke, Camille Puech
Vertreter NTN
White & Case (Brüssel): Ian Forrester, Mark Powell; Associate: Pascal Berghe
Hintergrund: Als einziges beteiligtes Unternehmen wurde der schwedische Maschinenbaukonzern SKF nicht von Brüsseler Anwälten vertreten, sondern von Wolfgang Bosch, Partner im Frankfurter Gleiss-Büro. Vor allem die deutsche SKF-Tochter arbeitet mit Gleiss seit Langem zusammen. Für die Mandatierung im Wälzlager-Verfahren dürfte aber vor allem Boschs Erfahrung in Settlement-Verhandlungen mit der Kommission den Ausschlag gegeben haben. Unter anderem erzielte er für den Spezialglashersteller Schott 2011 einen Vergleich mit der Brüsseler Behörde.
Angesichts der globalen Aufstellung vieler Zulieferer, gegen die gleichzeitig von europäischen, japanischen und US-Wettbewerbsbehörden ermittelt wird, verwundert es nicht, dass auch global operierende Kanzleien als Rechtsvertreter hinzugezogen werden. Das Brüsseler Cleary-Büro etwa erhielt das Mandat durch langjährige Beziehungen zu der japanischen Großkanzlei Nishimura & Asahi, die NSK in Kartellverfahren gegenüber den dortigen Behörden vertritt.
Das Wälzlager-Verfahren ist Teil eines Konglomerats weltweiter Ermittlungen und Razzien gegen Autozulieferer, an denen auch die Kartellbehörden in Japan und den USA beteiligt sind. Bereits im vergangenen Jahr hat die Kommission vier Herstellern von Autokabeln Bußgelder in Höhe von 142 Millionen Euro auferlegt, auch die Wettbewerbsbehörden in Japan und den USA haben hohe Bußgelder gegen Wälzlager- und Kabelhersteller verhängt.
Insgesamt dürften die Kartell-Untersuchungen noch am Anfang stehen: Schätzungen zufolge wird global gegen mindestens ein Dutzend Autozuliefererkartelle ermittelt, 60 bis 80 Unternehmen sollen beteiligt sein. Die EU-Kommission etwa hat die Hersteller von Airbags, Sicherheitsgurten, Lenkrädern, Klimaanlagen, Motorkühlungen und Scheinwerfern im Visier. Experten erwarten viele weitere Bußgeldentscheidungen in diesem Komplex.