Schadenersatz

Ex-CEO wehrt mit Prochaska Ansprüche der OMV ab

Dem früheren OMV-Chef Rainer Seele droht keine Schadenersatzklage aus seiner Tätigkeit bei dem Energieriesen. Der Aufsichtsrat sieht dafür keine Grundlage, nachdem der Bericht zu einer internen Untersuchung vorliegt.

Teilen Sie unseren Beitrag
Der frühere Vorstandsvorsitzende der OMV Rainer Seele (li.) und Gazprom-Chef Alexej Miller bei einer Vertragsunterzeichnung im Oktober 2018 in St. Petersburg. Foto: Alexei Nikolsky / picture alliance / dpa

Allerdings spricht der Konzern in einer Pressemitteilung davon, dass der Bericht einen „nachlässigen Umgang des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden in der Auslegung der strengen Compliance- und Verhaltensregeln“ zeige. Dagegen wird sich Seele wehren, so die Auskunft seines Anwalts Dr. Stefan Prochaska.

Die Sonderprüfung durch Gleiss Lutz nahm drei Angelegenheiten in den Blick: den Abschluss einer Nebenvereinbarung mit dem ehemaligen Compliance-Verantwortlichen Dr. Robert Eichler, einen Sponsoringvertrag mit dem Fußballverein Zenit St. Petersburg und die im Juni 2018 verlängerten Gaslieferverträge mit Gazprom; sie sehen Lieferungen bis 2040 vor.

Entlastung bislang versagt

In die Kritik geriet Seele im Zug des Ukraine-Kriegs und ausbleibender russischer Gaslieferungen. Die OMV-Aktionäre, darunter die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG), votierten in der Hauptversammlung 2022 zu 71 Prozent dafür, den früheren CEO für das Geschäftsjahr 2021 nicht zu entlasten. Nach Abschluss der Untersuchung hat der Aufsichtsrat nun angekündigt, der kommenden Hauptversammlung auch eine Entlastung Seeles vorzuschlagen.

Stefan Prochaska

Seele war von Juli 2015 bis Ende August 2021 Vorstandsvorsitzender der OMV, bei der die Republik über die ÖBAG mit 35,1 Prozent der größte Einzelaktionär ist. Seit September 2021 hat Alfred Stern das Amt inne.

Berater Rainer Seele
PHH Rechtsanwälte (Wien): Dr. Stefan Prochaska, Daniela Olbrich; Associate: Nicole Bochnicek (Rechtsanwaltsanwärterin; alle Konfliktlösung)

Eike Bicker

Berater OMV-Aufsichtsrat
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Eike Bicker, Dr. Marcus Reischl (beide Federführung; beide Compliance & Investigations), Steffen Carl (Gesellschaftsrecht; München); Associates: Dr. Christoph Ehrke, Marina von Eicke, Dr. Moritz Stilz (Stuttgart; alle Compliance & Investigations)
Held Berdnik Astner (Wien): Dr. Johannes Zink, Dr. Philipp Spatz; Associate: Michael Steiner (alle Compliance)
Inhouse Recht (Wien): Dr. Ulrich Tauböck (Senior Vice President, Internal Audit und Compliance)

Hintergrund: Der OMV-Aufsichtsrat entschied sich für die Sonderprüfung und die interne Untersuchung für Gleiss Lutz. Die Kanzlei hatte sich neben anderen Einheiten für das Mandat beworben. Sie war bereits früher in anderen Angelegenheiten für den österreichischen Energiekonzern tätig, darunter im Kartellrecht in Deutschland.

Johannes Zink

Zink war vor allem für die rechtliche Bewertung der Ergebnisse zuständig, zu denen das Team von Gleiss Lutz gelangte. Der hba-Partner hat Erfahrung mit internen Untersuchungen und deren Einordnung. So war er für das Wiener Verteidigungsministerium im Zug der ‚Task Force Eurofighter‘ tätig, die 2016/17 die verfehlte Beschaffung der Kampfflugzeuge unter die Lupe nahm.

Aufseiten der OMV war die Sonderprüfung beim Aufsichtsratsvorsitzenden Mark Garrett und bei Tauböck als Inhouse-Jurist angesiedelt. Letzterer trat die Nachfolge von Eichler an, der den Konzern Ende 2021 verließ.

Den früheren OMV-Chef Rainer Seele vertritt in der Auseinandersetzung ein Team um Prochaska, der regelmäßig für Unternehmen wie Einzelpersonen in zivilrechtlichen Auseinandersetzungen tätig ist. Derzeit ist der erfahrene Streitanwalt noch bei PHH, doch die wirtschaftliche Einigung für eine Trennung von seiner früheren Kanzlei steht. Der Vollzug ist für den Herbst vorgesehen.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Österreich Verfahren Datenschutz

Österreichische Post wehrt sich mit Schönherr und PHH gegen neue Millionen-Strafe

Österreich Verfahren Eurofighter

Airbus wehrt sich mit Freshfields und Wolf Theiss gegen Betrugsvorwürfe

Deals Neuer Käufer

Orlen sichert sich mit Heuking OMV-Tankstellennetz