Kroll will durch die Übernahme sein Angebot an den Schnittstellen von Wettbewerbsrecht, Regulierung und Streitbeilegung ausbauen. ABC economics berät zu Fusionen und Übernahmen auf nationaler wie EU-Ebene, zu Missbrauchs- und Kartellverfahren, staatlichen Beihilfen sowie zu Regulierungsfragen etwa in den Telekommunikations- und Energiemärkten. Hinzu kommen Mandate in internationalen Schiedsverfahren und Wertpapierstreitigkeiten.
Gründer Maier-Rigaud hatte vor der Gründung von ABC economics Ende 2020 für den US-Beratungskonzern Nera eines der größten Teams von Wettbewerbsökonomen in Deutschland und Europa aufgebaut. Aktuell zählen etwa 15 Wettbewerbsökonominnen und -ökonomen zum ABC-Team. Laut Kroll soll das Team die methodische Ausrichtung fortführen und künftig innerhalb der globalen Kroll-Plattform stärker in internationale Mandate eingebunden werden. Erst Anfang des Jahres hatte Kroll die Einheiten Kroll Economics und Decision Intelligence gestartet. Zuletzt stieß mit Devin Rochford ein Managing Director am US-Standort Atlanta hinzu.
Zweiter großer Zusammenschluss binnen weniger Monate
Die Transaktion reiht sich in einen breiteren Konsolidierungstrend ein. Erst im Frühjahr 2026 hatte die US-Beratung Berkeley Research Group (BRG) das ebenfalls in Berlin ansässige Haus E.CA Economics übernommen. Die Transaktion galt in der Wettbewerbsökonomie als tektonische Verschiebung, da E.CA in Deutschland als Marktführer insbesondere im Kartellschadensersatz gilt. E.CA war zudem lange das einzige deutsche wettbewerbsökonomische Haus, das international mit den globalen Anbietern wie BRG, RBB oder Compass Lexecon konkurrieren konnte.
Für Kroll dürfte der Zukauf von ABC economics eine vergleichbare strategische Logik haben: Deutschsprachige ökonomische Expertise wird in Kartell-, Missbrauchs- und Schadensersatzverfahren zunehmend nachgefragt, gerade weil Behörden, Gerichte und Schiedsgerichte stärker auf quantitative ökonomische Nachweise setzen. Der Markt der spezialisierten Wettbewerbsberatung ist damit binnen kurzer Zeit deutlich konzentrierter geworden.
Fokus auf Ökonomie neben klassischer Bewertung
Kroll begründet den Schritt mit einer wachsenden Nachfrage nach ökonometrischer Analyse jenseits klassischer Bilanz- und Finanzbewertung. Michael Dolan, Präsident der Financial Advisory Division, verweist auf die Rolle ökonomischer Analyse in komplexen Rechtsstreitigkeiten, Schiedsverfahren und regulatorischen Verfahren. Jan-Hendrik Roever, General Manager von Kroll Deutschland, erklärt, das übernommene Team bringe Unabhängigkeit und Tiefe mit und solle die Beratung bei anspruchsvollen deutschen Mandaten stärken.
Maier-Rigaud selbst bezeichnet den Zusammenschluss als Möglichkeit, den wissenschaftlich geprägten Ansatz von ABC innerhalb einer globalen Plattform fortzuführen. Zu finanziellen Details der Transaktion sowie zu beratenden Kanzleien machten die Parteien keine Angaben.