Umstrittene Sammlung übernommen

CMS berät Kunstmuseum Bern zum Gurlitt-Erbe

Das Kunstmuseum Bern hat das Erbe des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt angenommen. Dies teilten Museum, Bund und Bayern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit. Der Anfang Mai verstorbene Gurlitt hatte die Stiftung des Schweizer Museums testamentarisch als Alleinerbin eingesetzt.

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Winfried Bullinger
Winfried Bullinger

Das Museum prüfte im Rahmen der sechsmonatigen Ausschlagsfrist intensiv, mit welchen Risiken die Annahme des Erbes verbundenen ist. Unter der umfangreichen Sammlung, die mehr als 1.500 Werke umfasst, befinden sich auch Nazi-Raubkunst. Diese hatte Cornelius Gurlitt von seinem Vater, dem NS-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, übernommen. 

Um genau zu regeln, wie mit der Sammlung zu verfahren ist, schloss nun das Berner Kunstmuseum mit dem Kulturstaatsministerium und dem bayerischen Justizministerium eine Vereinbarung. Gurlitt hatte sich im April, wenige Wochen vor seinem Tod, mit dem Bund und dem Freistaat Bayern darauf verständigt, weitere Provenienzrecherchen an den Kunstwerken zu gestatten. Dafür waren die Bilder nicht mehr beschlagnahmt, sondern gingen auf eine Treuhand über.

Berater Kunstmuseum Bern
CMS: Dr. Beat von Rechenberg (Zürich; Gesamtkoordination), Prof. Dr. Winfried Bullinger (Federführung Deutschland; Kunstrecht/Restitution/Kulturgutschutz), Dr. Wolf-Georg Freiherr von Rechenberg (beide Berlin), Dr. Gerd Seeliger (München; beide Steuern), Hans-Christian Blum (Erbrecht; Stuttgart), Dr. Bernhard Hainz (Kulturgutschutz; Wien); Associate: Dr. Katharina Garbers-von Boehm (Kunstrecht/Restitution/Kulturgutschutz)
Arn Friederich Strecker Buchli Brülhart (Bern): Dr. Marcel Brülhart

Berater Freistaat Bayern
Inhouse Recht (München; Justizministerium): Prof. Dr. Frank Arloth (Ministerialdirigent) – aus dem Markt bekannt

Vertreter Bundesrepublik Deutschland
Inhouse Recht (Berlin; Staatsministerin für Kunst und Medien): Günter Winands – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Soweit bekannt konnte sich CMS in einem Pitch für das Mandat für das Kunstmuseum Bern durchsetzen. Dabei spielte nicht nur die Tatsache eine Rolle, dass die Kanzlei in den drei relevanten Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz vertreten ist. Hinzu kam die langjährige Erfahrung des Berliner Partners Bullinger und der Senior Associate Garbers-von Boehm in Kunstrestitutionsverfahren. So vertrat Bullinger 2007 die Erben von Lyonel Feininger beim außergerichtlichen Vergleich mit der Quedlinburger Lyonel Feininger-Galerie sowie den Erben von Dr. Hermann Klumpp.

Neben dem Züricher CMS-Partner von Rechenberg, bei dem die Gesamtkoordination des Mandates lag, war in der Schweiz noch der Berner Anwalt Brülhart involviert, der über enge Beziehungen zu dem dortigen Kunstmuseum verfügt. Brülhart ist in der Schweiz nicht nur als Anwalt bekannt, er organisierte auch die Fußball-EM 2008 in Bern und die Eishockey-WM 2009.

Aufseiten des Freistaates und der Bundesrepublik waren soweit bekannt keine externen Anwälte aktiv. Vielmehr kümmerte sich eine große Delegation aus den jeweiligen Ministerien um die Verhandlungen. Winands hatte bereits im April, noch zu Lebzeiten von Gurlitt, die Einigung mit dem Kunstsammler begleitet. Auf bayrischer Seite war damals noch der Ministerialdirektor Dr. Walter Schön als Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz in die Verhandlungen involviert. Schön verabschiedete sich jedoch Ende Mai in den Ruhestand, nun übernahm diese Rolle sein Nachfolger Arloth.

Am vergangenen Freitag beantragte zudem eine Cousine Gurlitts beim zuständigen Nachlassgericht in München einen Erbschein für das Erbe des Sammlers. Sie wird dabei von weiteren Familienangehörigen unterstützt. Der Grund für diesen Schritt sei ein Gutachten des Juristen und Psychiaters Helmut Hausner, wonach Gurlitt beim Verfassen seines Testaments an „paranoiden Wahnideen“ gelitten habe. Die Cousine Uta Werner und ihr Bruder Dietrich wären die gesetzlichen Erben gewesen.

Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus, die Cousine wird nach JUVE-Informationen von dem Münchner Anwalt Dr. Winfried Klöpper von SBL Kloepper vertreten. Aus dieser Kanzlei war bereits Dr. Louis-Gabriel Rönsberg für Cornelius Gurlitt im Kunstrecht aktiv.

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