Juve Plus Der Steuermarkt macht's vor

McDermott liebäugelt mit Private-Equity-Investor

McDermott Will & Schulte erwägt eine Umstrukturierung, die Private-Equity-Gruppen eine Beteiligung ermöglichen würde. Das berichtet die ‚Financial Times‘ unter Berufung auf mehrere Quellen. Der Schritt würde die traditionellen Regeln testen, die Nichtanwälten den Besitz von Kanzleien untersagen – er könnte ein Wendepunkt für den Rechtsmarkt werden.

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Die geplante komplexe Struktur würde laut ‚FT‘ Investoren einen Teil der Kanzleieinnahmen sichern, ohne die Eigentumsregeln zu brechen. Zack Coleman, Sohn des Kanzleivorsitzenden Ira Coleman, untersucht demnach seit seinem Wechsel zu McDermott im Juli dieses Modell. Es würde die Kanzlei in zwei Teile aufteilen: eine vollständig von Anwälten geführte Beratungsfirma und eine separate ‚Managed Service Organisation‘ (MSO), an der Investoren beteiligt sein könnten. Die Kanzlei aus Chicago mit drei Milliarden Dollar Umsatz könnte damit einen Präzedenzfall für andere große Kanzleien schaffen.

Die MSO-Struktur würde Back-Office-Arbeit, Markenlizenzierung und IT-Dienste umfassen. Während einige US-Bundesstaaten wie Arizona alternative Geschäftsstrukturen mit Private-Equity-Kontrolle zugelassen haben, wurde die MSO-Struktur bisher nur von wenigen kleinen Kanzleien übernommen. Befürworter externer Investitionen argumentieren, dass diese Kapital für neue Technologien wie KI bereitstellen, teure Neueinstellungen finanzieren und Spitzenanwälte durch Kapitalbeteiligungen binden könnten.

Der Prozessfinanzierer Burford Capital hat bereits Interesse am Kauf von Minderheitsbeteiligungen an US-Kanzleien bekundet. Jörn Eschment, Director bei Burford Capital, kommentiert: „Die Diskussion über Investitionen in Anwaltskanzleien zeigt, dass sich der Rechtsmarkt weltweit verändert.“ Heutzutage müssten Kanzleien in Technologie, Datenmanagement und künstliche Intelligenz investieren. „Aber das traditionelle Partnermodell kann dafür nicht ausreichend Kapital bereitstellen“, sagt Eschment. „Anders als ein Private Equity-Investor, der nach ein paar Jahren mit Gewinn aussteigen will und deshalb Druck macht, sehen wir uns bei Burford als langfristiger, strategischer Partner.“

Viele Interessenten, viele Hürden

Insgesamt explodiert derzeit das Interesse von Private-Equity-Firmen am Rechtsmarkt, aber die berufsrechtlichen Hürden sind hoch. Das Recht ist einer der letzten Bereiche des Sektors für professionelle Dienstleistungen, der sich bisher nicht für Private Equity geöffnet hat. Einige Investoren wittern eine Gelegenheit, Kanzleien günstig zu kaufen, indem sie zur ersten Welle von Deals gehören. Die Entwicklung bei McDermott könnte ein Wendepunkt für die gesamte Branche werden.

McDermott-Chairman Ira Coleman teilte auf JUVE-Anfrage zu dem Bericht mit: „Auch wenn dies alles noch sehr vorläufig ist und wir derzeit eingehende Anfragen prüfen, werden wir als eine der am schnellsten wachsenden und erfolgreichsten modernen Anwaltskanzleien ständig angesprochen und haben immer ein offenes Ohr für neue Ideen. Auf diese Weise finden wir die besten Möglichkeiten, um die besten Talente der Branche zu gewinnen und zu halten, und erfüllen die Erwartungen unserer Mandanten. Wir freuen uns darauf, von anderen führenden Organisationen zu lernen, während wir den Status quo in Frage stellen. Genau so haben wir das stärkste nachhaltige Wachstum in unserer Branche erreicht. Es ist immer besser, aktiv zu sein – das ist es, was Innovatoren tun.“

Im deutschen Steuermarkt haben Private-Equity-Investoren bereits Fuß gefasst. Die schwedische EQT übernahm in diesem Jahr die Mehrheit an WTS, und Grant Thornton holte sich mit Cinven einen Investor ins Haus. Auch PKF WMS fand mit Ufenau Capital Partners einen Schweizer Investor.

Diese Entwicklung stößt jedoch auf Widerstand der deutschen Steuerberaterkammer. Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab erklärte im JUVE-Interview: „Wir akzeptieren Private Equity im Markt nicht.“ Ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums sieht vor, derartige Beteiligungen im Steuerberatungsgesetz zu verbieten. Die Investoren nutzen derzeit Umgehungsstrukturen über europäische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die nicht dem strengen deutschen Berufsrecht unterliegen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel am 13.11.2025 mit dem Statements von Ira Coleman und Jörn Eschment ergänzt.

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