Wie das Manager Magazin zuerst berichtete, wirft der Aufsichtsrat dem früheren Vorstand der Antriebssparte, Stephan von Schuckmann, und dem ehemaligen Finanzchef Konstantin Sauer vor, ihre Sorgfaltspflichten als Vorstände fahrlässig verletzt zu haben. Von Schuckmann soll problematische Aufträge für die Elektromobilität vergeben haben, Sauer soll diese trotz wissentlich fehlender Wirtschaftlichkeit gestützt haben.
Eine konkrete Summe für die Höhe des geforderten Schadensersatzes gebe es bisher nicht, zitiert das Medium Unternehmenskreise. Ein ZF-Sprecher habe erklärt, man könne sich „zu Aufsichtsratsangelegenheiten und internen Vorgängen nicht äußern“. Äußerungen der beiden betroffenen Ex-Vorstände gebe es bisher ebenfalls nicht.
Sauer war zwischen 2010 und 2022 Finanzvorstand bei ZF, von Schuckmann leitete von Januar 2021 bis Juli 2024 das Vorstandsressort für elektrifizierte Antriebe. Ansprüche gegenüber früheren Führungskräften verjähren nach fünf Jahren. Für Unternehmen ist der Zeitpunkt relevant, wann die Verstöße passiert sind.
ZF beschäftigt rund 152.000 Mitarbeitende. 2025 verbuchte das Unternehmen bei einem Umsatz von 39 Milliarden Euro 2,1 Milliarden Euro Nettoverlust. Dem Konzern macht neben der stagnierenden generellen Nachfrage im Automobilsektor die weiterhin nur bedingt dynamische Entwicklung bei der Elektromobilität zu schaffen.
Die Vertreter im Überblick
Vertreter ZF Friedrichshafen
Inhouse Recht (Friedrichshafen): keine Nennung
Hengeler Mueller: keine Nennung
Vertreter Stephan von Schuckmann
Kliemt (Düsseldorf): Prof. Dr. Michael Kliemt (Führungskräfteberatung/Organhaftung)
Hintergrund: Die Vertreter sind aus dem Markt bekannt.
Die nach Marktinformationen aufseiten des Unternehmens tätige Kanzlei Hengeler Mueller hat auf JUVE-Anfrage nicht Stellung genommen.
Der Kliemt-Namenspartner berät regelmäßig Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte. Dies umfasst auch Fragen der Organhaftung, wie etwa Führung und Abwehr von Schadensersatzprozessen. Marktbekannt war seine Begleitung des Uniper-Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Klaus-Dieter Maubach 2023. Der Manager machte nach der Verstaatlichung des Konzerns von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch.
Vertreter des ehemaligen Finanzchefs sind derzeit noch nicht bekannt.