VW-Umbau

Freshfields stützt Tratons Navistar-Offerte, Linklaters steuert Renk-Verkauf

In Deutschland verkauft Volkswagen seine Anteile an der ehemaligen MAN-Tochter Renk an den Finanzinvestor Triton. Dafür zahlt Triton 520 Millionen Euro. Parallel plant die Nutzfahrzeugtochter des Autobauers, Traton, die Übernahme des Lkw-Herstellers Navistar in den USA. Das Münchner Unternehmen hält bereits 16,8 Prozent an Navistar und bietet nun 35 Dollar für die verbleibenden Anteile. Insgesamt müsste Traton 2,9 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

Teilen Sie unseren Beitrag
Rick van Aerssen
Rick van Aerssen

Beide Transaktionen sind noch nicht abgeschlossen, besonders viel zu tun ist noch bei der Übernahme von Navistar. Dem Verwaltungsrat der Amerikaner sei ein Vorschlag zum Kauf der Aktien gemacht worden, teilten VW und Traton mit. Der Vorschlag stehe insbesondere unter dem Vorbehalt, dass sich Traton und Navistar auf den Abschluss eines Zusammenschlussvertrages einigten, eine zufriedenstellende Buchprüfung durchgeführt werde und die Gremien beider Unternehmen sowie der Verwaltungsrat und die Aktionärsversammlung von Navistar der Vereinbarung zustimmten.

Volkswagen war im September 2016 bei Navistar eingestiegen und hatte damals 15,76 Dollar je Papier bezahlt. Zwischenzeitlich lag der Kurs von Navistar bei über 47 Dollar. Die jetzige Avance von Traton wird von ihrer Großaktionärin Volkswagen unterstützt und finanziell mit abgesichert.

Achim Kirchfeld
Achim Kirchfeld

Renk-Übernahme könnte teurer werden

Die Übernahme des Augsburger Herstellers von Getrieben, Renk, kann hingegen nur noch von den Behörden kassiert werden. Der Vollzug des Aktienkaufvertrages unterliegt der Fusionskontrolle und beispielsweise auch der außenwirtschaftlichen Genehmigung, die Angebotsunterlagen werden zudem von der BaFin geprüft.

Parallel hatte Triton mit dem Renk-Management eine Investitionsvereinbarung zur künftigen Zusammenarbeit geschlossen. Die Investition erfolgt über den Fonds Triton V, der vor einem Jahr mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro aufgelegt wurde, und der für das Übernahmeangebot die Gesellschaft SCUR-Alpha 1138 (künftig: Rebecca BidCo) aufsetzte.

An Renk, die 2011 durch die Übernahme von MAN Teil des Volkswagen-Konzerns wurde, waren neben Triton noch zahlreiche weitere Investoren interessiert. Bis zum Schluss sollen EQT und der Düsseldorfer Rüstungskonzern und Automobilzulieferer Rheinmetall im Rennen gewesen sein.

Der Kaufpreis für den 76-Prozent-Anteil der Wolfsburger liege bei anfänglich 97,80 Euro je Aktie, teilte Triton mit. Der Mittelstandsinvestor machte gleichzeitig den restlichen Renk-Aktionären ein Übernahmeangebot. Deren Interesse, ihre Papiere abzugeben, dürfte allerdings ohne einen deutlichen Aufschlag auf den an VW gezahlten Betrag überschaubar bleiben: Den Frankfurter Handel beendeten die Papiere am Donnerstag bei 109 Euro. Der Kaufpreis von 520 Millionen Euro könnte also noch deutlich steigen.

Navistar-Transaktion

Berater Traton
Inhouse Recht (München): Dr. Klaus Schartel (General Counsel)
Inhouse Steuern (München): Dirk Pelzer (Head of Tax)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Rick van Aerssen, Dr. Kai Hasselbach, Dr. Sabrina Kulenkamp; Associate: Dr. Max Alles (alle Corporate/M&A) 
Davis Polk & Wardwell: Nicht bekannt

Berater Volkswagen
Linklaters (Düsseldorf): Ralph Wollburg, Achim Kirchfeld (beide Federführung); Associates: Dr. Andreas Zenner, Christoph Rieckmann, Alina Kaufmann, Alexander Pfeifer (alle Gesellschaftsrecht/M&A)
Inhouse Recht (Wolfsburg): Dr. Marcus Hellmann

Berater Navistar
Sullivan & Cromwell: Frank Aquila (New York; Federführung), Carsten Berrar (Frankfurt)

 

Rainer Traugott
Rainer Traugott

Renk-Transaktion

Berater Triton
Latham & Watkins (München): Dr. Rainer Traugott (Federführung), Dr. Dirk Kocher (Hamburg; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Stefan Süss (Steuerrecht), Alexandra Hagelüken (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Anne Kleffmann (Arbeitsrecht), Dr. Andreas Lönner (Gesellschaftsrecht/M&A; Hamburg), Dr. Jana Dammann (Kartellrecht), Joachim Grittmann (Regulierung; Frankfurt); Associates: Dr. Stephan Hufnagel, Dr. Corinna Freudenmacher, Dr. Andreas Holzgreve, Dr. Hendrik Ley, Dr. Daniel Kreutzmann, Dr. Maximilian Berenbrok (beide Hamburg; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Annika Juds (Arbeitsrecht), Dr. Niklas Brüggemann (Kartellrecht)
Inhouse Recht (London): Jonathon Milne (M&A)
Inhouse Steuern (London): Sebastian Gocksch (Steuern)

Berater VW (Vorstand & Aufsichtsrat)
Linklaters: (Düsseldorf): Achim Kirchfeld (Gesellschaftsrecht/M&A; Federführung), Christoph Barth (Kartellrecht), Dr. Timon Grau (Arbeitsrecht); Associates: Sebastian Klingen, Alina Kaufmann, Mark Rossbroich, Alexander Pfeifer (alle Gesellschaft/M&A), Dr. David-Julien dos Santos Goncalves, Sebastian Plötz (beide Kartellrecht), Dr. Alexander Heider (Arbeitsrecht), Dr. Julian Böhmer (Steuerrecht)
Inhouse Recht (Wolfsburg): Dr. Marcus Hellmann

Berater Renk
Arqis (Düsseldorf): Dr. Christof Schneider (M&A/Gesellschaftsrecht), Dr. Andrea Panzer-Heemeier (Arbeitsrecht); Associates: Elisabeth Falterer (München), Nima Hanifi-Atashgah (beide M&A/Gesellschaftsrecht), Dr. Hendrik von Mellenthin (Arbeitsrecht)
Reysen (Frankfurt): Evelyn Niitväli (Kartellrecht)
Held Jaguttis (Köln): Dr. Malte Jaguttis, Dr. Simeon Held (beide Außenwirtschaftsrecht)

Christof Schneider
Christof Schneider

Berater EQT
Milbank (München): Dr. Steffen Oppenländer, Dr. Christoph Rothenfußer (beide Corporate), Dr. Alexander Rinne (Kartellrecht); Associates: Alexandra Schäfer, Sebastain Reiner-Pechtl

Berater Rheinmetall
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Christoph Holstein, Dr. Christian Vogel, Dr. Dominik Heß (alle Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater Goldman Sachs (zur Finanzierungsbestätigung an Triton)
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar,  Associate: Dr. Johannes Hieronymi

Berater UBS (zur Finanzierungsbestätigung an EQT)
Clifford Chance (Frankfurt): Philipp Klöckner (Federführung; Kapitalmarktrecht), Dr. Markus Stephanblome; Associate: Dr. Arian Nazari-Khanachayi (beide Gesellschaftsrecht/M&A)
Inhouse Recht (Frankfurt): Clemens Taupitz

Berater UBS (zur Fremdfinanzierung für EQT)
Clifford Chance: Peter Dahlen (London), Steffen Schellschmidt (Frankfurt; beide Finanzrecht), Andrew Kelly (London), Philipp Klöckner (beide Kapitalmarktrecht); Associates: Puja Patel (London), Gürkan Akbaba (Frankfurt; beide Finanzrecht); Drew Rundus (Kapitalmarktrecht; London)

 

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Die milliardenschwere Offerte von Traton wird nach Marktinformationen von den gleichen Teams gesteuert, die auch den Börsengang der VW-Tochter vorbereitet hatten: Der Lkw-Bauer setzt auf ein Team von Freshfields, während Linklaters die Konzernmutter Volkswagen berät.

Als sich Volkswagen Truck & Bus im Herbst 2016 an dem US-Unternehmen beteiligte, war auch schon das Corporate-Team von Davis Polk involviert. Allerdings hatte der Automobilkonzern damals noch CMS Hasche Sigle mit einem Team um Dr. Hilke Herchen an der Seite.

Navistar wird schon langjährig von der US-Kanzlei Sullivan & Cromwell beraten, die hier mit einem transatlantischen Team im Einsatz ist, um einen möglichen Zusammenschluss mit Traton zu sondieren.

Den Verkauf von Renk hatte Volkswagen bereits 2018 angekündigt und vorbereitet. Linklaters, die VW schon zur Übernahme von MAN und später auch zur gesellschaftsrechtlichen Loslösung von Renk beriet, gleiste unter der Federführung von Kirchfeld den Verkaufsprozess auf.

Auch Arqis ist seit Jahren regelmäßig im Umfeld des VW-Konzerns tätig, Managing-Partnerin Panzer-Heemeier berät ihn schon länger gegenüber der Arbeitnehmervertretung. Über diesen Kontakt zu VW kam auch das aktuelle Mandat zustande. Für kartellrechtliche Fragen und die Beratung im Außenwirtschaftsrecht holte Arqis noch Reysen und Held Jaguttis an Bord, mit denen die Kanzlei schon mehrfach in Deals zusammengearbeitet hat.

Die Bieter mussten sich in der Endphase auch für die öffentliche Übernahme wappnen und dafür nicht nur ein Akquisitionsvehikel bereithalten, sondern auch eine Finanzierungsbestätigung von Banken einholen. Hier kam für EQT, die nach JUVE-Informationen bis zum Schluss im Rennen war, die UBS – beraten von Clifford – zum Zug. Laut JUVE-Recherche hatte die Kanzlei auch hinter Chinese Walls  den strategischen Bieter Rheinmetall beraten, zu dem seit einigen Jahre enge Kontakte bestehen.

EQT griff wieder auf Milbank-Partner Oppenländer zurück, mit dem der Finanzinvestor 2018 auch das Nürnberger Softwareunternehmen Suse für gut zwei Milliarden Euro gekauft hatte. Für übernahmerechtliche Themen war auch der Münchner Partner Rothenfußer eingebunden.

Der letztlich erfolgreiche Triton-Fonds wiederum hatte Latham-Partner Traugott mandatiert und zwar ohne einen Pitch. Er hatte den MidCap-Investor schon in seiner früheren Kanzlei Linklaters beraten und führt die Mandatsbeziehung auch unter neuer Flagge fort.

Ein Frankfurter Team um Sullivan-Partner Berrar wurde nach JUVE-Informationen auch von Goldman Sachs konsultiert im Hinblick auf die Finanzierungsbestätigung von Triton. (Sonja Behrens, Helena Hauser, Martin Ströder; mit Material von dpa)

Wir haben den Artikel ergänzt

Artikel teilen