Beraterhaftung

Gelita soll Schadensersatz von Besonderem Vertreter erhalten

Gelitas erster Besonderer Vertreter Dr. Norbert Knüppel muss rund 1,1 Millionen Euro Schadensersatz an das Unternehmen zahlen. Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe und bestätigte damit das erstinstanzliche Urteil in weiten Teilen – aber nicht vollumfänglich. Knüppel und seiner früheren Kanzlei Marccus Partners stehen allerdings auch noch offene Honorare zu.

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An dem komplexen Rechtsstreit mit Klage und ‚Drittwiderklage‘ sind drei Parteien beteiligt: Klägerin war die Düsseldorfer Rechtsanwaltsgesellschaft Marccus Partners, die gegen Gelita wegen ausstehender Honorarforderungen vorging. Insgesamt verlangt Marccus knapp 214.000 Euro. Zugesprochen wurden ihr nun vom Oberlandesgericht nach JUVE-Informationen 180.403,75 Euro.

Gelita wehrte sich mit einer Widerklage – schließlich hätte der ganze Rechtsstreit, der die Beraterkosten verursachte, gar nicht losgetreten werden dürfen, so das Unternehmen. Weil es damit auch schon mal Recht vor dem Oberlandesgericht erhielt, forderte Gelita wiederum Schadensersatz in Höhe von über 1,5 Millionen von dem Drittwiderbeklagten, Knüppel.

Norbert Knüppel

Der frühere Marccus-Partner hatte angenommen, über einen Hauptversammlungsbeschluss von Minderheitsaktionären zum Besonderen Vertreter von Gelita bestellt worden zu sein, um  Organhaftungsklagen gegen frühere Gelita-Verantwortliche zu steuern.

Keine Grundlage

Doch das OLG war – ähnlich wie die Heidelberger Vorinstanz im August 2019 – der Auffassung, dass  bei sorgfältiger und sachgerechter Vorbereitung der Organhaftungsklage Knüppel zu einer anderen Schlussfolgerung hätte kommen müssen. Nämlich, dass seine Bestellung fehlerhaft war und die Verfahren gegen zwei Aktionäre sowie ehemalige Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat wegen behaupteter Verstöße gegen aktienrechtliche Mitteilungspflichten  unzulässig und mit einem hohen Prozessrisiko gewesen verbunden seien. Knüppel hatte die Klage gegen sie in erster und zweiter Instanz verloren.

Anders jedoch als die Vorinstanz erkannte das OLG an, dass Knüppel durchaus hatte annehmen können, dass Ansprüche gegen den Gelita-Aktionär Dr. K. bestanden und er die gerichtliche Geltendmachung zwar als risikohaft, aber nicht von vornherein aussichtslos bewerten durfte.

Offene Forderung kann in Raten bezahlt werden

Insofern müsse Knüppel auch nur rund 1,1 Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Davon seien mehr als die Hälfte stückweise gegen Abtretung von Ansprüchen gegen eine D&O-Versicherung der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zu zahlen, so ein Gerichtssprecher gegenüber JUVE.

Der verbleibende Betrag in Höhe von rund 515.000 Euro sei anschließend zu zahlen, nach Abzug einer noch berechtigten Honorarforderung Knüppels gegen Gelita.

Das Urteil des OLG Karlsruhe ist noch nicht rechtskräftig. Da die Revision zugelassen wurde, werde man nun das 129 Seiten umfassende Urteil vertieft prüfen und mit der Haftpflichtversicherung abstimmen, ob Rechtsmittel eingelegt werden, so die früheren Marccus-Partner gegenüber JUVE. Die Partner hatten sich geschlossen im Herbst 2019 der internationalen Kanzlei DWF angeschlossen, um für sie ein Büro in Düsseldorf zu eröffnen.

Das Traditionsunternehmen Gelita ist als geschlossene Aktiengesellschaft strukturiert und hat rund 2.800 Mitarbeiter an 21 Produktionsstätten weltweit.

Vertreter Marccus
DWF Germany (Düsseldorf): Dr. Christof Bremer

Vertreter Gelita
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Gabriele Roßkopf (Federführung), Dr. Johannes Culmann (beide Gesellschaftsrecht)

Vertreter Dr. Norbert Knüppel    
Sernetz Schäfer (München): Dr. Fabian Dietz-Vellmer (Federführung)

Oberlandesgericht Karlsruhe, 11. Zivilsenat
Holger Radke (Vorsitzender Richter), Anne-Dorothee Gertler (Berichterstatterin), Florian Herrwerth

Hintergrund:  Der 11. Zivilsenat in Karlsruhe, der hier die Ersatzfähigkeit des behaupteten Schadens beziehungsweise der Honorarforderungen prüfen musste, hatte auch bereits die Unrechtmäßigkeit von Knüppels Bestellung begründet. Berichterstatterin Gertler war seinerzeit schon Teil des Spruchkörpers, ansonsten war er neu besetzt. Senatsvorsitzender Radke ist seit einem Jahr Vizepräsident des Oberlandesgerichts Karlsruhe.

Gleiss Lutz-Partnerin Roßkopf und die beiden Counsel Thorsten Gayk und Johannes Culmann sind regelmäßige Begleiter des Familienunternehmens Gelita, auch zur jährlichen Hauptversammlung.

Während sich Marccus mit dem Corporate-Partner Bremer in der Honorarfrage auch unter der Flagge von DWF weiter quasi selbst vertritt, hat Knüppel als besonderer Vertreter mit Blick auf die Schadensersatzforderungen die Münchner Kanzlei Sernetz Schäfer an der Seite.

Gerichte stellen Kostentransparenz her

In einem parallelen Schadensersatzverfahren von Gelitas zweitem Besonderen Vertreter Prof. Dr. Matthias Schüppen waren jüngst schon Honorarforderungen und Stundensätze publik geworden, die Ego Humrich Wyen an Gelita berechnete. Es ist gut möglich, dass ihr Stundensatz inzwischen über 350 Euro liegt, denn die Münchner Boutique erhielt das Mandat von Schüppen nach JUVE-Informationen in den ersten Monaten nach ihrer Gründung.

JUVE liegen weitere gerichtliche Unterlagen zu dem Gelita-Komplex vor, aus denen sich Honorarvereinbarungen anderer Beteiligter ablesen lassen: Gleiss konnte demnach in der ersten Instanz bei dem badischen Mittelstandsunternehmen 400 Euro pro Stunde für ihre Partner abrechnen. Counsel stehen mit 330 Euro pro Stunde in der Übersicht, die Assoziierten Partner, die mit Senior Associates anderer Sozietäten vergleichbar sind, mit 280 Euro pro Zeiteinheit.

Der Besondere Vertreter Knüppel stellte demnach einen Stundensatz von 400 Euro in Rechnung. Damit sei nach Auffassung von Gelita auch sein Beitrag zu einer D&O-Versicherung vollumfänglich abgegolten worden.

Copyright Teaserbild: Klaus Eppele /stock.adobe.com

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