Meinung

Kommentar

Was heute als Luther Rechtsanwaltsgesellschaft firmiert, war einst fester Bestandteil von Arthur Andersen. Nach Ausgründung und Fusion wurde die Kanzlei erst mit Ernst & Young (EY) verheiratet, dann wieder zur Trennung gezwungen und als selbstständige Kanzlei in guter Freundschaft zu EY auf Distanz gehalten.Nun holt Luther einen Steuerrechtspartner, schließt sich dem Steuerrechtsnetzwerk Taxand an und wird zur multidisziplinären Kanzlei. So schließt sich der Kreis.

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Für einheimische Kanzleien geht es bei weitem nicht so steil aufwärts wie für ihre weltweit aktiven Wettbewerber. Wie die diesjährige JUVE 50-Untersuchung zeigt, sind von den zehn Kanzleien, die den Umsatz pro Berufsträger am stärksten steigern konnten, neun international.Doch eines bleibt festzuhalten. Bei den Umsatzrecherchen der letzten vier Jahre gab es drei deutsche Kanzleien, die immer wieder durch Produktivitätssteigerungen auffielen - ohne importierte, neuartige Management-Techniken, ohne regelmäßige Referrals, ohne Möglichkeit, auf New Yorker Preisniveau oder in Dollar abzurechnen: Nörr Stiefenhofer Lutz, Raupach & Wollert-Elmendorff (R&WE) und Graf von Westphalen (GvW).

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Buse Heberer Fromm war bislang nicht eben für radikale Managementveränderungen bekannt. Die überörtliche Sozietät war denzentral organisiert und bot Gegnern zentral geführter Kanzleien angenehme Nischen.Die typisch mittelständische Bastion ist nun gefallen, die tiefgreifenden Veränderungen erinnern entfernt an die Umstrukturierungen einiger Großkanzleien: Die GbR wird zur Partnerschaftsgesellschaft und teamorientierte Praxisgruppen sollen für mehr Synergien in einer echten Einheit sorgen. Als logische Konsequenz würde sogar die Trennung von zu eigenständig agierenden Partnern nahe liegen.

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Der Einstieg von Allen & Overy in den Düsseldorfer Markt wirkt bescheiden – ein Partner und voraussichtlich eine Handvoll Associates. Zwar hatte die Kanzlei bisher stets verlauten lassen, sie werde keinen neuen Standort mit Minimalbesetzung eröffnen. Nach den Startschwierigkeiten der letzten Jahre war Allen & Overy dennoch gut beraten, die Gelegenheit zu nutzen – auch als Basis für einen weiteren Ausbau.

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Heutzutage erregt der Weggang eines Freshfields-Partners kein großes Aufsehen. Schließlich verkündet die Kanzlei dergleichen praktisch im Monatstakt. Anders liegt der Fall bei Christian Gehlings Wechsel aus dem Düsseldorfer Büro zu Broich Bezzenberger nach Frankfurt. Bemerkenswert ist es schon, dass das vormalige Bruckhaus Corporate-Kraftwerk Düsseldorf inzwischen auf vier echte Rainmaker zusammengeschrumpft ist – ein Vergleich mit dem örtlichen Hengeler-Büro ist eher ernüchternd.

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Es war ein langer und harter Weg, doch zu guter Letzt scheint Ashurst in Deutschland gut voranzukommen. Der Umsatz legte um beachtliche 44 Prozent zu. Mit dem Wechsel von Dr. Lutz Englisch von Siemens kam nicht nur einer der bekanntesten M&A-Unternehmensjuristen sondern auch der zwölfte neue Partner seit 2005.Als Ashurst Ende der 1990er Jahre ihr erstes deutsches Büro eröffnete, hatte die Kanzlei mehr als die meisten Wettbewerber allerdings unter hoher Fluktuation von Quereinsteigern zu leiden - wohl ein Ergebnis ungenügender Due Diligence und einem zu unflexibel von London aus gesteuertem Management.

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Erst köderte sich Howrey Ende 2006 Feldges Rechtsanwälte, nun angelte sich Allen & Overy Schilling & Grosch. Damit haben sich mit nur wenigen Monaten Abstand zwei internationale Großkanzleien die beiden kleinsten deutschen Patentprozessboutiquen einverleibt.Es war nicht das Geld, das die ansonsten so großkanzleiresistenten deutschen Patentrechtler in die internationalen Einheiten trieb. Es war auch nicht die Aussicht auf internationale Top-Mandate. Grund war die Sorge der renommierten Patentrechtler um die personelle Zukunft ihrer Kanzleien.

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Die stetig steigenden Associate-Gehälter sorgen in Partnerkreisen für gemischte Gefühle. Dass Berufsanfänger für ihre begrenzte Leistung so gut bezahlt werden, bringt Ressentiments mit sich. Dass die Kanzleien damit ein materialistischeres, weniger ganzheitliches Berufsbild fördern, nährt Schuldgefühle. Dazu kommt Resignation: Man fühlt sich den Marktströmungen ausgeliefert. Vielleicht sollte aber auch das Gefühl von Mitleid eine Rolle spielen. Denn die Anforderungen werden immer härter. Die Rechnung ist einfach: Kanzleiprofitabilität und Associate-Gehälter legen weiter zu. Müssen Associates nun mehr oder weniger arbeiten, um ihre immer aufwendigere Ausbildung zu amortisieren? Ende der 1990er Jahre entbrannte ein erbitterter Gehälterkrieg in den USA zwischen Kanzleien an der Ost- und der Westküste, doch mit der Bezahlung nahmen auch die Arbeits- und Honorarstunden der Associates zu.

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Neue Besen kehren gut, so sagt man, und auch von neu gewählten Seniorpartnern erwartet man, dass sie ihr Haus auf Vordermann bringen. Die erwartete Wahl des Corporate-Königs David Cheyne bei Linklaters macht da keine Ausnahme. Es ist allerdings ungewöhnlich, dass seine Krönung in London von einem Geraune begleitet wird, demzufolge es nun mit der Toleranz für unterdurchschnittliche Leistungen vorbei sei, nicht zuletzt im deutschen Corporate-Team. Man sollte nicht vergessen, dass die Linklaters-Praxis hierzulande immer noch gut positioniert ist, insbesondere bei grenzüberschreitenden M&A-Deals.

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Hans-Jörg Ziegenhain wechselt zu Hengeler Mueller, Jochen Winter zu Willkie Farr & Gallagher und jetzt geht der Londoner Private-Equity-Star Marco Compagnoni zu Weil Gotshal & Manges. 2006 hat für die europäischen Full-Service-Kanzleien schlecht angefangen. Und wieder einmal haben die transaktionsgetriebenen Sozietäten profitiert - abgesehen von Hengeler vor allem die Amerikaner.

KOMMENTAR

Es ist doch nur ein weiterer Partnerwechsel. Nur ein paar Dollar mehr. Nur eine weitere US-Kanzlei. Schließlich haben wir schon des öfteren miterlebt, wie US-Kanzleien bekannte Partner von führenden Kanzleien weglocken konnten: Etwa als Gerhard Schmidt von Beiten zu Weil Gotshal wechselte, Wolfgang Feuring von Freshfields zu Sullivan & Cromwell oder gar halb Schilling Zutt zu Shearman & Sterling.Jetzt verliert also Freshfields gleich drei ihrer wichtigsten Partner an Milbank. Verständlich, dass das Management versucht, die Weggänge herunterzuspielen. Nichts kann jedoch darüber hinwegtäuschen, dass viele der Equity Partner darüber besorgt sind, was das Ausscheiden von Nussbaum, Rieger und Füger für die Kanzlei bedeutet. Oder wie es ein Münchner Partner ausdrückt: „Es geht weniger darum, wo sie hingehen, als vielmehr darum, dass sie nicht bleiben wollten.“