Am 3. August hatte die Pandion AG mitgeteilt, dass sie die am 5. August fällige Zinszahlung auf ihre Unternehmensanleihe nicht fristgerecht leisten könne. Die Anleihe über 45 Millionen Euro war 2021 platziert worden; ihre Laufzeit war im November 2025 bis zum 5. August 2028 verlängert worden. Am 10. August folgten die entsprechenden Verfahrensanträge. Wie die AG mitteilte, sei es trotz intensiver Restrukturierungs- und Finanzierungsbemühungen nicht gelungen, die Liquiditätssituation nachhaltig zu stabilisieren.
Der Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden. Der Vorstand um Pandion-Gründer und Alleinaktionär Reinhold Knodel bleibt im Amt und hat für die juristische Begleitung des Verfahrens die Düsseldorfer Kanzlei Buchalik Brömmekamp hinzugezogen. Namenspartner Dr. Utz Brömmekamp und Kilian Haus wurden zu Generalbevollmächtigten bestellt. Ziel des Verfahrens sei eine geordnete Restrukturierung sowie die Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen für die Fortführung des Unternehmens. Die Löhne und Gehälter der rund 160 Beschäftigten sind für die Monate August bis Oktober über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung der Bundesagentur für Arbeit gesichert.
Anleihe verliert deutlich an Wert
Pandion will den Anleihegläubigern am 1. September in einem Webcast weitere Details und Hintergründe erläutern. Die im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelte Pandion-Anleihe verlor binnen 30 Tagen rund 90 Prozent ihres Werts. Berichten zufolge hatte sich Pandion noch Anfang 2026 neue Finanzierungen über 340 Millionen Euro gesichert, darunter 100 Millionen Euro für ein Portfolio aus 13 Wohnprojekten und 240 Millionen Euro für das Münchner Büroprojekt Officehome Beat.
Mit der Zinswende 2022 gerieten die Geschäftsmodelle vieler Projektentwickler unter Druck. Finanzierungen wurden teurer, die Baukosten stiegen, und infolge höherer Zinsen sank die Nachfrage. Bereits 2023 gerieten bekannte Unternehmen wie Gerch, Euroboden, Project Immobilien oder Centrum in finanzielle Schwierigkeiten. Nun trifft es auch Pandion, einen langjährig etablierten Entwickler, dessen Projekt „Pandion Vista“ zu den drei „Kranhäusern“ im Kölner Rheinauhafen gehört und dort als Wahrzeichen gilt. Neben dem Hauptstandort entwickelt und vertreibt Pandion Projekte in Bonn, Düsseldorf, München, Berlin und Stuttgart.
Die Verkaufspipeline umfasst nach Unternehmensangaben mehr als 4,8 Milliarden Euro; für 2025 weist Pandion ein vorläufiges Ergebnis vor Steuern von minus 69 Millionen Euro aus. Von der Insolvenz nicht betroffen sind die Projektgesellschaften der einzelnen Vorhaben.
Die Berater im Überblick
Berater Pandion
Buchalik Brömmekamp (Berlin): Dr. Utz Brömmekamp, Kilian Haus (beide Generalbevollmächtigte; beide Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Heuking (Köln): Dr. Thorsten Kuthe (Federführung), Dr. Andreas Meyer, Dr. Christoph Wetzler (beide Frankfurt); Associate: Magdalena Köster (alle Bank- und Finanzrecht)
Sachwaltung
Görg (Köln): Prof. Dr. Torsten Martini (Vorl. Sachwalter), Dr. Christian Wolf, Nico Reisener (alle Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Vertreter Anleihegläubiger
Nieding und Barth (Frankfurt): Klaus Nieding, Wolfgang Schärfe (beide Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Pandion stützt sich auf die bei mittelständischen Unternehmen in NRW gefragten Sanierungsspezialisten von Buchalik Brömmekamp. Die Anwälte der von Brömmekamp und Robert Buchalik gegründeten Sozietät arbeiten mit einer eigenen Unternehmensberatung zusammen und sind vielfach als Generalbevollmächtige oder Chief Restructuring Officer in operativen Rollen zu sehen.
Bei der Platzierung der Anleihe 2021 hatte Pandion ein Team um den Kölner Heuking-Partner Kuthe zu Rate gezogen. Seinerzeit stieß die Anleihe Angaben der Kanzlei zufolge auf eine hohe Nachfrage bei institutionellen Investoren wie auch bei Privatanlegern und war deutlich überzeichnet, das Emissionsvolumen wurde erhöht. Ab 2024 war Heuking mit der Restrukturierung von Anleihe- und Darlehensverbindlichkeiten befasst, die Laufzeit der Anleihe wurde schließlich um zwei Jahre verlängert. Das Team hat die Mandantin noch insolvenznah beraten, etwa hinsichtlich der einschlägigen Publizitätspflichten. Kuthe war vorher in diesem Jahr beim Erarbeiten eines Restrukturierungskonzepts für den Immobilienkonzern Branicks gefragt.
Sachwalter Martini machte sich als Verwalter des Signa-Immobilienportfolios einen Namen. Das Amtsgericht Charlottenburg vertraute ihm 2023 die Aufgabe bei der Signa Real Estate Management Germany an. Der Anfang 2022 nach mehr als 20 Jahren von Leonhardt Rattunde zu Görg gewechselte Partner ist regelmäßig bei großen Restrukturierungsfällen gefragt, aktuell etwa als Sachwalter im Eigenverwaltungsverfahren der Brandenburger Bäckereikette Wahl.
In einer bewährten Rolle als Wahrer von Gläubigerinteressen tritt Nieding von Nieding + Barth auf. Nach JUVE-Informationen hat ihn das Amtsgericht Köln in den vorläufigen Gläubigerausschuss der Aktiengesellschaft wie auch von zweien der Töchter berufen. Nieding stützt sich hier dem Vernehmen nach auf das Vertrauen zweier großer Anleihegläubiger, perspektivisch könnte er einmal mehr die Rolle als Gewählter Vertreter einnehmen.
Im StaRUG-Verfahren der auf Wissenschaftsparks spezialisierten Kölner Immobiliengesellschaft ESPG etablierte Nieding 2023 als Gewählter Vertreter einen Lenkungsausschuss, der in der Folge die Interessen der Gläubiger diskutierte, bündelte und nach außen formulierte. Nieding ist Präsidiumsmitglied der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).