Allein der Kabelstrang eines Autos besteht aus 5.000 Einzelteilen. Entsprechend lang ist die Wertschöpfungskette des gesamten Fahrzeugs. Und entsprechend schwierig ist es, einen Überblick zu bekommen über sämtliche Materialien und Rohstoffe, die in einem Auto verbaut sind.
Catena-X vernetzt deshalb Autokonzerne und mittelständische Zulieferer sowie Chemie-Unternehmen, Softwareanbieter und Recyclingfirmen, um die Lieferkette zu digitalisieren und so Fragen zu beantworten wie: Wie viel CO2 entsteht bei der Produktion eines Zulieferteils? Wie viel trägt es somit zum CO2-Fußabdruck des Endprodukts bei? In welcher Charge wurden fehlerhafte Teile verbaut? Und mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft: Welche Teile einer Batterie in einem Elektromobil lassen sich wie recyceln? Das hilft Unternehmen bei der Dekarbonisierung. Zugleich sind beispielsweise Berichtspflichten nach dem Lieferkettengesetz leichter zu erfüllen.
Vorzeigeprojekt für europäische Dateninfrastruktur
Mit Catena-X ist nun der erste Anwendungsfall des europäischen Cloud-Projekts Gaia-X am Markt. Standardisierte Geschäftsprozesse für den Datenaustausch erleichtern es Unternehmen jeder Größe, Teil des Netzwerks zu werden. Wer Daten hochlädt, bleibt Herr der Daten und behält die volle Kontrolle, weil der Austausch dezentral erfolgt. Als Türöffner für den Datenraum fungiert die Betreibergesellschaft Cofinity-X. Sie regelt die technische Umsetzung und Registrierung der Teilnehmenden. Hinter dem Joint Venture Cofinity-X stehen zehn Industriekonzerne, darunter BASF, BMW, Mercedes-Benz, Schaeffler, Siemens, Volkswagen und ZF.
Blaupause für weitere Datenräume
Catena-X könnte zur Blaupause für weitere nationale und internationale Datenräume werden wie die Initiative Manufacturing-X für den Maschinenbau oder Factory-X für die Fertigungsindustrie. Voraussichtlich Mitte 2025 wird der ‚EU Data Act‘ in Kraft treten. Er soll Unternehmen dazu verpflichten, Informationen aus den Sensoren ihrer Produkte mit Kunden und Geschäftspartnern zu teilen. Cloudbasierte Datenräume können einen Rahmen für diesen Datentransfer schaffen.
Die Juristen leisteten dafür Pionierarbeit mit einer Kaskade an Abstufungsprozessen, um Spezifikationen für jeden einzelnen Use Case zu definieren und den Datenaustausch skalierbar zu machen. Um auch Anreize für mittelständische Zulieferer zu bieten, durften die Vorgaben zudem nicht einseitig die Interessen der Industrie widerspiegeln.
Knifflige Fragen im Kartellrecht
Gemeinsame Initiativen zu Forschung und Entwicklung wie Catena-X bergen Tücken im Kartellrecht, weil die beteiligten Unternehmen keine wettbewerbsrelevante Daten austauschen dürfen. Rechtzeitig vor dem Start bescheinigte das Bundeskartellamt Catena-X: „Richtig aufgesetzt sind Initiativen wie diese vielversprechend, weil sie in der Zukunft zu einer Wettbewerbsbelebung bei Cloud-Services führen könnten.“
Berater Catena-X Automotive Network e.V.
Ashurst (München): Dr. Alexander Duisberg (Federführung; IT- und Datenrecht), Dr. Konstantin Filbinger (Corporate)
Hogan Lovells (München): Dr. Christoph Wünschmann (Kartellrecht), Peter Huber (Corporate; beide Federführung), Johanna Brock-Wenzek, Dr. Lukas Rengier (beide Kartellrecht), Tobias Flasbarth (Corporate; Hamburg), Dr. Steffen Steiniger, Dr. Martin Pflüger, Dr. Marion Fischer (alle IT/IP), Dr. Patrick Ayad (Regulierung), Dr. Ingmar Dörr (Steuerrecht), Dr. Tim Joppich (Düsseldorf), Dr. Sabrina Gäbeler (Frankfurt; beide Arbeitsrecht), Imogen Fowler (Alicante), Jane Seager (Paris), Vanessa Tang (Peking; alle Markenrecht); Associates: Christian Schröder (Corporate; Frankfurt), Benedikt Weiß (Kartellrecht), Miriam Werner (IT/IP), Jose Casillas (Markenrecht; Mexico City)
Inhouse Recht (BASF; Ludwigshafen): Helge Erkelenz (Senior Legal Counsel Intellectual Property)
Inhouse Recht (BMW; München): Dr. Christian Frick (Senior Legal Counsel, Lead Center of Competence Antitrust Law) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Robert Bosch; Stuttgart): Susanne Eisenmann, Daniela Schiele, Julian Weschky (alle Corporate Legal Services) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Mercedes-Benz; Stuttgart): Dr. Anne-Kathrin Jirik (Konzerndatenschutz) – aus dem Markt bekannt
Berater Cofinity-X GmbH
Taylor Wessing (München): Dr. Christian Frank (Federführung), Dr. Julia von Imhoff (beide IT-Recht), Dr. Elisabeth Schalk (Corporate/M&A)
Hintergrund: Der federführende IT-Rechtler Duisberg wechselte Anfang des Jahres von Bird & Bird zu Ashurst. Er gilt als einer der wenigen Experten für Datenräume, was ihm auch zu dem Catena-X-Mandat verhalf. Beispielsweise berät er auch das Datenökosystem International Data Spaces mit mehr als 100 Mitgliedern. Im Rahmen des Go live von Catena-X war Ashurst denn auch gefragt zu Governance-Struktur des Datenaustauschs und Rahmenbedingungen für Anwendungsfälle.
Hogan Lovells kam schon vor rund zwei Jahren ins Boot, um das europaweite Projekt Catena-X aus der Taufe zu heben: Die Kanzlei beriet das Netzwerk zu Gründung, Strategie und IP. Unter anderem entwickelten die Anwälte die Corporate Governance des eingetragenen Vereins sowie kartellrechtliche Leitlinien.
Kartellrechtler Wünschmann ist regelmäßig an der Seite der Autoindustrie zu sehen, wenn es um kartellrechtliche Fragen zu technischen Innovationen geht. Die Plattform Arena2036, die diverse Zukunftsprojekte der Mobilitätsbranche bündelt, mandatierte Wünschmanns Team etwa, um die Standardisierung der Kabelbaum-Fertigung kartellrechtlich sauber aufzusetzen. Viele Beteiligte der Kabelbaum-Initiative sind auch an Catena-X beteiligt.
Dagegen brachte Taylor Wessing-Partner Dr. Christian Frank ein Pitch ins Mandat. Sein Team beriet Cofinity-X, die als technischer Dienstleister die Umsetzung des Datenraums und Registrierung der Teilnehmer verantwortet, zu Verträgen mit Lieferanten und Kunden sowie Entwicklungsverträgen.