Kein süßes Ende

Confiserie-Händler Hussel geht mit Eckert, Schmidt-Jortzig und Reimer in Insolvenz

Die zur Deutschen Confiserie Holding gehörenden Fachhändler Hussel, Arko und Eilles haben beim Amtsgericht Norderstedt eine vorläufige Insolvenz in Eigenregie beantragt. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und erreichte zuletzt einen Umsatz von 140 Millionen Euro.

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Markus Kohlstedt
Markus Kohlstedt

Die Hannoveraner DCH betreibt unter den Marken Hussel, Arko und Eilles bundesweit rund 300 eigene Filialen. Die Geschäfte sind auf Süßwaren, Kaffee und Tee spezialisiert. Weitere Filialen und Franchisebetriebe gibt es in Österreich und Tschechien sowie rund 4.000 Verkaufsstellen in Lebensmittelgeschäften und Bäckereien.

Dietmar Penzlin
Dietmar Penzlin

Die Corona-Beschränkungen treffen den Süßwarenfachhandel stark. Insbesondere die wichtigen Verkaufszeiträume um Ostern und Weihnachten waren im vergangenen Jahr stark davon beeinträchtigt. Während mangels staatlicher Schließungsanordnungen für den Lebensmittelhandel keine Staatshilfen in Anspruch genommen werden können, bleiben die Umsätze aufgrund nur sehr gering frequentierter Einkaufsstraßen aus.

Arko hat seinen Sitz in Wahlstedt in Schleswig-Holstein. Sie wurde von der Kaffeehändlerfamilie Rothfos gegründet, eine Minderheitsbeteiligung hielt nach dem letzten veröffentlichten Abschluss eine Gesellschaft der Halloren-Schokoladengruppe. Das Hagener Traditionsunternehmen Hussel war 2018 an Arko verkauft worden, 2019 gingen beide Unternehmen in die DCH ein. Hussel war lange mit der damaligen Parfümeriekette Douglas Holding verbunden und zu seinen Glanzzeiten börsennotiert. Das Münchner Spezialitätenhaus Joseph Eilles startete 1873 unter anderem mit Tee und Kaffee. Hier ist lediglich das Filialgeschäft betroffen, das es in Lizenz betreibt.

Berater DCH
Eckert (Hannover): Dr. Rainer Eckert, Markus Kohlstedt (beide Federführung), Dorit Schwamberger (Leipzig), Dr. Stefanie Zulauf; Associates: Andreas Romey, Lars Knippe (beide Hamburg; alle Insolvenzrecht)

Sachwaltung Hussel und Eilles
Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin (Hamburg): Dr. Dietmar Penzlin (Sachwalter), Niklas Marwedel; Associate: Dr. Christian Mikolajczak (alle Insolvenzrecht)

Tjark Thies
Tjark Thies

Sachwaltung Arko
Reimer
 (Hamburg): Dr. Tjark Thies (Sachwalter), Dr. Arno Döbert, Dr. Stefan Schoppe; Associate: Dr. Solveig Lieder (alle Insolvenzrecht)

Hintergrund: Die Verfahren zählen zu den ersten, die auf Grundlage des seit Januar geltenden Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetz und dem neu gefassten Covid-19-Insolvenzaussetzungsgesetz eröffnet wurden.  

Eckert wurde zum Generalhandlungsbevollmächtigten für DCH bestellt. Der erfahrene Insolvenzrechtler nimmt regelmäßig seine Partner mit in die Co-Federführung, wie auch im Dezember bei der Kriseninsolvenz der AWO Wiesbaden. Die Kanzlei kam dem Vernehmen nach etwa um den Jahreswechsel ins Mandat, über einen persönlichen Kontakt im Unternehmen.

Etwa zeitgleich wechselten die beiden Associates Romey und Knipper von RNI Legal zu Eckert nach Hamburg, wo die Kanzlei seitdem einen weiteren Standort hat. Romey war bereits früher einmal bei Eckert tätig. Damals beriet er Namenspartner Eckert als Insolvenzverwalter von Mäc Geiz. Später machte er sich in eigener Kanzlei selbstständig, bevor er nun von RNI Legal zurückkehrte.

Über die Bestellung der Sachwalter haben sich nach Marktinformationen die Antragstellerin und das Insolvenzgericht nach üblicher Praxis abgestimmt. Für den Fall, dass innerhalb eines Konzerns wechselseitige Rechtsbeziehungen zwischen den Unternehmen bestehen, setzen einige Gerichte dann für diese Gesellschaften unterschiedliche Sachwalter ein, um mögliche Konflikte zu vermeiden. So auch bei DCH. Thies ist ein auf allen Verfahrenspositionen erfahrener Insolvenzrechtler, der noch im November in Ahrensburg die Verfahrensberechtigung bei der Behrens-Insolvenz übernahm. Auch Penzlin war bereits auf unterschiedlichen Positionen bei Großinsolvenzen erfolgreich, und beriet im vergangenen Jahr etwa den Verwalter des Maschinenbauers Kuper. 

Die Gesellschaft ist überwiegend über Privatinvestoren finanziert. Andere Berater sind derzeit weder vom Unternehmen noch vonseiten der Großgläubiger bekannt geworden. Den letzten veröffentlichten Jahresabschluss der DCH prüften Christian Fuchs aus Stuttgart und Dirk Schützenmeister aus Hamburg von Ebner Stolz.

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