Juve Plus Studie zur KI-Nutzung in Kanzleien

Künstliche Intelligenz wird zum Akquiseinstrument

Künstliche Intelligenz entwickelt sich in Kanzleien zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Eine Studie mit 31 Großkanzleien zeigt: Fast die Hälfte nutzt KI bereits erfolgreich in der Mandatsakquise. Zudem ermöglicht die Technologie Festpreismodelle, die zuvor kaum kalkulierbar waren.

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Die Untersuchung des Branchenanalysten Ari Kaplan basiert auf operativen Daten von 31 Kanzleien aus 14 Märkten. Die Studie wurde im Auftrag der KI-Plattform Legora durchgeführt und liefert Einblicke in die kommerzielle Wirkung von KI im Anwaltsgeschäft.

42 Prozent der teilnehmenden Kanzleien geben an, dass der Verweis auf ihre KI-Nutzung ihnen geholfen habe, neue Mandate zu gewinnen. 45 Prozent berichten, dass sie damit bestehende Mandantenbeziehungen ausbauen konnten. Insgesamt haben rund drei Viertel der befragten Kanzleien ihre KI-Fähigkeiten bei Preis- und Leistungsgesprächen mit Interessenten oder Mandanten thematisiert.

Ein Treiber dieser Entwicklung sei die gestiegene Kapazität: 55 Prozent der Befragten geben an, KI ermögliche es ihnen, Aufträge anzunehmen, die sie zuvor ablehnen mussten – weil sie schwer zu kalkulieren oder personell zu besetzen gewesen wären.

Festpreise werden kalkulierbarer

Die Technologie verändert auch die Preisgestaltung. 39 Prozent der teilnehmenden Kanzleien sagen, dass KI es ihnen erleichtere, Festpreisvereinbarungen zu kalkulieren und abzuwickeln. Partner würden zunehmend Preise zusagen, die sie zuvor gescheut hätten – weil die Unsicherheit über den tatsächlichen Aufwand zu groß gewesen sei.

Ein wesentlicher Grund für diese gewachsene Zuversicht liege darin, dass Künstliche Intelligenz Probleme frühzeitig erkenne. 71 Prozent der Kanzleien berichten, dass die Technologie ihnen geholfen habe, Fehler oder Risiken in Mandaten zu identifizieren, die sie sonst übersehen hätten. 52 Prozent verzeichnen einen Rückgang bei Abschreibungen, Nacharbeiten oder nicht abrechenbaren Leistungen. 35 Prozent sehen weniger Preisabschläge aufgrund von Zeitüberschreitungen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der kommerzielle Effekt von KI weniger in der reinen Zeitersparnis liegt als in der Reduzierung von Unwägbarkeiten im gesamten Mandatsverlauf.

Kapazitäten werden umgeschichtet

68 Prozent der Kanzleien melden einen Rückgang nicht abrechenbarer Stunden, 74 Prozent geben an, in der gleichen Zeit mehr Arbeit bewältigen zu können. Die Kanzleien berichten von durchschnittlich 4,3 eingesparten nicht abrechenbaren Stunden pro Anwalt und Woche. Bei einem Team von 100 Anwältinnen und Anwälten entspreche dies einem potenziellen Mehrumsatz von 6,9 Millionen US-Dollar pro Jahr, so die Studie.

Die gewonnene Kapazität setzt mehr als die Hälfte der Kanzleien für Mandantenkommunikation und Reaktionsfähigkeit ein. Die Daten zeichnen das Bild eines Berufs, der zwei Phasen der KI-Einführung durchläuft: Zunächst die schnellere Abwicklung bestehender Arbeit – mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Nun folge eine grundlegendere Verschiebung: Stunden, die zuvor für weniger wertschöpfende oder nicht abrechenbare Tätigkeiten aufgewendet wurden, würden in analytische, strategische und mandantenorientierte Arbeit umgelenkt.

Die Ergebnisse aus der aktuellen Studie deuten auf Unterschiede bei der Messung des Mehrwerts von KI zwischen Kanzleien und Rechtsabteilungen hin: In einer Befragung im vergangenen Jahr hatte die US-amerikanische Association of Corporate Counsel herausgefunden, dass Rechtsabteilungen den Nutzen der Technologie bislang nur selten belegen können.

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