Markt und Management

Der Großkanzlei den Rücken gekehrt

Robert Löhr (38), IT-Rechts-Partner aus dem Frankfurter Büro von Clifford Chance, wechselte zum Februar zur Mannheimer Boutique Wagner Rechtsanwälte. Löhr war zuvor über acht Jahre bei Clifford Chance im IT-Recht tätig gewesen. Unter anderem beriet er Unternehmen bei IT-Projekten und Outsourcingvorhaben. So war er zuletzt für EADS im Zusammenhang mit dem Herkules-Projekt der Bundeswehr tätig und beriet Sony beim Outsourcing an Software AG. Im Gegensatz zu diesen Großprojekten soll sein Fokus zukünftig auf Vorhaben mittlerer Größe liegen. Hier herrsche zum Teil noch erheblicher Beratungsbedarf, den große internationale Kanzleien kaum abdecken würden.

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Wer hätte das gedacht: Sehr gute Jura-Absolventen zieht es zu einem großen Teil in den Diplomatischen Dienst. Dies ergab der ‚Absolventenbarometer 2004’ des Berliner Trendence-Instituts für Personalmarketing und des Karrierenetzwerks E-Fellows.Net. Sie befragten 774 junge oder angehende Juristen, die mit einem Notendurchschnitt von 1,55 im Abitur und mehr als neun Punkten im ersten oder zweiten Staatsexamen zu den besten ihres Fachs zählen. 39,5 Prozent der juristischen Nachwuchselite wollen eine Karriere beim Auswärigen Amt einschlagen, 26,7 Prozent wünscht sich Freshfields Bruckhaus Deringer und 18,1 Prozent Hengeler Mueller als künftigen Arbeitgeber. Dahinter folgen McKinsey und BMW. Der Wunsch sich selbstständig zu machen ist bei den „High Potenials“ dagegen verschwindend gering: nur 0,9 Prozent hat dieses Ziel.Dabei kann dieser Weg, vorausgesetzt man hat die richtige Geschäftsidee, ganz verlockend sein: Eingeschlagen haben ihn Anwalt Sven Ries – nach eigenen Angaben früher unter anderem auch bei Clifford Chance tätig - und Diplom-Kaufmann Jan Pieper. Sie haben im letzten Jahr die ‚Anwaltliche Verrechnungsstelle AG’ gegründet. Mit diesem neuen Modell wollen sie Mandantenforderungen von Anwälten gegen eine Gebühr von fünf Prozent aufkaufen. Vorteil für den Advokaten: er bekommt sofort sein Geld und muss sich nicht vor Gericht mit säumigen Zahlern herumplagen. Noch ist die Innovation juristisch umstritten; das Bundesjustizministerium prüft gegenwärtig und scheint allerdings gewillt, das neue Modell aus Bergisch-Gladbach zu ermöglichen.

Als besonders attraktive Adresse scheinen die Clifford-Abgänger Görg zu empfinden: Zu der Kanzlei sind gleich zwei Partner gewechselt: Jan Lindner-Figura (42) und Dr. Wolfgang König (39). Lindner-Figura ist im Februar innerhalb von Berlin gewechselt. Der Clifford-Salary-Partner war 14 Jahre bei Clifford bzw. deren Vorgängerkanzlei Pünder, Volhard, Weber und Axter tätig. Er berät bundesweit im Bereich Projektentwicklung und hat in den letzten Jahren überwiegend bei bekannten Berliner Großprojekten mitgewirkt. Mit ihm gegangen ist Senior Associate Daniel Seibt (35), der fünf Jahre bei Clifford im Immobilienrecht tätig war.

Der Kapitalmarktrechtler Michael Leppert (41) ist in Frankfurt von Shearman & Sterling zu Simmons & Simmons gewechselt. Bereits Mitte Januar hatte sich außerdem der Asset-Finance- und Leasing-Spezialist Dr. Frank Thomas (38) als Counsel dem Simmons-Büro angeschlossen.„Die Finance-Praxis von Simmons & Simmons hat eine großartige Mandantenbasis und die Reputation der Kanzlei in Deutschland wächst stetig an“, sagte Michael Leppert, der seit 1999 Partner bei Shearman war. Nach Auskunft seiner neuen Kanzlei verfügt Leppert über viel Erfahrung in großvolumigen Transaktionen deutscher Gesellschaften und Investment-Banken. So beriet er im vergangenen Jahr unter anderem die Continental AG bei Begebung einer Wandelanleihe in Höhe von 400 Millionen Euro, sowie die Hypo Real Estate beim Gang an die Deutsche Börse. Ebenfalls 2004 betreute er die GPC Biotech AG bei ihrer Kapitalerhöhung und beim anschließenden Börsengang im deutschen und US-amerikanischen Recht.

Die mittelständische Kanzlei SNP Schlawien Naab hat zum Jahreswechsel zwei Quereinsteiger gewonnen: In Düsseldorf wurde mit Dr. Heribert Kleinherne (49) der zweite Partner am Rhein ernannt, in Frankfurt kam mit Uwe Klein (51) ein Syndikusanwalt zu SNP.Kleinherne war zuletzt freiberuflich als Rechtsanwalt tätig. Frühere Karrierestationen umfassten außerdem die Geschäftsführung eines Industrieanlagenbauunternehmens und die Mitarbeit bei der WP-Gesellschaft Treuhand-Vereinigung AG (heute PwC). Der neue Düsseldorfer Partner soll sich vor allem dem Bereich der Nachfolgeplanung in mittelständischen Unternehmen annehmen.

EY Law Luther Menold hat ihre Frankfurter Finance-Praxis durch einen Seiteneinsteiger weiter ausgebaut: Seit Anfang des Jahres ist dort der bisherige Inhouse-Jurist Dr. Thomas Wölwer tätig.Wölwer, der seit 1999 in verschiedenen Positionen bei Dresdner Kleinwort Wasserstein und der Dresdner Bank beschäftigt war, bringt für EY Law unter anderem Erfahrung aus ABS-Transaktionen mit, die über das so genannte Silver Tower Conduit - die Verbriefungs-Plattform der Dresdner Bank - abgewickelt wurden. Zudem war der Jurist zuletzt im Bereich Credit Derivatives & Securitisation/CDOs in London tätig.

Rödl & Partner hat im Januar mit zwei italienischen Quereinsteigern eine Niederlassung in Padua eröffnet. Geleitet wird der Standort von dem Gesellschaftsrechtler Eugenio Bettella (34), der zuvor sieben Jahre bei Clifford Chance in Padua tätig war, sowie Alex Bellini. Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer kommt aus der Steuerrechtskanzlei Camozzi & Bonissoni und beschäftigte sich überwiegend mit der steuerlichen Gestaltung von Umstrukturierungen und internationalen Transaktionen.

Fried Frank Harris Shriver & Jacobson hat ihren Expansionskurs in Europa fortgesetzt. Für ihr Pariser Büro gewann sie ein achtköpfiges Corporate-Team von Veil Jourde La Garanderie. Darüber hinaus betonte die US-Kanzlei die Bedeutung der europäischen Praxis insgesamt: Der Londoner Partner Justin Spendlove (49) wurde neuer Managing Partner der Gesamtkanzlei, ein neuer Ausschuss nimmt sich zudem des paneuropäischen Wachstums an. In Paris kamen Anfang Februar von Veil Jourde der M&A-Spezialist Patrick Jaïs (45) und die Partner Barbara Levy (39) und François Hellot (35) sowie fünf Associates.

Jan Becher (37), bisher Junior Partner im Berliner Büro von Busse & Miessen, ist im Januar zu Cobbetts nach Birmingham gewechselt. Der 37-Jährige ist der erste deutsche Partner.Mit dem Neuzugang verfügt Cobbetts jetzt über drei doppelt qualifizierte Anwälte in ihrem German Desk. Auch Becher, der sich vor allem in Vertriebs- und Leasingthemen engagiert, ist Solicitor und Anwalt. Insgesamt gehören vier Partner sowie weitere vier deutsch sprechende englische Anwälte zu dem Team, darunter der ebenfalls zum Jahreswechsel eingetretene Michael Wekezer (30).

Die Hamburger Transportrechtsboutique BBL Rechtsanwälte hat sich mit zwei neuen Partnern verstärkt. Bereits zum Jahreswechsel kam Dr. Heiko Giermann (35) von Huth Dietrich Hahn zu BBL, zum Februar verstärkte außerdem Bernd Koch (34) von der Hamburger Transportrechtskanzlei Grimme das junge Team. Dr. Heiko Giermann war zuvor drei Jahre als angestellter Anwalt bei Huth Dietrich Hahn tätig. Vorrangig betreute er Mandanten im Gesellschaftsrecht. Zuvor war er als Marineoffizier zur See gefahren und hatte im Schifffahrtsrecht promoviert.

Mitte Januar haben die 60 Partner der ehemals starken Private Equity- und Venture Capital-Kanzlei Testa Hurwitz & Thibeault ihre Auflösung beschlossen. Das in Boston ansässige Unternehmen wird sein Geschäft innerhalb von 60 Tagen abschließen. Fusionsgespräche waren zuvor offenbar gescheitert. Nach der Gründung 1973 hatte Testa Hurwitz insbesondere in der Technologie- und Venture Capital-Sparte durch die Zusammenarbeit mit Goerges Doriots Venture Capital-Unternehmen American Research & Development für Aufmerksamkeit gesorgt. Schon im Jahr 2001 waren die Umsätze bei Testa Hurwitz jedoch laut 'American Lawyer' deutlich abgerutscht. Nach dem plötzlichen Tod des Gründungspartners Richard Testa 2002 hatte sich rund ein Viertel der Partnerschaft entschieden, die Kanzlei zu verlassen. Anfang 2003 waren 34 Associates (neun Prozent) entlassen worden. Schließlich gingen im vergangenen Dezember weitere zehn Private Equity-Partner. Zuletzt arbeiteten 280 Anwälte in der Kanzlei.

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