Tschechien

RWE kauft mithilfe von Freshfields Gasnetz von Innogy

RWE stellt sich beim Netzbetrieb breiter auf: Der Energieversorger hat vom Betreiber innogy SE eine Mehrheitsbeteiligung an der Innogy Grid Holding erworben. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Innogy Grid Holding betreibt das größte Gasverteilnetz in Tschechien.

Teilen Sie unseren Beitrag
Kogge_Ralph
Kogge_Ralph

Eine Kartellfreigabe sei aufgrund des bestehenden Konzernverhältnisses zwischen den Vertragsparteien nicht erforderlich, teilte Innogy mit. Mit der jüngsten Vereinbarung hat die börsennotierte Innogy ihren Anteil von 50,04 Prozent an der Innogy Grid an ihre bisherige Mutter RWE veräußert. Macquarie Capital bleibt mit einem Anteil von 49,96 Prozent weiterhin Gesellschafter. Die Beteiligungsgesellschaft hatte jüngst ihr Management-Team in Europa für die Investmentziele Energie und Infrastruktur verstärkt.

Laut Geschäftsbericht von Innogy entsprach der Innogy-Grid-Anteil einem Eigenkapital von 1,13 Milliarden Euro, insofern wurde auch mit einem entsprechenden Entkonsolidierungserfolg kalkuliert.

Nur eine Baustelle von vielen

Die Transaktion ist die Vorstufe zu bereits länger getroffenen Vereinbarungen zwischen RWE und E.on. Die beiden Energiekonzerne wollen sich in ihren Geschäfsfeldern neu aufstellen und dazu Assets, auch von Innogy, unter sich aufteilen. Die Europäische Kommission hat den Teil des Umbaus, im Zuge dessen RWE das Geschäft mit erneuerbaren Energien von E.on sowie von Innogy übernehmen wird, Ende Februar ohne Auflagen genehmigt.

Ansonsten aber stockt der marktbewegende Deal, der sich nach Angabe von Mergermarket auf einen Gesamtwert von knapp 38 Milliarden Euro beläuft: Zur geplanten Übernahme von Innogy durch E.on hat die Europäische Kommission eine vertiefte Prüfung des Geschäfts nach der Fusionskontrollverordnung der EU eingeleitet, da in bestimmten europäischen Ländern der Wettbewerb im Strom- und Gasvertrieb beeinträchtigt werden könnte.

Thomas Meurer
Thomas Meurer

Öffentlich bekannt ist, dass beispielsweise die Stadtwerke Frankfurt am Main Holding (SWFH) den geplanten Deal zwischen den Energieversorgern sehr kritisch sieht. Sie versucht mit einem Schachzug über ein US-Gericht an Unterlagen zu gelangen, die in hiesigen Kartell- und Schadensersatzverfahren gegen RWE verwendet werden könnten.

Berater RWE
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Ralph Kogge (M&A/Private Equity), Dr. Andreas Fabritius; Associate: Mirko Masek (beide M&A/Corporate) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Essen): Dr. Claas Westermann (Head of M&A Legal ) – aus dem Markt bekannt

Berater Innogy
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Thomas Meurer (M&A), Dr. Andreas Austmann (Gesellschaftsrecht; beide Federführung), Dr Hartwin Bungert, Dr. Christian Strothotte, Dr. Matthias Cloppenburg (alle Gesellschaftsrecht); Associates: Dr. Maximilian Schauf, Richard Suermann (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Sahar Said (M&A)

Berater Innogy-Vorstand
Berner Fleck Wettich (Düsseldorf): Dr. Carsten Wettich (Federführung), Dr. Christian Nienkemper (beide Corporate)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Claudia Mayfeld (General Counsel), Dr. Tobias Bage (Head of Legal M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Innogy-Aufsichtsrat
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Mannheim): Prof. Dr. Jochem Reichert (Federführung); Associates: Dr. Matthias Heusel, Dr. Maximilian Goette, Stefan Mendelin (alle Corporate/M&A)

Jochem Reichert
Jochem Reichert

Hintergrund: Freshfields und RWE sind alte Bekannte, die Kanzlei berät den Energiekonzern bereits seit vielen Jahren. Sie wurde etwa bei einem Streit mit Gazprom im Jahr 2013 mandatiert oder auch 2015 bei Schadensersatzforderungen des Energiekonzerns wegen der Abschaltung des Kernkraftwerks Biblis. Tiefer ein ins Transaktiongeschäft des Energiekonzerns stieg die Magic-Circle-Kanzlei mit der Anfang des vergangenen Jahres getroffenen, komplexen Vereinbarung für die nun ausstehende Aufteilung von Innogy.

Die Leitung des Freshfields-Team lag schon damals bei dem hier involvierten Partner Fabritius. Ebenfalls in der Federführung stand Dr. Tobias Larisch, der kurze Zeit später zu Latham & Watkins wechselte und unter der US-Flagge auch für mehrere Energieunternehmen die Gründung der Zwischenlagerbetreiberin für bestrahlte Kernbrennstoffe aufsetzte.

Für die konzerninterne Übertragung des Innogy-Grid-Anteils kam dem Vernehmen nach nun Freshfields-Partner Kogge ins Spiel, der auch die Federführung hatte, als Lanxess sich im vergangenen Jahr aus dem Kautschukgeschäft zurück zog und seinem Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo an den Partner Saudi Aramco verkaufte.

Bei Innogy-Beraterin Hengeler liegt die Federführung für die Gesamttransaktion Innogy/RWE/E.on beim Düsseldorfer Gesellschaftsrechtler Austmann, der sich die hiesige Arbeit vor allem mit dem Transaktionsanwalt Meurer teilte. Meurer, der regelmäßig bei Auktionen auf Verkäuferseite berät, unterstützte in der Vergangenheit beispielsweise RWE beim Verkauf der Dea an LetterOne und Madison Capital Partners beim Verkauf von KraussMaffei.

Carsten Wettich
Carsten Wettich

Neben Hengeler setzte der Vorstand wieder auf die Corporate-Boutique Berner Fleck Wettich. Sie hatte dem Gremium ein ausführliches aktienrechtliches Gutachten erstellt zum öffentlichen Übernahmeangebot von E.on. Neben dem federführenden Partner Wettich kam für das Gutachten Partner Dr. Olaf Berner zu Einsatz. Hier war nun Nienkamper dabei, der wie die drei Gründungspartner zuvor Hengeler-Associate war und 2017 als vierter Partner einstieg. Die Düsseldorfer Sozietät hatte schon vor der Erstmandatierung mit General Counsel Mayfeld Kontakt und war für die Begutachtung auch von Hengeler empfohlen worden.

Als Berater des Innogy-Aufsichtsrates ist auch SZA-Partner Reichert mit seinem Team häufig in dem Gesamtkomplex im Einsatz. Die Kanzlei ist für ihre Gremienberatung bundesweit bekannt und kündigte diese Woche an, im Frühjahr ein weiteres Büro in München zu eröffnen.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Deals Innogy aufgeteilt

E.on und RWE setzen bei Energie-Deal auf Inhouseteams, Linklaters und Freshfields

Deals Innogy-Übernahme

E.on holt sich fünf Milliarden mit Linklaters und Allen & Overy

Markt und Management Nach Innogy-Abspaltung

RWE-Rechtsabteilung mit neuem Chef-Kartellrechtler

Deals Strahlender Müll

Latham berät EnBW, PreussenElektra, RWE und Vattenfall bei Übergabe an die BGZ

Verfahren Prozessauftakt

RWE fordert mit Freshfields Schadensersatz für Biblis-Aus

Verfahren RWE vs. Gazprom

Wiener Freshfields-Team erzielt Sieg mit Schönheitsfehlern

Deals Lanxess steigt aus

Saudi Aramco vertraut bei Kautschuk-Deal wieder auf Allen & Overy

Deals Verkauf an Oligarchen

RWE bringt mit Hengeler den Dea-Deal doch noch ins Ziel

Verfahren Cleverer Schachzug

Stadtwerke Frankfurt kämpfen mit Schalast vor US-Gericht gegen Großfusion