Gesundheitsbranche

Neuer Fresenius-Chefjurist kommt von Merck

Nach drei Jahren ist die Leitung der Rechtsabteilung beim Dax-Konzern Fresenius wieder fest besetzt: Zum Juli wird Tobias Greven (48), von Merck kommend, neuer Group General Counsel. Beim Darmstädter Unternehmen folgt ihm Vanessa Westphal (41) als neue Leiterin der Konzernrechtsabteilung nach. Der Pharma- und Chemiekonzern ruft auch eine neue Kontrollfunktion ins Leben für Lean Governance.

Teilen Sie unseren Beitrag
"Wir wollen Fresenius mit Augenmaß umbauen", sagte der CEO Stephan Sturm neulich im Interview.
Tobias Greven

Tobias Greven wechselt nach fünf Jahren in leitenden Positionen bei Merck als Group General Counsel zu Fresenius. Der 48-Jährige wird die Position bekleiden, die lange Zeit Dr. Uta Klawitter inne hatte, bevor sie 2019 zu Audi wechselte.

Vor Greven waren Tjerk Schlufter in ihrer Position tätig* und seit 2022 hatte Matthias Fenner die Rechtsabteilung kommissarisch geleitet. Schlufter agiert mittlerweile seit Januar als Head of Risk & Integrity der Fresenius SE. Fenner wird ab Juli die Leitung Legal Corporate einnehmen und zusätzlich als Stellvertreter für Greven tätig sein.

Familienunternehmen mit Geschichte

Berichten wird Greven an Dr. Sebastian Biedenkopf, der bei dem traditionsreichen Gesundheitskonzern als Vorstand für Personal, Risikomanagement und Recht amtiert. Fresenius, die ihren Sitz im Hochtaunuskreis Bad Homburg hat, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 37 Milliarden Euro und damit fast doppelt so viel wie Merck, die ihren Umsatz allerdings um gut 12 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro steigerte und bis 2025 rund 25 Milliarden Euro avisiert.

Greven war zuletzt in einem dreimonatigen Intermezzo als ‚Head of Global Strategy Realization & Business Improvement‘ bei Merck Life Science tätig. Der Jurist war 2016 zu Merck gestoßen und hatte 2017 zunächst die Position des ‚Head of Legal Business Development‘ für das Lizenzgeschäft im Pharmabereich des Darmstädter Familienkonzerns übernommen, bevor er drei Jahre die Konzernrechtsabteilung leitete. Vor seiner Inhouse-Tätigkeit war Greven als Assoziierter Partner bei Görg sowie bei Allen & Overy und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton als Associate tätig.

Neue Rechtsabteilungsleiterin bei Merck

Vanessa Westphal

Vanessa Westphal übernimmt die Position von Greven als ‚Head of Group Legal Services‘. Sie verantwortet damit künftig in der Rechtsabteilung von Merck die Bereiche M&A, Ventures, Corporate, Kapitalmarktrecht, Finance, Arbeitsrecht sowie das Science und Technology Office, worin auch das sogenannte Data Office inbegriffen ist. Auch dieses versteht sich als Schnittstelle zwischen den Funktionen. Mit ihrem Team von 30 Personen, darunter rund 20 Volljuristen, wird Westphal die Gruppenfunktionen sowie die Corporate-Governance-Themen unterstützen.

Wie einst ihr Vorgänger ist auch Westphal intern nachgerückt. Sie kennt die Merck-Gruppe schon seit neun Jahren und war zuletzt in der Position ‚Head of Compliance-Center of Expertise‘ seit Oktober 2019 für das globale Compliance-Portfolio bei Merck zuständig. Dort sind die drei Geschäftsbereiche von Merck – Healthcare, Lifescience, Performance Materials –  sowie die Konzern-Compliance mit einbezogen. Darüber hinaus arbeitete sie seit anderthalb Jahren eng mit der Datenschutzabteilung an einem großen Transformationsprojekt zur Daten-Governance mit.

Zuvor war sie sechs Jahre im Healthcare-Legal-Team in verschiedenen Bereichen tätig und wurde unter anderem als ‚Head of Legal Commercial DACH CEE Nordic and Global Markets‘ engagiert. Ihre berufliche Karriere startete Westphal als Associate bei Clifford Chance in der Healthcare und Lifescience-Praxis in Düsseldorf und war somit schon früh mit regulatorischen und Compliance-Fragen befasst.

Refokussierung mit Lean Governance

Bei Merck hat Top-Managerin Belén Garijo, seit Mai 2021 CEO des Unternehmens, weltweit eine Refokussierung der Governance-Prozesse angestoßen: Der Milliardenkonzern soll in die Lage versetzt werden, umgehend auf eine sich schnell verändernde Umwelt und spezielle Kundenwünsche reagieren zu können. Daher sollen besonders die Prozesse in den Gruppenfunktionen – unter anderem Finanzwesen, Personalabteilung, Einkauf, IT, Kommunikation und Rechtsabteilung – verschlankt und die internen Strukturen effizienter gestaltet werden.

Ralf Annasentz

Als ‚Head of Lean Governance‘ wird Ralf Annasentz künftig die Governance-Strukturen von Merck umgestalten – der 56-Jährige ist im Legal Bereich integriert. Er wird künftig den Ordnungsrahmen kritisch betrachten und erörtern, welche regulatorischen und gesetzlichen Vorgaben in den entsprechenden Bereichen vorherrschen, welches Risiko jeweils adressiert werden soll – auch Non-financial Risks. Der Freiraum der Geschäfte sowie deren agilerer Handlungsspielraum stehen dabei im Fokus. 

Globetrotter als Prozessoptimierer

Annasentz ist erfahren im Erstellen und Optimieren von Prozessen: Der Industriekaufmann und studierte Betriebswirtschaftler kam Ende der 80er Jahre zur Personalabteilung bei Merck, wechselte dann ins Controlling und ging 1999 als Finanzdirektor zum südafrikanischen Standort von Merck, wo er später die Laborchemikaliensparte leitete.

Innerhalb des Konzerns zog er als Finanzdirektor nach Indonesien weiter, wo er als Managing Director auch eines der ersten Unternehmen Indonesiens an der Börse und rund 1.000 Mitarbeiter verantwortete. Von dort wurde er in die USA entsandt, um die Integration des Laborausstatters Millipore und darauffolgend diverse interne SAP-Projekte in Form globaler Roll-outs zu steuern. Nach vier Jahren wechselte er für weitere vier Jahre als Managing Director zum japanischen Teil von Merck. 2018 kehrte er dann nach Deutschland zurück, um die Transformation der Electronis-Sparte (bis 2021 Performance Materials) zu leiten, die auch unter dem Projektnamen ‚Bright Future‘ bekannt ist.

Mögliche Veränderungen in der Rechtsabteilung

Da viele Prozesse und Regularien auf rechtlichen Vorgaben basieren, ist Annasentz auf die Hilfe der Rechtsabteilung angewiesen und pflegt eine enge Abstimmung insbesondere mit Nina Stöckel, die durch ihre Position als Leiterin Legal Operations ebenfalls Erfahrung mit Lean Management hat.

Stöckel berichtet – wie auch Vanessa Westphal und Ralf Annasentz – an Group General Counsel Friedrike Rotsch. Doch während das Team die Neuaufstellung des Konzerns mitgestaltet, ist die Rechtsabteilung gleichermaßen auch Objekt der Untersuchung. Das könnte auch dort zu Veränderungen in den Arbeitsprozessen führen.

*Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel an dieser Stelle korrigiert. Tjerk Schlufter war nicht kommissarisch in der Rolle, sondern hatte die General Counsel-Funktion bei Fresenius zwischen 2019 und 2022 vertraglich inne. 

 

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema