Bei Deichmann liegen zukünftig die Markenrechte für Schuhe. Deichmann verkauft bereits seit 2019 Esprit-Schuhe. Für die Nutzung der Markenrechte bezahlt das Unternehmen eine Lizenzgebühr. Seit 2020 entwickelt das Unternehmen Kollektionen gemeinsam mit Esprit.
Noch im August hatten sich die Gläubigerausschüsse der sieben insolventen deutschen Esprit-Gesellschaften für ein Angebot der CBR Fashion Group ausgesprochen, eine Tochter der Londoner Investmentgesellschaft Alteri. Die Zustimmung der Hongkonger Esprit Holding, der die Markenrechte gehören, lag ebenfalls vor. Die Beteiligten schlossen eine Grundlagenvereinbarung. Zu der Alteri-Tochter CBR gehören auch die Ketten ‚Cecil‘ und ‚Street One‘.
Neue Offerte überzeugt Verkäufer
Erst im Anschluss an die Vereinbarung stieg das 1913 gegründete Unternehmen Deichmann ins Bieterrennen ein – und konnte überzeugen. Die Gläubigerausschüsse und die Esprit Holding entschieden sich für die neue Offerte. Deichmann ist in über 30 Ländern weltweit aktiv und beschäftigt mehr als 49.000 Menschen.
Esprit hatte im Mai ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet. Die noch verbliebenen 56 Stores der Marke schließen planmäßig bis Ende November.
Berater Deichmann
Inhouse Recht (Essen): Dr. Philipp Semmann (Chief Legal Officer), Miriam Mohnitz (Head of License Management/Senior Legal Counsel Legal & Compliance)
Klaka (München): Oliver Rauscher (IP)
SSP-Law (Düsseldorf): Dr. Michael Schmidt-Versteyl (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Bergmann Law (Köln): Dr. Bettina Bergmann (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Arqis (Düsseldorf): Johannes Landry (Insolvenzrecht/Restrukturierung; Federführung)
Berater deutsche Esprit-Gesellschaften
Görg (München): Dr. Michael Nienerza (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Dr. Katharina Landes (IP/IT; Köln; beide Federführung), Dr. Christian Wolf (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Dr. Christian Bürger (Kartellrecht), Dr. Adalbert Rödding, Alexander Winkelhog, Dr. Karl-Georg Küsters (alle Steuerrecht; alle Köln), Michael Klitsch (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Dr. Elisabeth Marz (IP/IT; Köln); Associates: Philipp Baak (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Metehan Uzuncakmak (Kartellrecht; Köln)
Gerloff Liebler (München): Dr. Christian Gerloff, Christian Stoffler (beide Restrukturierungs-Geschäftsführer), Benedikt Gatt (Generalbevollmächtigter), Dr. Christian Schmitt (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Christian Rogner (Arbeitsrecht)
Sachwaltung
Flöther & Wissing (Halle): Prof. Dr. Lucas Flöther (Sachwalter), Dr. Anna Wilke, Rajko Dambeck (alle Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Berater internationale Esprit-Gesellschaften
White & Case: Jonathan Olier (Corporate M&A; Singapur), Lindsey Canning, Dr. Philip Trillmich (beide IP; beide London), Dr. Tilman Kuhn (Kartellrecht; Düsseldorf); Associates: Jean Renaldy (Corporate/M&A), Aliya Manji, Alex Robinson (beide IP; beide London) – aus dem Markt bekannt
Deloitte Legal (Hamburg): Frank Tschentscher (Insolvenzrecht/Restrukturierung; Federführung), Dr. Volker Schulenburg (Corporate/M&A), Marcus Spangenberger (Insolvenzrecht/Restrukturierung); Associates: Christina Wöste (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Alexander Hartmann, Darwin Pfeiffer (beide Corporate/M&A)
Hintergrund: Aufseiten der Käuferin Deichmann spielten die Inhouse-Juristen die tragende Rolle beim Erwerb der Rechte, so heißt es im Markt. Im Lead war Chief Legal Officer Semmann, der die Rechtsabteilung seit 2017 leitet, maßgeblich unterstützt von Mohnitz, der Leiterin der Abteilung für Lizenzmanagement.
Die Münchner IP-Boutique Klaka, für die hier Rauscher auftrat, berät Deichmann fortlaufend im Marken- und Designrecht. Ebenfalls involviert waren dem Vernehmen nach Transaktionsberater Schmidt-Versteyl von SSP-Law und die Kölner Kartellrechtlerin Bergmann. Beide waren bereits in der Vergangenheit gemeinsam für die Schuheinzelhändlerin tätig.
Der Düsseldorfer Restrukturierer Landry von Arqis brachte aufseiten von Deichmann seine langjährige Erfahrung bei Transaktionen aus der Insolvenz mit ein. Schon 2020, als Esprit zu Beginn der Pandemie in ein Schutzschirmverfahren gegangen war, hatte er dem Unternehmen bei der Sicherung der Schuh-Lizenzrechte zur Seite gestanden.
Über die anwaltliche Begleitung von Theia ist nichts bekannt.
Görg mit umfangreicher Verkaufsberatung
Esprit ließ sich zum Verkauf umfassend von Görg beraten. Der Restrukturierer Nienerza und die IP-Spezialistin Landes leiteten das Team, zu dem auch IT- und Steuerrechtler gehörten. Im Verkaufsprozess arbeitete das Görg-Team eng mit den Sanierungsgeschäftsführern Gerloff und Stoffler zusammen. Nienerza und Gerloff kennen sich langjährig. Zu Jahresbeginn 2024 amtierte Gerloff als Insolvenzverwalter bei Tennis-Point aus dem Signa-Sportimperium, beraten von Görg. Gerloff gilt als Experte für kriselnde Unternehmen aus dem Mode- und Textilsektor.
Die Sachwaltung von Esprit lag bei Flöther, der von Gerichten regelmäßig als Verwalter in großen Verfahren bestellt wird. Der Namenspartner von Flöther & Wissing ist auch als Restrukturierungsbeauftragter nach dem StaRUG gefragt, so etwa beim börsennotierten IT- und Softwareunternehmen Softline aus Leipzig oder beim Frankfurter Immobilienspezialisten Branicks.
A&O Shearman für unterlegene Bieterin
Deloitte Legal hatte mit einem Team um den Hamburger Partner Tschentscher das Insolvenzverfahren vorbereitet und die Anträge auf den Weg gebracht. Er stand hier einmal mehr der Hongkonger Konzernmutter zur Seite. Schon das Insolvenzplanverfahren 2020 hatte er begleitet. Nach Informationen aus dem Markt wurden auch Gesellschafts-, IP- und Kartellrechtler von White & Case an der Seite des internationalen Arms von Esprit gesehen.
Die letztlich unterlegene Bieterin Alteri war nach Marktinformationen beim Abschluss der Grundlagenvereinbarung von A&O Shearman beraten worden. Die Federführung hatte Dr. Sven Prüfer, der ansonsten etwa der thailändischen Central Group zur Seite steht, in diesem Jahr unter anderem beim Erwerb des Geschäftsbetriebs der KaDeWe Group.