Meinung

Eine Rezession ist der Zeitpunkt, zu dem sich ein Rechtsmarkt erst wirklich ändert. So lange alle mehr als genug zu tun haben, kann jeder Erfolge feiern, und niemand sieht schlecht aus. Wenn es aber weniger Arbeit gibt, zeigt sich deutlicher, wer seine Mandantenverbindungen erfolgreich festigen kann. Außerdem warten viele Kanzleien im Abschwung zu lange ab und stutzen ihre Partnerschaft erst zurecht, wenn es bereits zu spät ist.Als Beispiel kann Großbritannien Anfang der 1990er Jahre dienen. Einen 'Magic Circle' gab es bis dahin nicht. An der Herausbildung dieses Kreises aus damals fünf Kanzleien hatten Entscheidungen, die einige Jahre vorher gefallen waren, aber auch Fehler der Wettbewerber ihren Anteil: Ashurst beispielsweise galt als führender Akteur im Markt, kam aber in den frühen 90er Jahren aus dem Tritt.

Leverage ade? In der Krise werden die Mandate komplizierter, berichten Partner. Die Mandanten wollten wieder häufiger, dass sich der Partner persönlich um ihren Fall kümmert. Als erfahrener, vielleicht schon ergrauter Kopf sei man jetzt wieder gefragter. Es stimmt: Wer schon ein paar Jahre im Anwaltsgeschäft ist, hat meist mehr Erfahrung - im Leben und in der Beratung. Und in Zeiten großer Verunsicherung, wechselnder Prognosen, wie lang die Krise dauert, wenn es - wie jetzt oft - um die Existenz des Unternehmens geht, möchte jeder einen Berater an seiner Seite haben, der Vertrauen weckt und Sicherheit ausstrahlt - auch gegenüber dem Vorstand.

Rezession bedeutet nicht, dass Anwälte bleiben, wo sie sind. Zwar hätte man vermuten können, dass manch einer vor dem Umstieg in eine andere Kanzlei lieber auf die Erholung des Marktes warten würde. Doch für Bewegung im Markt sorgen diejenigen Anwälte, die die unruhigen Zeiten für den Sprung in eine scheinbar bessere Position nutzen.Einige Sozietäten, die nicht mit einem internationalen Management belastet sind, investieren derzeit antizyklisch: Heuking Kühn Lüer Wojtek und Görg haben bereits Quereinsteiger vermeldet, Schwarz Kelwing Wicke Westpfahl und FPS Fritze Paul Seelig haben sich nach Jahren moderaten Wachstums zur Expansion per Mini-Merger entschlossen.

Nun hat mit Beiten Burkhardt auch eine deutsche Sozietät angesichts der Finanzkrise Sparmaßnahmen beschlossen. Wer ernsthaft vertrat, die Krise beträfe nur die london-zentrierten und auf Finanzierungen spezialisierten Kanzleien, kommt langsam in Argumentationsnöte. Denn auch hinter den Kulissen anderer Kanzleien rumort es hörbar.So wird der Ton bei der alljährlichen Gewinnverteilung in vielen Sozietäten scharf. In einer mittelgroßen deutschen Kanzlei werfen sich die Partner plötzlich vor, der jeweils andere habe wohl den Sozietätsvertrag missverstanden. Anwälte einer US-Kanzlei beklagen eine verdächtig geringe Auskunftsbereitschaft des internationalen Managements darüber, wie und wo Gelder angelegt worden sind. Und keineswegs nur bei Linklaters oder Allen & Overy müssen die Partner sich obendrein kritischen Blicken auf ihre Umsätze und Entnahmen stellen.

Das wird wehtun. Clifford Chance, Linklaters und nun auch Lovells haben Entlassungen in einem Umfang angekündigt, dass es einem den Atem verschlägt. Hunderte von Arbeitsplätzen fallen weg.

Kommentar 02/09

Zur Häme gibt es keinen Grund. Clifford Chance ist mit ihrer Kapitalerhöhung und geplanten Entlassungen in London zwar in die Schlagzeilen geraten, und hätte ihr Konjunkturprogramm natürlich lieber nicht so breit im Markt diskutiert gesehen. Mit Linklaters und Freshfields haben auch zwei weitere Marktgrößen öffentlich eingeräumt, was M&A-, Immobilien-, Finance- oder Private-Equity-Anwälte praktisch aller Kanzleien unter der Hand schon lange zugeben: 2009 wird sehr schwierig. Der weltweite Clifford-Chef David Childs bekannte zudem, was alle wissen: Die Gewinne werden am Ende des Geschäftsjahrs im April ein ganzes Stück geringer ausfallen als im vorangegangenen Boomjahr. Eines ist klar: Wenn in den Kanzleien die Gewinne sinken, stehen harte Entscheidungen an. Dabei ist die Kapitalerhöhung bei Clifford nicht Ausdruck einer akuten Finanzkrise. Die Partner stimmten schon vor Monaten darüber ab. Trotzdem belegt eine derartige vorsorgende Maßnahme, wie sehr Kanzleien auf gesunde Finanzen bedacht sein müssen, um sich weiter entwickeln zu können.

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Was heute als Luther Rechtsanwaltsgesellschaft firmiert, war einst fester Bestandteil von Arthur Andersen. Nach Ausgründung und Fusion wurde die Kanzlei erst mit Ernst & Young (EY) verheiratet, dann wieder zur Trennung gezwungen und als selbstständige Kanzlei in guter Freundschaft zu EY auf Distanz gehalten.Nun holt Luther einen Steuerrechtspartner, schließt sich dem Steuerrechtsnetzwerk Taxand an und wird zur multidisziplinären Kanzlei. So schließt sich der Kreis.

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Für einheimische Kanzleien geht es bei weitem nicht so steil aufwärts wie für ihre weltweit aktiven Wettbewerber. Wie die diesjährige JUVE 50-Untersuchung zeigt, sind von den zehn Kanzleien, die den Umsatz pro Berufsträger am stärksten steigern konnten, neun international.Doch eines bleibt festzuhalten. Bei den Umsatzrecherchen der letzten vier Jahre gab es drei deutsche Kanzleien, die immer wieder durch Produktivitätssteigerungen auffielen - ohne importierte, neuartige Management-Techniken, ohne regelmäßige Referrals, ohne Möglichkeit, auf New Yorker Preisniveau oder in Dollar abzurechnen: Nörr Stiefenhofer Lutz, Raupach & Wollert-Elmendorff (R&WE) und Graf von Westphalen (GvW).

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Buse Heberer Fromm war bislang nicht eben für radikale Managementveränderungen bekannt. Die überörtliche Sozietät war denzentral organisiert und bot Gegnern zentral geführter Kanzleien angenehme Nischen.Die typisch mittelständische Bastion ist nun gefallen, die tiefgreifenden Veränderungen erinnern entfernt an die Umstrukturierungen einiger Großkanzleien: Die GbR wird zur Partnerschaftsgesellschaft und teamorientierte Praxisgruppen sollen für mehr Synergien in einer echten Einheit sorgen. Als logische Konsequenz würde sogar die Trennung von zu eigenständig agierenden Partnern nahe liegen.

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Der Einstieg von Allen & Overy in den Düsseldorfer Markt wirkt bescheiden – ein Partner und voraussichtlich eine Handvoll Associates. Zwar hatte die Kanzlei bisher stets verlauten lassen, sie werde keinen neuen Standort mit Minimalbesetzung eröffnen. Nach den Startschwierigkeiten der letzten Jahre war Allen & Overy dennoch gut beraten, die Gelegenheit zu nutzen – auch als Basis für einen weiteren Ausbau.

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Heutzutage erregt der Weggang eines Freshfields-Partners kein großes Aufsehen. Schließlich verkündet die Kanzlei dergleichen praktisch im Monatstakt. Anders liegt der Fall bei Christian Gehlings Wechsel aus dem Düsseldorfer Büro zu Broich Bezzenberger nach Frankfurt. Bemerkenswert ist es schon, dass das vormalige Bruckhaus Corporate-Kraftwerk Düsseldorf inzwischen auf vier echte Rainmaker zusammengeschrumpft ist – ein Vergleich mit dem örtlichen Hengeler-Büro ist eher ernüchternd.