Sommer verantwortet nun die Bereiche Legal, Compliance und Privacy innerhalb der Brenntag‑Gruppe und übernimmt damit ein breiteres Aufgabenfeld als sein Vorgänger Fischer, der das Unternehmen nach fünfzehn Jahren zum Jahreswechsel mit noch unbekanntem Ziel verließ.
Eine zentrale Aufgabe von Sommer ist es, das bisher separat arbeitende Compliance‑Team mit dem Rechtsbereich zusammenzuführen. Insgesamt führt Sommer rund 60 Mitarbeitende weltweit, verteilt auf die Zentrale in Essen sowie die internationalen Regionen des in 70 Ländern vertretenen Konzerns. Zudem soll der Einsatz von KI‑Lösungen weiter ausgebaut werden, um die operative Rechtsberatung zu stärken.
Vertraut mit regulierten Branchen
Sommer bringt umfassende Erfahrung mit komplexen Eigentümerstrukturen und aus dem regulierten Telekommunikationssektor mit. 17 Jahre war er bei Vodafone tätig und verantwortete dort zuletzt als Group Legal Director ein 75‑köpfiges Team in Großbritannien, Irland, Deutschland, Luxemburg, Ungarn und Indien. 2020 wechselte er als Chief Operating und Chief Legal Officer zur Funkturmsparte Vantage Towers und begleitete dort deren Börsengang sowie später das Delisting.
Bis 2023 baute Sommer dort ein über 30-köpfiges Team auf und integrierte auch das Immobilienmanagement in den Rechtsbereich. Zudem verhandelte er, soweit bekannt, mehrfach Verträge zu Legal‑Tech‑Lösungen sowie zum Legal Process Outsourcing (LPO).
Aus dem Unternehmertum in den Dax
Nach seinem Ausscheiden bei Vantage Towers gründete Sommer das Münchner Beratungsunternehmen Skylon Partners, das sich auf den Immobilien‑ und Telekommunikationsbereich fokussiert, und arbeitete parallel als Senior Legal Advisor beim Infrastrukturinvestor Xunos. Insofern überraschte einige Marktbeobachter seine Rückkehr zu einem börsennotierten Großunternehmen.
Allerdings ist Sommer nicht der erste Top-Manager von Vantage Towers, der bei Brenntag an Bord kommt. Auch CFO Thomas Reisten, an den Sommer nun berichtet, hatte zuvor bei dem britischen Mobilfunkriesen Vodafone und dessen europäischer Funkturm-Abspaltung gearbeitet.
Effizienzprogramm mit neuen Gremienmitgliedern
Brenntag, seit 2021 im Leitindex Dax gelistet, erwirtschaftete 2024 mit mehr als 18.000 Mitarbeitenden einen Umsatz von 16,2 Milliarden Euro. Als etabliertes Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und der weiterverarbeitenden Industrie spürt der Chemiehändler aktuell die Folgen der Rezession und möchte wieder verstärkt Synergien zwischen seinen beiden Divisionen Essentials (Massengeschäft) und Specialties (Spezialitäten) heben.
Gewachsen war das Unternehmen zuletzt durch mehrere Zukäufe, darunter die Airedale Group in Großbritannien, die Chem Tech Services in Nordamerika sowie mcePharma, ein Lifesciences-Unternehmen in Tschechien. Finanzielle Details der Transaktionen gab Brenntag wie üblich nicht bekannt. Jedoch platzierte der Dax-Konzern im Herbst mithilfe von White & Case eine Anleihe über insgesamt 600 Millionen Euro am europäischen Kapitalmarkt.
Größter Aktionär ist inzwischen mit gut 20 Prozent die Kühne Holding, gefolgt von dem US-Investor Artisan Partners mit rund 15 Prozent. Zum Aufsichtsrat zählen mittlerweile auch Dominik de Daniel (CEO der Kühne Holding), Susanne Wiegand (ehemals CEO der Renk Group) sowie der erfahrene Jurist Karl von Rohr, früheres Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.