In der Typologie der Transaktionen finden sich heute die unterschiedlichsten Varianten: Vom Deal, den jeder kennt, über den Deal im geheimen Kämmerchen, und sogar dem Deal, der keiner ist, bis hin zum Deal, den jeder will – über den allerdings auch keiner spricht. Na, sagen wir mal, jedenfalls nicht bevor die Tinte unter dem Vertrag getrocknet ist.
Die Wirtschaftspresse hingegen ließ es sich bisher nicht nehmen, ausgiebig über eine der wohl wichtigsten Transaktionen des Jahres zu berichten: Den ins Haus stehenden Kauf der ING BHF-Bank AG durch die Kölner Traditionsbank Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA. Durch die Übernahme entstünde die größte Privatbank Europas.
Nach Informationen der ‚Financial Times Deutschland’ sollen die Verträge mit der Verkäuferin, dem holländischen Finanzriesen ING Groep N.V., Anfang Dezember in Frankfurt unterzeichnet werden. Die wirtschaftliche Übernahme soll dann zum Januar 2005 erfolgen. Der Preis soll bei 600 Millionen Euro liegen.
Sal. Oppenheim will die BHF-Bank als eigenständige Beratungs-, Service- und Handelsbank fortführen mit den Schwerpunkten Asset Management, Privatkundengeschäft, Financial Markets und ausgewähltes Firmenkundengeschäft. Diese BHF-Teile sollen in eine eigene Aktiengesellschaft ausgegründet werden. Die Frankfurter Bank wird künftig als eigenständiges Institut und Marke auftreten.
Nicht Teil der Transaktion waren dagegen die Deutsche Hypothekenbank, der Londoner Bereich der ING BHF-Bank sowie Teile ihres Kredit- und Firmenkundengeschäfts, insbesondere das Kredit- und Firmenkundengeschäft der Abteilung Institutional Restructuring Unit.
„Der zu verkaufende Teil der BHF-Bank ist das Ergebnis eines komplexen Ausgliederungsprozesses“, erklärte dazu Linklaters-Partner Hans-Ulrich Wilsing, der die Transaktion auf Seiten der ING BHF-Bank begleitete. Und weiter: „Die Ausgliederung gleicht einer Organtransplantation, bei der beide Teile lebensfähig bleiben müssen.“ Anwälte bestätigten, dass die Herausforderung des Deals nicht so sehr in den Verhandlungen, sondern eher in der Komplexität der Transaktionsstruktur liegt.
Für die ING Groep wurde ein Freshfields-Team um die beiden Partner Dr. Wolfgang Hauser und Dr. Thomas Schmuck tätig. Die Beziehung hat Geschichte: Noch zu Bruckhaus Westrick-Zeiten beriet die Kanzlei ING beim öffentlichen Kaufangebot an die Aktionäre der BHF-Bank (JUVE 10/99).
Dass die Zielgesellschaft BHF von einer anderen Kanzlei begleitet wird, mag zunächst wenig verwundern. Insbesondere bei Übernahmen von AGen ist dies angesichts potenzieller Interessenskonflikte von Mutter- und Tochtergesellschaft durchaus nicht unüblich. Und so liegt es wohl auch hier: Laut ‚FTD’ waren im Sommer Verhandlungen der niederländischen Mutter mit der Commerzbank nicht zuletzt am Widerstand von Management und Belegschaft der BHF-Bank gescheitert. Wahrscheinlich schweigt man auch aus diesem Grund jetzt lieber, bis der Deal in absolut trockenen Tüchern ist. Sal. Oppenheim jedenfalls dürfte als neue Eigentümerin sehr viel willkommener sein.
Wie es der Zufall will, passt man auch in Bezug auf die Rechtsberater gut zusammen. Denn die Kölner setzen nicht nur mit Shearman & Sterling auf eine bewährte Konstellation, sondern finden mit Linklaters auch alte Bekannte auf der Seite des Übernahmekandidaten: Bereits 1999 beriet ein Oppenhoff & Rädler-Team das Bankhaus im Rahmen des milliardenschweren Verkaufs von e-plus (JUVE 11/99). (CA)