Aufhebungsvertrag

Heuking und Gleiss begleiten VW-Vorstandswechsel

Volkswagen hat überraschend mitgeteilt, dass Vorstandschef Herbert Diess Anfang September ausscheidet. Sein Nachfolger wird Porsche-Chef Oliver Blume. Der Spitzenmanager Diess war vor knapp sieben Jahren von BMW zu VW gewechselt, bleibt dem Konzern aber erhalten.

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Aktuell leitet Herbert Diess den elfköpfigen VW-Vorstand, dem seit Februar auch Jurist Dr. Manfred Döss angehört.

Der 63-Jährige Diess bleibe als Berater zunächst regulär bis zum Vertragsende im Herbst 2025 und werde weiter bezahlt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Diess kam 2015 zu VW und wurde 2018 Konzernchef. Im vergangenen Jahr verdiente er einschließlich Aufwendungen für die spätere Altersversorgung mehr als 10 Millionen Euro. Gerüchte über eine Ablösung gab es schon mehrmals, insofern kam die Entscheidung des Aufsichtsrates nicht ganz überraschend.

Andreas Urban

Zwar galt Diess’ Umsteuern in Richtung E-Mobilität und Softwaremanagement bei vielen Investoren als mutiger Schritt. Doch zuletzt machte sich in vielen Bereichen Nervosität aufgrund des Rückstands in der Softwareentwicklung breit, unter anderem wegen Unstimmigkeiten beim Ausbau der IT-Sparte Cariad.  

Doppelgleisig zum Börsengang des Jahres

Der Aufsichtsrat beschloss, dass Nachfolger Oliver Blume seine bisherige Aufgabe bei Porsche fortführen und im operativen VW-Tagesgeschäft von VW-Finanzchef Arno Antlitz als als Chief Operating Officer (COO) unterstützt werden soll. 

Der künftige VW-Chef Blume ist in Braunschweig geboren und promovierte dort im Maschinenbau. Als Trainee startete er 1994 bei Audi, nach einer Station bei Seat wurde er 2009 Leiter der Produktionsplanung bei der Marke Volkswagen. Im Jahr 2013 wurde er als Vorstand zur Sportwagentochter Porsche nach Stuttgart berufen, 2015 dann zum Vorstandsvorsitzenden.

Michael Arnold

In diesem Jahr soll Porsche an die Börse gehen – und in Teilen auch wieder direkt in die Hände der Eigentümerfamilien. Es könnte einer der größten Börsengänge der jüngeren Zeit in Deutschland werden.

Berater Herbert Diess
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Berlin): Dr. Andreas Urban (Corporate) – aus dem Markt bekannt 

Berater Volkswagen-Aufsichtsrat 
Gleiss Lutz (Stuttgart): Prof. Dr. Michael Arnold (Corporate), Prof. Dr. Christian Arnold (Arbeitsrecht), Dr. Adrian Bingel (alle Federführung), Dr. Vera Rothenburg, Dr. Jan-David Geiger, Dr. Markus Martin, Dr. Matthias Gärtner (Düsseldorf); Associates: Dr. Silke Hoffmann, Teresa Link, Daniel Bernhardt (alle Corporate), Dr. Ricarda Zeh, Eva Schiebsdat, Peter Hummel (alle Arbeitsrecht)

Hintergrund: Laut JUVE-Recherchen vertraut Diess schon länger auf Heuking-Managing-Partner Urban. Er ist regelmäßig mit aktien- und dienstrechtlichen Fragen befasst. In der Vergangenheit sahen ihn Marktteilnehmer beispielsweise auch an der Seite mehrerer Innogy-Manager, die im Herbst 2019 einer Verkleinerung des dortigen Vorstandes und der Aufhebung ihrer Vorstandsverträge zustimmten.

Ob Porsche-Vorstand Blume oder Finanzvorstand Antlitz sich zu anstehenden Veränderungen in ihrem Aufgabenzuschnitt im Hintergrund anwaltlich beraten ließen, ist bislang nicht bekannt. Als der frühere Audi-Chef und VW-Vorstand Rupert Stadler seinen Hut nahm, hatte er sich von Prof. Dr. Michael Kliemt, Namenspartner der gleichnamigen Arbeitsrechtskanzlei, beraten lassen.

Das große Gleiss-Team, das hier den VW-Aufsichtsrat zur Vertragsveränderung bei Diess beriet, steht dem Kontrollgremiun schon seit mehreren Jahren fachübergreifend zur Seite. Die beiden Stuttgarter Partner Michael und Christian Arnold – einer berät primär im Gesellschaftsrecht, der andere im Arbeits- und Dienstrecht – hatten hier noch den jüngeren Partner Bingel mit ins federführende Team aufgenommen. Bingel, der beispielsweise auch die Aufsichtsräte von SAP regelmäßig unterstützt, berät mit Corporate-Partner Michael Arnold zusammen auch den VW-Konzern im Hinblick auf den geplanten Börsengang von Porsche. (mit Material von dpa)

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