Meinung

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Partneretagen verlässt nur, wer entweder dazu gezwungen wird oder für sich beschließt, ein erfülltes Familienleben über die Anforderungen des Partnerdaseins zu stellen. Mit dieser Überzeugung fühlen sich Spitzenkanzleien ganz behaglich. Als Andreas Merkner und Marco Sustmann ihre vielversprechende Karriere bei Shearman & Sterling aufgaben und zur Düsseldorfer Boutique Glade Michel Wirtz wechselten, machten es sich einige Kollegen dann auch recht einfach: Der Entschluss sei nur verständlich, hieß es. Shearman stelle einfach zu hohe Anforderungen an junge Partner und für Anwälte mit jungen Familien sei der Ausstieg ein logischer Schritt.

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Einige Anwälte sind von der Diversity-Debatte jetzt schon genervt: Wird den Kanzleien nun die nächste angebliche Errungenschaft aus den USA aufgedrängt?

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Vergleich geplatzt, Befangenheitsantrag gescheitert, Mandat niedergelegt: Das Verhalten von Sernetz Schäfer scheint sich aus den jüngsten Entwicklungen im Streit zwischen den Kirch-Erben und der Deutschen Bank ableiten zu lassen. Doch bei näherem Hinschauen wird deutlich, dass es keinen Zusammenhang gibt. Die Entscheidung der Kanzlei hat nur mittelbar mit den Misserfolgen bei der Lösung des Konflikts zu tun. Sernetz zieht sich zurück, weil sie einen Widerspruch zwischen den beiden Beklagten Deutsche Bank und ihrem Ex-Chef Rolf Breuer sieht. Das ist richtig und auch zum jetzigen Zeitpunkt konsequent.

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Dürfen Anwälte gezielt nach Gesetzeslücken suchen? Ist eine aggressive Gesetzesauslegung im Auftrag des Mandanten geradezu anwaltliche Pflicht? Oder gibt es berufsethische Grenzen?

41-55-36. So viel Prozent ihres Jahresumsatzes erwirtschaften Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Linklaters jeweils in der Eurozone. Bei allen drei Kanzleien, die kürzlich ihre Umsatzzahlen präsentierten, haben sich die kontinentaleuropäischen Praxen beachtlich geschlagen. Wer wieviel im Plus oder im Minus liegt, ist in diesem Jahr wegen der stark unterschiedlichen Bewertungen des Euro und des britischen Pfunds besonders schwer zu ermitteln. Doch die Stärke der Euro-Praxen ist unübersehbar: Auch Clifford, die weltweit einen schmerzlichen Gewinneinbruch verzeichnen musste, hat in Deutschland weniger gelitten als in London.

Eine Rezession ist der Zeitpunkt, zu dem sich ein Rechtsmarkt erst wirklich ändert. So lange alle mehr als genug zu tun haben, kann jeder Erfolge feiern, und niemand sieht schlecht aus. Wenn es aber weniger Arbeit gibt, zeigt sich deutlicher, wer seine Mandantenverbindungen erfolgreich festigen kann. Außerdem warten viele Kanzleien im Abschwung zu lange ab und stutzen ihre Partnerschaft erst zurecht, wenn es bereits zu spät ist.Als Beispiel kann Großbritannien Anfang der 1990er Jahre dienen. Einen 'Magic Circle' gab es bis dahin nicht. An der Herausbildung dieses Kreises aus damals fünf Kanzleien hatten Entscheidungen, die einige Jahre vorher gefallen waren, aber auch Fehler der Wettbewerber ihren Anteil: Ashurst beispielsweise galt als führender Akteur im Markt, kam aber in den frühen 90er Jahren aus dem Tritt.

Leverage ade? In der Krise werden die Mandate komplizierter, berichten Partner. Die Mandanten wollten wieder häufiger, dass sich der Partner persönlich um ihren Fall kümmert. Als erfahrener, vielleicht schon ergrauter Kopf sei man jetzt wieder gefragter. Es stimmt: Wer schon ein paar Jahre im Anwaltsgeschäft ist, hat meist mehr Erfahrung - im Leben und in der Beratung. Und in Zeiten großer Verunsicherung, wechselnder Prognosen, wie lang die Krise dauert, wenn es - wie jetzt oft - um die Existenz des Unternehmens geht, möchte jeder einen Berater an seiner Seite haben, der Vertrauen weckt und Sicherheit ausstrahlt - auch gegenüber dem Vorstand.

Rezession bedeutet nicht, dass Anwälte bleiben, wo sie sind. Zwar hätte man vermuten können, dass manch einer vor dem Umstieg in eine andere Kanzlei lieber auf die Erholung des Marktes warten würde. Doch für Bewegung im Markt sorgen diejenigen Anwälte, die die unruhigen Zeiten für den Sprung in eine scheinbar bessere Position nutzen.Einige Sozietäten, die nicht mit einem internationalen Management belastet sind, investieren derzeit antizyklisch: Heuking Kühn Lüer Wojtek und Görg haben bereits Quereinsteiger vermeldet, Schwarz Kelwing Wicke Westpfahl und FPS Fritze Paul Seelig haben sich nach Jahren moderaten Wachstums zur Expansion per Mini-Merger entschlossen.

Nun hat mit Beiten Burkhardt auch eine deutsche Sozietät angesichts der Finanzkrise Sparmaßnahmen beschlossen. Wer ernsthaft vertrat, die Krise beträfe nur die london-zentrierten und auf Finanzierungen spezialisierten Kanzleien, kommt langsam in Argumentationsnöte. Denn auch hinter den Kulissen anderer Kanzleien rumort es hörbar.So wird der Ton bei der alljährlichen Gewinnverteilung in vielen Sozietäten scharf. In einer mittelgroßen deutschen Kanzlei werfen sich die Partner plötzlich vor, der jeweils andere habe wohl den Sozietätsvertrag missverstanden. Anwälte einer US-Kanzlei beklagen eine verdächtig geringe Auskunftsbereitschaft des internationalen Managements darüber, wie und wo Gelder angelegt worden sind. Und keineswegs nur bei Linklaters oder Allen & Overy müssen die Partner sich obendrein kritischen Blicken auf ihre Umsätze und Entnahmen stellen.

Das wird wehtun. Clifford Chance, Linklaters und nun auch Lovells haben Entlassungen in einem Umfang angekündigt, dass es einem den Atem verschlägt. Hunderte von Arbeitsplätzen fallen weg.

Kommentar 02/09

Zur Häme gibt es keinen Grund. Clifford Chance ist mit ihrer Kapitalerhöhung und geplanten Entlassungen in London zwar in die Schlagzeilen geraten, und hätte ihr Konjunkturprogramm natürlich lieber nicht so breit im Markt diskutiert gesehen. Mit Linklaters und Freshfields haben auch zwei weitere Marktgrößen öffentlich eingeräumt, was M&A-, Immobilien-, Finance- oder Private-Equity-Anwälte praktisch aller Kanzleien unter der Hand schon lange zugeben: 2009 wird sehr schwierig. Der weltweite Clifford-Chef David Childs bekannte zudem, was alle wissen: Die Gewinne werden am Ende des Geschäftsjahrs im April ein ganzes Stück geringer ausfallen als im vorangegangenen Boomjahr. Eines ist klar: Wenn in den Kanzleien die Gewinne sinken, stehen harte Entscheidungen an. Dabei ist die Kapitalerhöhung bei Clifford nicht Ausdruck einer akuten Finanzkrise. Die Partner stimmten schon vor Monaten darüber ab. Trotzdem belegt eine derartige vorsorgende Maßnahme, wie sehr Kanzleien auf gesunde Finanzen bedacht sein müssen, um sich weiter entwickeln zu können.