Northvolt durchläuft ein sogenanntes Chapter-11-Verfahren. Damit nimmt das Unternehmen die Möglichkeit wahr, seine Finanzen neu zu ordnen. Medienangaben zufolge hat das Unternehmen 5,8 Milliarden Dollar Schulden. Eine weitere Milliarde sei notwendig, um den Betrieb fortzusetzen.
Das US-Verfahren bietet Northvolt zwei Vorteile: Verträge, die das Unternehmen mit Kunden wie Volkswagen und Traton geschlossen hat, können nicht gekündigt werden. Und: Der liquide Markt für Finanzierungen in den USA, die aus Chapter-11-Verfahren stammen, soll eine Refinanzierung des Unternehmens erleichtern. Um ein solches Verfahren einzuleiten, reicht es aus, in den USA eine Niederlassung zu haben. Angemeldet wurde das Verfahren in Houston, Texas. Noch im ersten Quartal 2025 soll das Verfahren abgeschlossen sein.
VW kauft, BMW kündigt
Bereits bekannt ist, dass das Unternehmen 145 Millionen Dollar von seinen Kreditgebern und 100 Millionen Dollar von Scania bekommt, dem Hersteller von Lkw, der über Traton zu Volkswagen gehört. Scania hatte bis Ende Oktober kommuniziert, voll auf Northvolt-Zellen zu setzen. Ähnlich auch VW: 2021 hatte der Hersteller einen Liefervertrag über 14 Milliarden Dollar für die nächsten zehn Jahre mit Northvolt verhandelt. BMW wiederum hatte seinen 2 Milliarden Euro schweren Vertrag im Sommer gekündigt.
Größter Gesellschafter: Volkswagen
Vor allem Volkswagen ist auch über Lieferverträge hinaus von der Insolvenz betroffen. Mit 21 Prozent der Anteile ist der deutsche Hersteller größter Gesellschafter von Northvolt, gefolgt von Goldman Sachs. Weitere Anteilseigner sind Bailie Gifford mit 4,8 Prozent und BMW mit 2,8 Prozent. Ebenso betroffen sind das Land Niedersachsen und der Bund, der Northvolt in Deutschland für den Bau einer Batteriefabrik finanziell unterstützt. Mit insgesamt 600 Millionen Euro fördern Bund und Land den Bau in Heide, der vorerst weitergeht.
Berater Northvolt
Mannheimer Swartling (Stockholm): Fredrik Lundegårdh (Corporate/M&A)
Kirkland & Ellis (New York): Christopher Greco, Jack Luze (Chicago), Ciara Foster, Kon Asimacopoulos, Sean Lacey (beide London; alle Restrukturierung)
A&O Shearman (London)
Berater Volkswagen
Inhouse Recht (Braunschweig): Philip Haarmann (General Counsel), Tatiana Getmann (Head of M&A and Foreign Holdings)
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar (Corporate/M&A), Dr. Max Birke (beide Federführung), Jim Bromley (New York; beide Restrukturierung); Associates: Dr. Frederik Uller, Jannis Rink (beide Corporate/M&A)
Rochier (Stockholm): Markus Olsson (Corporate/M&A)
Berater VW-Aufsichtsrat
Gleiss Lutz (Stuttgart): Prof. Dr. Michael Arnold, Dr. Vera Rothenburg, Dr. Adrian Bingel (alle Corporate)
Berater Traton
Freshfields (Frankfurt): Rick van Aerssen, Sabrina Kulenkamp (beide Corporate/M&A)
Berater Goldman Sachs
Linklaters (Stockholm): Rasmus Kindlund (Corporate/M&A)
Weil Gotshal Manges (New York)
Hintergrund: Die meisten Berater sind aus dem Markt bekannt. Ausgehend von den schwedischen Kanzleien, die bereits seit einiger Zeit im Mandat sind, verschob sich der Beratungsschwerpunkt zuletzt auf die US-Praxen von Kirkland und Weil Gotshal.
Zur Beziehung zwischen Kirkland und Northvolt ist nichts bekannt. A&O Shearman ist mit einem Londoner Team, das von Frankfurt aus unterstützt wird, für den kriselnden Batteriehersteller mandatiert. Zu Jahresbeginn hatte die Kanzlei das Unternehmen zur 5-Milliarden-Dollar-Finanzierung einer Fabrik in Schweden beraten. Dass Weil Gotshal Goldman Sachs regelmäßig zu Deals berät, ist im Markt bekannt. Zuletzt nahm sie in London einen Inhouse-Counsel der Bank in ihre Reihen auf. Auch Linklaters, die mit einem schwedischen Team an der Seite von Northvolt steht, berät Goldman Sachs regelmäßig.
Nächstes transatlantisches Industriemandat für Sullivan
Für Volkswagen ist nach JUVE-Informationen bereits seit einiger Zeit ein Team von Sullivan & Cromwell um die Frankfurter Partner Berrar und Birke im Mandat. Sie beraten an der Seite des Inhouse-Teams um den General Counsel und die Leiterin der M&A-Abteilung Getmann. Auch Sullivan hat die Beratung zuletzt bis in die US-Praxis verlängert, unter anderem über Jim Bromley, den Co-Leiter der globalen Restrukturierungspraxis. Für Sullivan ist das Mandat von VW der nächste Schritt auf dem Weg einer wachsenden Vernetzung mit dem deutschen Industrieadel. Zuletzt hatte die US-Kanzlei Bosch bei ihrem größten Zukauf in den USA beraten.
VW-Tochter erneut mit Freshfields
Die Volkswagentochter Traton setzt wiederholt auf Freshfields, mit der sie beim Börsengang und auch in diversen Finanzierungsfragen zusammenarbeitet. Nach JUVE-Informationen führen die Partner van Aerssen und Kulenkamp das Mandat zu den bestehenden Lieferverträgen und zur weiteren Umstrukturierung der Northvolt-Finanzen.