Gut für die Kunden: Das Unternehmen hat selber keine Banklizenz, sondern kooperiert mit dem lizenzierten Dienstleister Solaris. Der ist von den Problemen bei Nuri, die bis 2021 unter dem Label Bitwala firmierte, nicht betroffen, die Guthaben sind sicher.
Jesko Stark ist Partner bei der unter GT Restructuring firmierenden Restrukturierungsgruppe von Greenberg Traurig, er wurde vom Amtsgericht Charlottenburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Nuri GmbH berufen. Nuris Geschäftsmodell basiert auf einer digitalen Plattform für Bankgeschäfte. Die App bietet neben einer Kontoführung mit klassischen Anlagemöglichkeiten auch Investitionen in Kryptowährungen an. Nuri, das selber keinen Zugriff auf die Guthaben der Kunden hat, vermeldete für 2021 einen Umsatz von zwölf Millionen Euro.
Nuri war optimistisch in das Jahr gegangen, musste dann aber den Entwicklungen auf dem Finanzmarkt Tribut zollen und setzte bereits im Mai 45 von rund 200 Mitarbeitern frei. Hart getroffen wurde Nuri von der Baisse am Markt für Kryptowährungen. Im Juni meldete die US-Kryptoplattform Celsius Insolvenz an. Nuri hatte seinen Kunden ein ‚Bitcoin-Ertragskonto‘ angeboten, mit der Möglichkeit, Kryptoguthaben zu einem Zinssatz von drei Prozent an Celsius zu verleihen. Nun liegen Millionenwerte fest, einen Schutz der Einlagen gibt es nicht. Umsatzrückgänge bei Nuri waren die Folge.
Der Insolvenzverwalter gibt die Zahl der Nuri-Kunden mit 200.000 an, das Unternehmen hatte selber zwischenzeitlich von bis zu einer halben Million gesprochen. Nuri erklärt das mit der Differenz zwischen aktiven und insgesamt registrierten Kunden. Die Berichte über das von Nuri verwaltete Vermögen schwanken zwischen 325 und 500 Millionen Euro.
Das Gericht hat einen Gläubigerausschuss eingesetzt. Mit dem wichtigsten Gläubiger, der Londoner Claret Capital Partners, steht Stark in Kontakt, deutsche Rechtsvertreter von Claret sind vorerst jedoch nicht bekannt.
Nuri selbst wird bei allen insolvenzrechtlichen Themen von Pluta beraten, federführend tritt hier Tillman de Vries (Berlin) auf, unterstützt von Laura Holzmannstetter (München). Nuri-Hausanwältin ist Janina Möllmann von PXR Legal (Berlin, Corporate/M&A), durch sie kam auch der Kontakt zu Pluta zustande.