Massive Gehaltserhöhungen

Noerr, Poellath und Görg steigen in den Gehälterkampf ein

Zum Jahreswechsel erhöht Noerr die Gehälter für Associates massiv. Berufseinsteiger erhalten 140.000 bis 150.000 Euro. Poellath bietet Berufsanfängern sogar rund 40 Prozent mehr als bisher und liegt mit bis zu 165.000 Euro an der Marktspitze. Auch Görg legt deutlich mehr Geld auf den Tisch.

Teilen Sie unseren Beitrag
Alexander Ritvay

Die Noerr-Partnerschaft um Co-Managing-Partner Dr. Torsten Fett und Dr. Alexander Ritvay beschloss die neue Gehaltsstruktur am vergangenen Freitag. Ab 1. Januar 2022 erhalten Berufseinsteiger ein Fixgehalt von 140.000 Euro, zuvor bot die Kanzlei ihren Bewerbern zwischen 100.000 und 120.000 Euro. Zusätzlich können Noerr-Associates nun schon im ersten Berufsjahr einen Bonus erhalten. Dafür richtet die Kanzlei einen Sondertopf ein, um Leistungsträger individuell zu belohnen. Ebenfalls neu ist eine einmalige Sonderzahlung in Höhe von 10.000 Euro, die Neueinsteiger mit einem Doktor- und einen im Ausland erworbenen LL.M.-Titel erhalten.

Damit verfährt Noerr ähnlich wie Gleiss Lutz, die Bewerbern mit diesen beiden Zusatzqualifikationen ebenfalls 150.000 Euro im ersten Berufsjahr bietet, allerdings als reguläres Fixum. Eine einmalige Startprämie wie bei Noerr gibt es für einen LL.M.-Titel auch bei Hengeler Mueller, wo das First-Year-Gehalt dadurch von 150.000 Euro auf 160.000 Euro steigt. Auch Hengeler schüttet erstmals Boni für Associates aus, diese sind ab dem zweiten Berufsjahr möglich und an den Erfolg der Gesamtkanzlei gebunden. Gleiss Lutz bezahlt nach wie vor keine Associate-Boni. 

Bis zu 165.000 Euro bei Poellath

Noch massiver fällt die Steigerung bei Poellath aus. Statt bisher 105.000 bis 125.000 Euro zahlt die Kanzlei Berufsanfängern nun 145.000 bis 165.000 Euro, auch hier schlagen sich Promotion, LL.M. und auch ein Steuerberatertitel im Gehalt nieder. Bringt ein Bewerber alle denkbaren Zusatzqualifikationen mit, verdient er bei Poellath also im ersten Berufsjahr mehr als irgendwo sonst im Markt – bisher liegt das Spitzengehalt im Markt bei 160.000 Euro. Anders sieht es in den Folgejahren aus: Nach mehreren Berufsjahren verharrt das Poellath-Festgehalt bei 165.000 Euro. Dafür greift dann die Regelung, dass auch angestellte Anwälte prozentual an selbst generierten Umsätzen beteiligt werden, in stärker progressiver Form als bisher.

Die Erhöhungen gelten üblicherweise auch für die Bestandsmannschaft. Bei Noerr steigt das Festgehalt mit jedem Berufsjahr um 5.000 Euro. So erreicht ein Anwalt im fünften Berufsjahr ein Fixgehalt von 160.000 Euro, bisher waren es maximal 140.000 Euro. Ab dem sechsten Jahr steigen junge Anwälte in der Regel in den Status des Associated Partners auf. Zu dem dann gezahlten Fixgehalt von 170.000 Euro kommt eine Beteiligung am unternehmerischen Erfolg der Kanzlei: Nach einem Punktesystem werden alle Anwälte in dieser Karrierestufe sowie diejenigen auf dem alternativen Karrieretrack mit Senior-Counsel-Status am Gesamtgewinn der Kanzlei beteiligt. Diese kann JUVE-Recherchen zufolge je nach Erfolg des Geschäftsjahres zwischen 30.000 und 85.000 Euro erreichen. 

30 Prozent Plus bei Görg

Kürzlich überarbeitete auch Görg die Vergütungsstruktur für ihre angestellten Anwältinnen und Anwälte zum Jahreswechsel grundlegend. Görg setzt ab jetzt auf eine Mischung aus höherer Grundbezahlung und umsatzabhängigen Boni. Das Einstiegsgehalt hat demnach kanzleiweit eine Spanne von 120.000 bis 130.000 Euro, wobei das Qualifikationsniveau den Ausschlag gibt für die höhere Summe. Bisher lag die Spanne zum Berufsbeginn zwischen 90.000 und 100.000 Euro. Dieses Gehalt steigt bis zum fünften Berufsjahr nur in einem langsamen Lockstep, allerdings sind jährlich wachsende Bonuszahlungen von bis zu 55.000 Euro möglich. Danach, auf den Karrierestufen Assoziierter Partner und Counsel, können die leistungsabhängigen Zuschläge sogar 90.000 Euro oder mehr betragen. Eigene Akquiseleistungen können weitere Boni einbringen, so dass zumindest theoretisch Gesamtvergütungen von 300.000 Euro für erfolgreiche, angestellte Anwälte der höheren Karrierestufen möglich sind.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten zahlreiche Kanzleien ihre Gehaltsstrukturen überarbeitet. Als erste unter den deutschen Großkanzleien hatte CMS Hasche Sigle die Erhöhung zum Jahreswechsel angekündigt. Inzwischen liegen einige deutsche Kanzleien bereits auf dem Niveau der spendabelsten US-Kanzleien und deutlich vor den Magic-Circle-Kanzleien. Allen & Overy, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Linklaters bieten jeweils einheitlich 140.000 Euro, im Spitzensegment gilt dieses Anfangsgehalt heute als Standard.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Karriere On the record

Hohe Associate-Gehälter – gut oder schlecht für Mandanten?

Markt und Management Vergütungsmodell bei CMS

Mehr Geld für Einsteiger, großer Sprung für Berufserfahrene