Hintergrund Analyse

Die neuen Rankings sind da! Geballte Ladung Öffentlicher Sektor

Transformation ist das neue Buzzword auch im Öffentlichen Sektor. Gesundheitswesen, Verwaltung, Sicherheits-, Energie- und Verkehrsinfrastrukturen brauchen eine neue Dynamik. Die Rechtsberatung im und an der Schnittstelle zum Öffentlichen Sektor steht damit vor neuen Aufgaben. Wir haben analysiert, welche Kanzleien diese Aufgaben besonders gut meistern.

von Antje Neumann, Markus Lembeck, Pauline Pohlers, Melanie Müller

Massive staatliche Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Technologie rücken das Vergabe-, Beihilfe- und Öffentliche Wirtschaftsrecht als Steuerungsinstrumente in den Fokus.

Unübersehbar umfasst die Arbeit von Anwältinnen und Anwälten in diesen Spezialdisziplinen immer öfter neben Einzelmandaten auch die Begleitung von komplexen Millionenprojekten. Bei Projekten wie der Ansiedlung von Datencentern, Halbleiterproduktion, Batteriespeichern und Windparks, dem Umbau und Digitalisierungen im Bereich von Kliniken und Behörden oder bei technologieintensiven Bauvorhaben sind das kombinierte Know-how von Vergabe-, Beihilfe- und Öffentlich-Rechtlern und zugleich Vertrags- und Umsetzungsmodelle sowie fachübergreifende Teams mit Gesellschafts- und IT-Rechtlern oder Vertrags- und Finanzierungsspezialisten gefragt. Die Beratung im öffentlichen Sektor erfordert heute vor allen Dingen ein integriertes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen nationalem Verwaltungsrecht, europäischer Regulierung, Förder‑ und Beihilferecht sowie vergabe‑ und wettbewerbsrechtlichen Vorgaben. So auch vor dem Europäischen Gerichtshof, wo GSK Stockmann kürzlich erfolgreich für den Raumfahrtkonzern OHB eine Neubewertung der milliardenschweren EU-Satellitenvergabe ‚Galileo‘ erstritt.

Das spiegeln auch die neuen JUVE Rankings für die Rechtsgebiete des Öffentlichen Wirtschafts-, Vergabe- und Beihilferechts.

Schnelle Investitionen brauchen schnelles Handeln

Der Beratermarkt kennt dabei nach wie vor eine gewisse Trennung zwischen Kanzleien, die sich auf die Beratung der öffentlichen Seite fokussieren, und solchen, die eher Investoren oder Bieter um öffentliche Aufträge beraten. Eine besondere Herausforderung ist das Spannungsfeld zwischen dem Druck auf eine schnelle Umsetzung, komplexen Genehmigungs‑, Vergabe- und Förderstrukturen sowie gleichzeitig dem politischen Ziel, geostrategische Autonomie zu sichern, Lieferketten resilient aufzustellen und staatliche Eingriffe wettbewerbs‑ und beihilfekonform auszugestalten.

Um aufseiten der Öffentlichen Hand, die durch die Transformation selbst vor großen Herausforderungen steht, mit Kapazitäten zu unterstützen, haben etliche Kanzleien ihre Angebote für die Übernahme von Verfahrensschritten bei Ausschreibungen um KI- und Tech-Tools erweitert. Luther und KPMG Law sind Einheiten, die zuletzt in neue, interdisziplinäre Beratungsmodelle investiert haben.

Doch auch die eher auf Investorenseite auftretenden internationalen Großkanzleien wie Clifford Chance, Hogan Lovells, Freshfields oder Linklaters wissen, dass es für eine Beteiligung ihrer Mandantschaft an komplexen Mammut-Projekten erfahrene Öffentlich-Rechtler braucht. Denn der Investitionsdynamik stehen staatliche Strukturen gegenüber, deren Aufgabe es ist – und sein muss –, staatliches Handeln zugleich effizient, rechtssicher und strategisch handlungsfähig zu gestalten. Und nicht selten treffen hier verschiedene kulturelle Welten und Erwartungen aufeinander, die jeweils übersetzt werden müssen. Die Dauer von Genehmigungs- und Auszahlungsverfahren beginnt sogar, den Enthusiasmus mancher Investoren auszubremsen. ReGas, beraten durch Hengeler Mueller, verzichtete im Fall des geplanten Elektrolyseurs in Lubmin am Ende auf Fördermittel, um beweglich zu bleiben.

Die hochvolumigen EU- und nationalen Programme haben zudem beihilfe- und fördermittelrechtliche Implikationen auf die Finanzierungsmodelle. Im Beihilferecht sind Gleiss Lutz, Freshfields und Redeker Sellner Dahs über ihre Stärke bei Regulierungsthemen auch im Beihilferecht dominante Kräfte.

Öffentliches Wirtschaftsrecht

Zwischen Transformation und Regulierung

Ranking und Kanzleibewertungen

Kanzlei des Jahres für Öffentliches Wirtschaftsrecht

  • Franßen & Nusser

    Mit ihrer starken Verzahnung von Umwelt- und Produktrecht setzt die Kanzlei Maßstäbe in der Kreislaufwirtschaft – und hat sich damit fast schon ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Markt verschafft. Die konsequente Fokussierung auf kreislaufwirtschaftsrelevante Themenfelder wie Batterierecht und die neue Verpackungsverordnung hat sie zur gefragten Expertin für zukunftsweisende Rechtsfragen gemacht. Längst haben sich auch US-amerikanische Unternehmen dem Team um Dr. Jens Nusser und Gregor Franßen anvertraut. Besonders beeindrucken die Anwälte mit ihrer Fähigkeit, komplexe Beratungsfelder zu verknüpfen: Für Mandantin Mitsubishi Chemical Europe verbinden sie Umweltrecht mit Klimaschutz- und Wettbewerbsrecht bei Rechtspflichten zu Umweltaussagen. Parallel erschließt sich die Kanzlei strategisch wichtige Wachstumsfelder. Neben dem Aufregerthema PFAS berät sie intensiv zur Ersatzbaustoffverordnung. Die junge Partnerin Dr. Marthe-Louise Fehse hat sich mit Mandaten rund um das (Bau-)Produktrecht schnell einen Namen gemacht. Daneben legt die Kanzlei einen starken Fokus auf Cybersicherheit, KI und digitale Produkte. Mit der Gründung einer eigenen GmbH für KI-Tools und digitale Produkte sowie einer Kooperation mit den Wirtschaftsprüfern von Deloitte zu nachhaltigen Lieferketten beweist F&N unternehmerischen Weitblick. Das registrieren auch Wettbewerber – und loben: „äußerst kreativ und am Puls der Zeit“. Ein anderer findet: „sehr fokussierte Kanzlei mit einer überzeugenden Entwicklung“.

Vergaberecht

Mehr Digitalisierung, Infrastruktur und Sicherheit 

Ranking und Kanzleibewertungen 

Kanzlei des Jahres für Vergaberecht

  • GvW Graf von Westphalen

    Die Vergaberechtler von GvW Graf von Westphalen zeigen, wie technische Innovation und strategisches Denken Maßstäbe im Vergaberecht setzen können. Mit einer herausragenden Einheit von 15 Anwälten stemmt die Kanzlei große Projekte mit beeindruckender Präzision. Ein Paradebeispiel ist die Beratung der Ruhr-Universität Bochum zum Neubau der Fakultät für Informatik: Bei dem europaweiten ÖPP-Verfahren arbeiten unter Federführung von Dr. Bettina Meyer-Hofmann bundesweit Vergabe-, Vertrags-, Finanzierungs-, Planungs- und Baurechtler zusammen. Der Zugang von Dr. Felix Siebler hat Signalwirkung: Mit ihm und seinem Team stärkt GvW die Kompetenz bei Infrastrukturprojekten und im Verkehrssektor, insbesondere bei ÖPP-Ausschreibungen. Mandanten und Wettbewerber loben ihn unisono als „super kompetent und engagiert“ sowie „fachlich sehr gut, schnell und pragmatisch“. Dass das Team aber auch im Bereich Digitalisierung, IT-Sicherheit und Verteidigung gesetzt ist, belegt eindrucksvoll das Mandat für Palo Alto Networks. Hier berät ein Team um Münchner Partnerin Dr. Ingrid Reichling vergabe- und IT-rechtlich bei Verfahren, die mitten im sicherheitspolitischen Herzen der Republik angesiedelt sind. Ein Mandat mit Leuchtturmcharakter für die digitale Zukunft der öffentlichen Beschaffung ist der Gewinn von AlsterText, die GvW bei Ausschreibungen im Bereich KI-gestützter Spracherkennung im Medizinsektor unterstützt.

Beilhilferecht

Goldgräberstimmung mit Fallstricken 

Ranking und Kanzleibewertungen

Brüssel

Zwischen Wettbewerbsrecht und Geopolitik

Ranking und Kanzleibewertungen

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