Volkswagen werde 2,6 Milliarden Dollar (umgerechnet 2,3 Milliarden Euro) in Argo AI investieren, teilten die Unternehmen mit. Der Betrag ergibt sich aus einer Milliarde Dollar an Finanzmitteln und der Sparte AID für autonomes Fahren, die VW einbringt. Diese hat 200 Mitarbeiter und wird mit 1,6 Milliarden bewertet. Der bisherige AID-Sitz in München soll künftig als Europazentrale von Argo AI dienen.
Ford und VW werden durch den Deal, bei dem Argo AI insgesamt mit sieben Milliarden Dollar bewertet wird, in Zukunft gemeinsam und zu gleichen Teilen eine deutliche Mehrheit an der Tochter halten. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird VW zudem Ford laut Mitteilung weitere Argo-Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar abkaufen. Auch die Amerikaner versprechen, weiter kräftig zu investieren.
Wie bereits seit Monaten vermutet wurde, hat Ford es bei der Kooperation insbesondere auf den VW-Elektroautobaukasten MEB abgesehen. Der kriselnden Europatochter von Ford fehlt ein solches System bisher. Angesichts verschärfter CO2-Abgasregeln in der Europäischen Union von 2021 an könnten daher Strafzahlungen drohen.
Nun steht fest: Ford wird der erste Autokonzern, der Volkswagens MEB-Plattform mit nutzt und will darüber innerhalb von sechs Jahren insgesamt mehr als 600.000 Wagen für den europäischen Markt produzieren. VW selbst werde den Baukasten in den nächsten zehn Jahren für 15 Millionen Autos nutzen. Ford fährt in Sachen E-Autos aber mehrgleisig und ist auch am Tesla-Rivalen Rivian beteiligt.
VW und Ford hatten bereits im Januar beschlossen, bei leichten Nutzfahrzeugen zu kooperieren und über eine erweiterte Partnerschaft verhandelt. Denn die Entwicklung von Elektroautos und entsprechenden Plattformen ist teuer: VW hat nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als 6 Milliarden Euro in den MEB investiert. Dass große Autokonzerne gemeinsame Sache machen, ist angesichts hoher Kosten, Regulierungsdruck, magerer Gewinnspannen und schwieriger Marktumstände keine Seltenheit mehr. Zuletzt hatten sich sogar die Erzrivalen Daimler und BMW bei Roboterautos verbündet, um die Technik für autonomes Fahren kostenschonender voranzutreiben.
Berater Volkswagen
Inhouse Recht (Wolfsburg): Dr. Sebastian Pläster (Federführung), Dr. Eike Bleckwenn (beide Corporate/M&A), Nils Lemberg (Kartellrecht), Carmen Bethge, Dr. Jan-Philipp Günther (beide IP/IT), Dr. Tobias Steiner, Dr. Pit Boye (beide Patentrecht), Sascha Ohly (Steuerrecht)
Sidley Austin: Martin Wellington (Palo Alto), Kolja von Bismarck (beide Federführung), Bjorn Holland (beide München), Lauren Gallagher (Arbeitsrecht), Suresh Advan (beide Chicago), Roderic Pagel (München; beide Steuerrecht); Associates: Ian Helmuth, Jason Nichol, Leigh Rorick (alle Chicago), Thomas Komanek, Jenny Geng, Katalin Siklosi (alle München; alle Corporate/M&A), Karim Pirani (Arbeitsrecht), Andrei Pinchuk (Steuerrecht; beide Chicago)
Freshfields Bruckhaus Deringer: Menachem Kaplan (New York), Dr. Bertram Burtscher (Wien; beide IP/IT), Dr. Martin Klusmann (Kartellrecht; Düsseldorf), Aimen Mir (CFIUS; Washington); Associates: Marissa Yu (IP/IT; New York), Dr. Timo Angerbauer (Düsseldorf), Dr. Mariusz Motyka-Mojkowski, Miriam Geiß, Dr. Ilka Mauelshagen (alle Kartellrecht; alle Berlin)
Addleshaw Goddard: Fiona Gosh (Commercial; London), Paul Dight (Regulierung); Associate: Ellen Beardsworth (Commercial; beide Leeds; alle zur Elektroauto-Allianz)
Berater Ford
Inhouse Recht (Dearborn): Diale Taliaferro (General Counsel and Secretary; Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Hogan Lovells: Kevin Clayton (Corporate/M&A), Audrey Reed (IP/IT; beide Washington), Dr. Urszula Nartowska (Corporate/M&A), Christian Stoll (IP; beide Hamburg), Dr. Tim Joppich (Arbeitsrecht), Dr. Martin Sura (Kartellrecht), Dr. Mathias Schönhaus (Steuerrecht); Associate: Sebastian Faust (Kartellrecht; alle Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt
Schiff Hardin (Ann Arbor): Suzanne Wahl (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Berater Argo AI
Inhouse Recht (Dearborn): Kate Kozlowski (VP General Counsel and Secretary; Corporate/M&A), Jason Rogers (IP/IT) – aus dem Markt bekannt
Berater AID
Inhouse Recht (München): Dr. Volker Hartmann (General Counsel), Dr. Lennart Lutz, Nico Wägerle – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Der bei VW federführende Inhouse-Jurist Pläster kennt auch die Kanzleiseite gut: Vor seinem Wechsel in die Rechtsabteilung des Autobauers hatte er als Senior Associate im Hamburger Corporate-Team von Hogan Lovells gearbeitet.
Sidley-Partner von Bismarck hat VW bereits in anderen strategischen Fragen, vor allem mit Distressed-Bezug, beraten. Der Restrukturierungsspezialist hat gute Kontakte in die Automobilindustrie. So beriet er etwa schon 2009, damals noch als Partner bei Clifford Chance, die frühere Opel-Mutter General Motors bei den Rettungsaktionen für den Rüsselsheimer Autobauer. Später saß er beispielsweise auch im Aufsichtsrat von Opel. Von Bismarck wechselte noch 2009 als Partner zu Linklaters, 2017 ging er zeitgleich mit einem Team von Kirkland & Ellis in das wiedereröffnete deutsche Büro von Sidley.
Freshfields, die nun den IP- und kartellrechtlichen Part übernahmen, ist oft an der Seite von VW zu sehen, die Kanzlei koordiniert etwa auch weltweit (außer in den USA) die Abwehr der Kundenklagen im Dieselskandal. Die Freshfields-Kartellrechtler berieten nach JUVE-Informationen auch, als VW und Ford im Januar ihre Kooperation im Bereich leichte Nutzfahrzeuge starteten. An der Seite des Volkswagen-Aufsichtsrates stand damals ein Gleiss Lutz-Team um die beiden Partner Dr. Adrian Bingel und Dr. Patrick Mossler.
Aus dem Markt ist zudem bekannt, dass Dr. Benedikt Wolfers und Dr. Kai-Uwe Opper aus dem Berliner Büro von Posser Spieth Wolfers & Partners die VW-Gruppe (insbesondere Audi) zu den regulierungsrechtlichen Fragen des automatisierten und autonomen Fahrens beraten.
Dass die US-Büros von Hogan Lovells in verschiedenen Rechtsgebieten eine enge Mandatsbeziehung zu Ford unterhalten, ist bekannt. Mit der Corporate-Spezialistin Nartowska dürften die beiden federführenden Partner Clayton und Reed nun aber erstmals zusammengearbeitet haben: Die Hamburger Partnerin war erst im Januar von Gleiss Lutz gekommen. Zudem verfügt auch die deutsche Patentpraxis über Kontakte zur deutschen Tochtergesellschaft und auch die Bank- und Finanzrechtler sind in der Vergangenheit bereits für die Unternehmenstochter Ford Bank tätig geworden.