Sand im Getriebe

Frankfurter RP Richter-Team wechselt zu Schiedermair

Der seit Jahren anhaltende Expansionskurs der Münchner MDP-Kanzlei RP Richter & Partner ist ins Stocken geraten. Zum Jahreswechsel verlässt ein fünfköpfiges Team - und damit der Großteil des Frankfurter Büros - die Sozietät in Richtung Schiedermair. Erst im vergangenen Monat war bekannt geworden, dass in München drei Richter-Gründungspartner der Kanzlei den Rücken gekehrt hatten.

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Zu Schiedermair zieht es die vor allem auf Immobilientransaktionen ausgerichteten Richter-Partner Dr. Klaus Müller (44), Christoph Tegel (43) und Dr. Georg Renner (44) sowie deren Team-Associates Dr. Birgit Topp-Blatt (36) und Christoph Herrmann (41). Müller, Tegel und Renner hatten sich erst Anfang 2009 von Mayer Brown bzw. Nörr Stiefenhofer Lutz kommend bei RP Richter zusammengefunden, um lange gemeinsam betreute Mandanten wie ING Real Estate und Credit Suisse Asset Management unter einem Dach vereinen zu können (mehr…).

Allerdings kam der Wechsel wegen der Finanzkrise zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Anwälte hatten sich daher in den vergangenen Monaten stärker auf laufende immobilienrechtliche Beratung wie Vermietung, Finanzierung sowie die gesellschafts- und steuerrechtliche Strukturierung von Objekten fokussiert.

Schiedermair erhofft sich, dass die Wechsler den traditionellen immobilienrechtlichen Schwerpunkt der Frankfurter Sozietät wieder ausbauen werden. Zudem setzt die Kanzlei auf eine Stärkung ihres steuerrechtlichen Arms. „Die Herren Müller, Tegel und Renner ergänzen sowohl von ihrem Tätigkeitsspektrum als auch vom Alter her unsere Kanzlei hervorragend“, sagte Schiedermair-Partner Dr. Franz-Josef Kolb. Mit den Quereinsteigern beende Schiedermair nun ihre Vakanz im Immobilienrecht, die sich durch den Weggang von David Wende und Thomas Schroiff vor einem Jahr ergeben hatte (mehr…).

„Wir sind glücklich, zu einer Kanzlei zu gehen, die nicht kurzfristig plant, sondern langfristig von einem Geschäftsmodell überzeugt ist und genuines Interesse an der Immobilienwirtschaft zeigt“, sagte Neu-Partner Klaus Müller.

Mit Renner bekommt Schiedermair außerdem weitere Verstärkung im Steuerrecht. Die Kanzlei hatte erst vor einigen Monaten die Steuerberatungsgesellschaft Pfaff übernommen und den Bereich wenig später mit Annett Wenzel von WP-Einheit Estha noch weiter ausgebaut (mehr…). Renner verspricht sich, die bei Pfaff in laufenden Steuerangelegenheiten betreuten Mandanten auch für Transaktionen und Gestaltungsgeschäft gewinnen zu können.

RP Richter muss mit der Trennung von den drei Partnern dagegen einen ersten wirklichen Rückschlag ihrer bis dato viel bewunderten Expansionsgeschichte hinnehmen. Ihr Büro in Frankfurt hatte die Sozietät erst im Sommer vergangenen Jahres nach langer Personalsuche eröffnet. Nur kurz zuvor eröffnete Richter in Stuttgart (mehr…), womit sich die Kanzlei erstmals nach Kanzleigründung in 2001 über die Grenzen von München hinaus gewagt hatte.

Im Frankfurter Richter-Büro verbleiben auf absehbare Zeit nur Hans-Jürgen Seip, der in diesem Frühjahr von PwC gekommen war und die Bankenkontakte ausbauen sollte (mehr…) sowie der seinerzeit von München übergesiedelte Corporate-/Steuerrechts-Partner Frank Schönherr und eine Associate.

Richter-Gründer Wolfgang Richter wertet die Entwicklung zwar als Rückschlag, sah aber für den Immobilienbereich in Frankfurt keine Zukunft. „Wir konzentrieren uns nun auch hier auf unsere Kerngebiete Steuer und Corporate/M&A“, sagte Richter.

Ende November hat zudem der vor zweieinhalb Jahren mit großem Team gekommene Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Roland Weigl (mehr…) die Kanzlei verlassen. Zu den Gründen wollte Richter nichts sagen, das Team von Weigl ist jedoch bei der MDP-Einheit verblieben. (Jörn Poppelbaum)

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