Siemens-Juristin übernimmt

Schiedsorganisation DIS findet nach langen Querelen neue Generalsekretärin

Die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) hat nach einem schwierigen Jahr die renommierte Siemens Energy-Juristin Dr. Ramona Schardt als Generalsekretärin gewonnen. Der Posten ist seit einem halben Jahr vakant, weil sich Schardts Vorgängerin Dr. Francesca Mazza mit dem Vorstand der Institution überworfen hatte. Schardt tritt das Amt zum Januar an.

Teilen Sie unseren Beitrag

Die 49-Jährige begann ihre Karriere 2003 bei Freshfields Bruckhaus Deringer. 2009 wechselte sie in die Prozessabteilung von Siemens, von 2019 an leitete sie bei Siemens Energy als Division Litigation Counsel die Bereiche internationale Schieds- und Gerichtsverfahren sowie außergerichtliche Streitigkeiten.

Inhouse-Blick auf Schiedsgerichte

Ramona Schardt

Mit Blick auf ihren neuen Arbeitgeber sagt Schardt, das Potenzial der Schiedsgerichtsbarkeit als Ergänzung zu staatlichen Gerichten sei noch nicht ausgeschöpft. „Es gibt viel Raum für die DIS, noch weiter zu wachsen.“ 

Professor Dr. Stefan Kröll, Vorstandsvorsitzender der DIS, betont Schardts gute Vernetzung in der Schiedsszene: „Sie kennt sowohl die Nutzer- und Unternehmensperspektive als auch die Anwaltssicht. Die DIS ist die einzige Schiedsinstitution, die zukünftig von einer bisherigen Unternehmensjuristin geleitet wird.“

Erfahrungen mit der Institution DIS sammelte Schardt auch als Mitglied des Redaktionsausschusses, der vor einigen Jahren die Schiedsgerichtsordnung in einem aufwendigen Prozess reformierte – unter anderem, um die DIS im Wettbewerb mit konkurrierenden Schiedsorganisationen zu stärken. 

Schardts Vorgängerin stand für Internationalisierung

Für diesen Reformprozess stand maßgeblich Schardts Vorgängerin Francesca Mazza. Sie war 2012 eigens von der größeren und weltweit bedeutenderen Schiedsorganisation ICC geholt worden, um die grundsolide, aber in den Augen vieler etwas provinzielle deutsche DIS auf internationales Format zu bringen. Die Reform der Schiedsordnung, 2018 in Kraft getreten, gilt als Erfolg und brachte Mazza viel Anerkennung. 

Francesca Mazza

Spätestens Anfang 2022 aber begann es deutlich vernehmbar zu rumoren in der DIS. Im Februar wählten mehr als 200 Mitglieder in der bisher größten Versammlung der Vereinsgeschichte einen neuen 13-köpfigen Vorstand – coronabedingt mit zweijähriger Verspätung. Vorsitzender wurde der international renommierte Schiedsrichter Prof. Dr. Stefan Kröll, der auch an der Bucerius Law School lehrt.

Während der Vorstand aus Ehrenamtlichen besteht, ist die Generalsekretärin eine leitende Angestellte. Sie übernimmt bei der DIS Geschäftsführungsaufgaben und hat mit ihrem etwa 20-köpfigen Team auch zahlreiche administrative Funktionen in den einzelnen Schiedsverfahren.

Kritik an Corona-Management und Gehalt

Auch das Corona-Management gehörte zu den Aufgaben des administrativen Stabs – und hier waren nicht alle zufrieden: Im Vergleich zu anderen Schiedsorganisationen sei die DIS völlig von der Bildfläche verschwunden, sagt ein Mitglied des alten Vorstandes. „Die DIS war praktisch tot in der Pandemie.“ Der neue Vorstand betonte beim Amtsantritt, er wolle mehr Tagungen und Konferenzen auf die Beine stellen.

Das Corona-Management der Institution unter Mazza wurde von vielen Schiedsrechtlern kritisiert, allerdings wird im DIS-Umfeld betont, dass dies nicht ausschlaggebend für die Trennung gewesen sei. Hinzu kam etwa, dass Mazza, auch im Vergleich mit Angestellten anderer Schiedsorganisationen, über Jahre extrem gut bezahlt wurde. „Die Mitglieder des neuen Vorstands sind fast vom Stuhl gefallen, als diese Summen ans Licht kamen“, sagt ein DIS-Mitglied. Schnell hatten sich Vorstand und Generalsekretärin völlig überworfen, berichten zahlreiche Schiedsrechtler.

Die Trennung wurde auch in dramatisch klingenden Mitgliederrundschreiben vollzogen, der DIS-Ehrenvorsitzende Karl-Heinz Böckstiegel (86) sprang als Interims-Generalsekretär ein. Im Juni hielt Mazza eine Teilnehmenden zufolge sehr emotionale Abschiedsrede bei einer zentralen DIS-Tagung. 

Die DIS bestätigt die Trennung zum April, will sich auf Anfrage aber nicht zu den Hintergründen äußern.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Markt und Management Stabwechsel bei der DIS

Künftige Generalsekretärin kommt von der ICC

Markt und Management Kröll übernimmt Vorsitz

DIS wählt mit zwei Jahren Corona-Verspätung neuen Vorstand