Enagás wird künftig zehn Prozent an der HEH halten. Fluxys, ebenfalls ein Energieinfrastrukturunternehmen, habe ihre Beteiligung im Zuge einer strategischen Neuausrichtung veräußert, heißt es in einer Mitteilung seitens des Konsortiums. Das Terminal im Industriepark Stade soll 2027 fertiggestellt sein und ist Teil der Strategie der Bundesregierung, russisches Pipelinegas zu ersetzen. Nach Angaben des Konsortiums beträgt das Investitionsvolumen in Stade rund eine Milliarde Euro. Etwa 75 Prozent der Verarbeitungskapazität sei bereits langfristig gebucht, beispielsweise durch Kunden wie EnBW und SEFE, der früheren Gazprom Germania.
Die Entscheidung, in Deutschland eine Infrastruktur zur LNG-Verarbeitung aufzubauen, fiel unter dem Druck des russischen Überfalls auf die Ukraine kurzfristig, andere europäische Länder sind hier ein gutes Stück weiter, etwa die Spanier. Enagás sei einer der weltweit größten Betreiber von LNG-Terminals sowie der zweitgrößte Netzbetreiber in Europa, so die HEH. Die deutschen Terminals sollen später grünen Wasserstoff verarbeiten können, das hat die Bundesregierung in den Genehmigungen so vorgegeben. Enagás bringt umfassende Erfahrungen im Umgang mit Wasserstoff, Biogas und Bio-Methan in das Konsortium mit ein.
Weitere HEH-Shareholder sind der Chemiekonzern Dow, die Hamburger Buss-Gruppe sowie der Private-Equity-Investor Partners Group aus der Schweiz. Dow, der am geplanten Terminalstandort im Industriepark Stade eine Produktionsstätte mit rund 1.100 Mitarbeitenden betreibt und dort seit 50 Jahren mit verflüssigtem Gas arbeitet, war vor gut einem Jahr eingestiegen. Angaben über die Höhe des Dow-Anteils wurden seinerzeit nicht gemacht, als Mehrheitsgesellschafterin gilt dem Vernehmen nach aber die Partners Group. Die finale Investitionsentscheidung für das Terminal an Land erfolgt im Laufe des Jahres.
Ein weiteres LNG-Projekt in Niedersachsen entsteht in Wilhelmshaven, zudem sind im holsteinischen Brunsbüttel und im mecklenburgischen Lubmin Terminals geplant. Bis zur Inbetriebnahme der Stationen an Land soll das Flüssiggas in schwimmenden Einheiten, sogenannten FSRUs, wiederverdampft und in das Netz eingespeist werden. FSRU steht für ‚Floating Storage and Regasification Unit‘. Bereits in Betrieb sind derzeit die Einheiten in Brunsbüttel und am privat betriebenen Standort in Lubmin, wo der Bund ein zweites Terminal plant. Von Stade aus soll auf diesem Weg ab Jahresende 2023 Gas eingespeist werden. Abgesehen vom privaten Terminal in Lubmin, das die Deutsche Regas betreibt, chartert der Bund die FSRUs.
Berater HEH
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Holger Kraft, Dr. Hilke Herchen (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Martin Krause (Baurecht; Köln); Associates: Marvin Hoffmann, Birgit Schlemmer (beide Corporate/M&A)
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Ulrich Pfeffer (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Berater Enagás
GvW Graf von Westphalen (Hamburg): Dr. Ritesh Rajani (Federführung), Christian Mayer-Gießen, Maximilian Andersen (alle Corporate/M&A), Dr. Sebastian Rohrer, Dr. Maximilian Elspas (beide München), Guido Brucker, Antje Baumbach, Dr. Reinald Günther (alle Berlin; alle Energierecht), Saskia Soravia (Umweltrecht), Lutz Lamprecht (Immobilienrecht), Andrea Torka (Frankfurt), Dr. Patrick Wolff (beide Bank- und Finanzrecht), Dr. Carsten Bittner (Kartellrecht), Marian Niestedt (Außenwirtschaftsrecht), Marius Bodenstedt (Arbeitsrecht); Associates: Tobias Lang (Energierecht), Cosima Baumeister (Umweltrecht), Max Jürgens (Außenwirtschaftsrecht)
GAP Gomez-Acebo y Pombo (Madrid): Mónica Weimann (Corporate/M&A), Borja Carvajal (Öffentliches Recht; beide Federführung), Miguel Troncoso (Kartellrecht); Associates: José Sánchez, Cristina Sánchez Weickgenannt (beide Corporate/M&A), Álvaro Obregón (Öffentliches Recht)
Berater Fluxys
White & Case (Hamburg): Dr. Matthias Kiesewetter (M&A) – aus dem Markt bekannt
Notariat
Notare am Ballindamm (Hamburg): Dr. Sebastian Bong – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: CMS hat das Konsortium bereits beim Einstieg von Fluxys im Sommer 2021 und Dow im April 2022 beraten und trat hier federführend auf. Eigene Berater der Altgesellschafter waren dem Vernehmen nach nicht direkt beteiligt. Pfeffer von Clifford Chance wurde ergänzend für die Aspekte der Fusionskontrolle herangezogen. Die Einheit wird regelmäßig von der Partners Group mandatiert.
GvW wurde von der Madrider Kanzlei GAP angesprochen, wo Mónica Weimann als Head of the German Desk für Sachverhalte mit Deutschland-Bezug zuständig ist, sie ist zudem Präsidentin der Deutsch-Spanischen Juristenvereinigung. Enagás hatte nach JUVE-Informationen im Vorfeld der Transaktion mehrere spanische Kanzleien kontaktiert und entschied sich letztlich für die Kombination GAP und GvW. Eine tragende Rolle im Beraterteam der deutschen Kanzlei nahmen die Berliner Energierechtler um Elspas ein, die vor zwei Jahren als Teil eines großen Teams von Beiten Burkhardt zu GvW gewechselt waren.
Beim Exit von Fluxys war nach Informationen aus dem Markt erneut Kiesewetter von White & Case mandatiert. Er hatte die Belgier bereits vorher im Rahmen ihrer Beteiligung am Konsortium beraten.