Umwandlung

Baker McKenzie berät ab sofort als Kapitalgesellschaft

Nach über einem Jahr kräftezehrender Vorbereitungen hat sich Baker McKenzie Deutschland von einer Partnerschaft mit beschränkter Berufshaftung in eine Anwalts-GmbH umgewandelt. Grund ist auch die Gefahr der Gewerbesteuerinfizierung, die in der Branche in Deutschland seit einigen Jahren um sich greift.

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Matthias Scholz
Matthias Scholz

Hintergrund der drohenden Infizierung ist das Geschäftsmodell vieler Kanzleien. Der hohe Leverage auf bestimmten Mandaten, wie etwa im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Dieselaffäre, sowie zunehmend digital erbrachte Leistungen verleihen dem anwaltlichen Beratungsgeschäft einen gewerblichen und nehmen ihm den freiberuflichen Charakter. Die Kanzleien sichern das Risiko ab, indem sie als PartG mbB freiwillig Gewerbesteuer zahlen.

Alternativ ist auch der Wechsel in eine Kapitalgesellschaft möglich. Diesen Weg geht Baker, die nun als gewerbesteuerpflichtige GmbH firmiert. Bei Baker sind nach Angaben der Kanzlei vor allem die geplanten Legal-Tech-Geschäfte und die geplante engere internationale Zusammenarbeit ein Grund für diesen Schritt. Denn Infektionsgefahr besteht auch, wenn etwa ein Londoner Partner einen deutschen Associate leitet.

Die Kanzlei firmiert in Deutschland ab sofort unter Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern. Diese Umwandlung hat auch gravierende Auswirkungen auf die Partnerschaft selbst: So sind nun alle deutschen Equity-Partner zu Angestellten und Prokuristen der GmbH geworden. Gesellschafter sind sie nur noch von der Holding, die wiederum der einzige Gesellschafter der GmbH ist. Einziger Geschäftsführer ist der Managing-Partner der deutschen Praxen, Dr. Matthias Scholz.

Reinvent Hub wird als Location geschlossen

Eine Auswirkung der Umwandlung ist auch, dass die Kanzlei perspektivisch das Legal Innovation Hub Reinvent in Frankfurt schließen wird. Der Mietvertrag läuft noch zwei Jahre. Grund für die Schließung ist nach Angaben der Kanzlei, dass sich in den letzten eineinhalb Jahren die Repräsentanz als unnötig erwiesen hat. Die zugehörige GmbH werde ebenfalls nicht mehr benötigt, da sich die Reinvent-Tätigkeiten nun in die Anwalts-GmbH integrieren lassen. Zudem wird die Marke von der deutschen in die globale Praxis übergeben.

Nach JUVE-Informationen hat Baker die Umwandlung auch für eine Umstrukturierung insbesondere auf Local-Partner-Ebene genutzt. Die Kanzlei bestreitet dies jedoch. Zwar hätten einige Local-Partner die Kanzlei verlassen, dieser Prozess sei aber abgeschlossen und stehe nicht im Zusammenhang mit der Umwandlung.

Darüber hinaus sorgte in der englischsprachigen Legal Press zuletzt die Integration des Warschauer und des Wiener Büros in den EMEA (Europe, Middle East and Africa) Profit Pool für Aufmerksamkeit. Das Wiener Büro war bis dahin in einem Profit Pool mit Deutschland. Laut Baker Deutschland steckt dahinter schlicht der Umstand, dass man die Rechtsformumwandlung in Deutschland aufgrund behördlicher Abläufe nicht so schnell umsetzen konnte wie erhofft. In Österreich gibt es das Thema der Gewerbesteuerinfizierung hingegen nicht.

Umsatz und UBT deutlich gestiegen

Zum 30. Juni ging bei Baker auch das Geschäftsjahr zu Ende. Dieses schloss sie mit einem Umsatzplus von 12 Prozent auf 153 Millionen Euro ab. Den Umsatz pro Berufsträger steigerte sie um 11 Prozent auf rund 758.000 Euro. Die Zahl der Vollzeitkräfte (Full Time Equivalents/FTE) stieg mit rund 202 nur leicht. Einen großen Anteil am Umsatz hatten Deals wie die Beratung der Chr. Hansen Holding bei der Übernahme der Jennewein Biotechnologie, das Mandat von TA Associates bei der Mehrheitsbeteiligung am Softwareanbieter Igel oder die Arbeit für Mytheresa beim IPO an der NYSE.

Zudem war die Auslastung insgesamt höher, da sich die Partnerschaft über die letzten vier Jahre durch Local-Partner-Abgänge und Pensionierungen aus den Reihen der Equity-Partner verschlankte. Wie sich ungewollte Abgänge wie jene der starken Corporate-Partner Dr. Ingo Strauss und Dr. Heiko Gotsche auswirken, die zu Latham & Watkins gingen, wird sich erst im laufenden Geschäftsjahr zeigen.

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