Markt und Management

Am 18. Juni hat der Bundestag den Gesetzesentwurf zur Regelung der Anwalts-GmbH in zweiter und dritter Lesung gebilligt. Die Zustimmung des Bundesrates, der sich voraussichtlich am 10. Juli mit der Vorlage befassen wird, gilt im Bundesjustizministerium als sicher.Der zweite, im Februar vorgelegte Entwurf (siehe dazu den Artikel zur Anwalts-GmbH in JuVe Rechtsmarkt 2/98) wurde dabei bis auf einen Zusatz unverändert übernommen. Neu ist die Regelung, dass Gesellschafter einer Anwalts-GmbH nicht weisungsberechtigt gegenüber den Geschäftsführern sind.

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Wer geht, wer kommt, was bleibt? Aktuelle Personalien, die den Markt bewegen - im übersichtlichen Newsticker! Alle ansehen

Der Rhein Ruhr Markt wird durch die Öffnung eines Büros von Feddersen Laule Scherzberg & Ohle Hansen Ewerwahn in Düsseldorf am 15. August weiter konsolidiert.Das Büro, teilweise eingerichtet als Reaktion auf den Umzug von Mandanten aus dem Norden ins industriereiche Ruhrgebiet, wird durch die Übernahme von zwei Firmenanwälten von der Thyssen AG verstärkt.

Die Pünder Group

Am 30. Juni teilte die Pünder Group Veränderungen innerhalb der Organisation mit, die mit den beiden Schlagworten Konzentration und Integration beschrieben werden. Dabei steht Konzentration für die Verschlankung der Gruppe von fünf auf drei Mitglieder: Zukünftig gehören neben Pünder Volhard, Weber & Axster nur noch die Wiener Kanzlei Cerha, Hempel & Spiegelfeld und das französische Büro De Pardieu Brocas Maffei & Associes der Pünder Group an. Die Schweizer Stoffel & Partner und die belgische Kanzlei Copperns van Ommeslaghe & Faurès werden, laut einer Pressemitteilung „als Folge der strategischen Überprüfung nicht länger Mitglieder der Pünder Group sein“.Eine stärkere Integration soll es hinsichtlich der Kooperation der drei jetzigen Mitgliedskanzleien geben. „Die Einführung des Euro wird die regionalen Marktplätze stark prägen“, betont Peter Nägele, einer der beiden geschäftsführenden Partner von Pünder Volhard, Weber & Axster, und bezieht sich damit auf die zunehmend grenzüberschreitenden Aktivitäten der Mandanten. Damit wächst die Notwendigkeit einer international tätigen Kanzlei, ihren Mandanten Service aus einer Hand anbieten zu können. „Wir wollen für Mandanten in Europa und weltweit one stop shopping bieten“, beschreibt Nägele die Strategie: „Gemeinsames Ziel ist es im Bank- und Kapitalmarktsrecht sowie im M&A Geschäft eine der ersten Adressen in Europa zu werden.“

Gespräche zwischen der Insolvenzkanzlei Schultze & Braun und Coopers & Lybrand haben jetzt zu einem Anschluss der Kanzlei an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geführt. Seit dem 1. Juli ist Coopers damit die erste große deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die über eine eigene Einheit für Insolvenzrecht verfügt.„Das ist ein Paradigmenwechsel in Deutschland“, kommentiert der Seniorpartner der Kanzlei, Dr. Eberhard Braun, „die großen Wirtschaftsprüfer haben das in Deutschland bislang nicht gemacht. Im Ausland ist es dagegen längst üblich.“ Damit bezieht sich Braun unter anderem auf Großbritannien, wo Coopers bereits seit langem im Insolvenzgeschäft aktiv ist.

ILEU

Im Mai diesen Jahres entstand in Berlin die Gesellschaft International Lawyers in the European Union kurz ILEU. Zunächst möchte die Gesellschaft Kanzleinetzwerken innerhalb der EU auf die Sprünge helfen. In einem zweiten Schritt will man dann auch über die EU hinaus internationale Kanzleien für die Kooperation gewinnen. „Dabei geht es uns um das cross-border Geschäft“, wie der Hauptgesellschafter von ILEU, Dr. Wolfgang Bock, betont.Alle Mitgliedskanzleien werden mit Referenzlisten versorgt und nehmen dann selbst den Kontakt zu den Kollegen im Ausland auf. Entscheidungsträgern in der Wirtschaft sollen durch die Gesellschaft über die Netzwerke informiert werden.

Robert Wieder, der diesen Monat von Ross & Craig zu FFW wechselte, wird als verantwortlicher Partner die neu geschaffene Anglo-German Group leiten. Das von London aus operierende Kernteam besteht aus vier Anwälten und wird von weiteren vier Kollegen aus anderen practice groups unterstützt, die ebenfalls fließend deutsch sprechen.Ein Büro in Deutschland ist derzeit nicht geplant, vielmehr wird die Kanzlei mit einem Netz deutscher Kanzleien zusammenarbeiten. „Einen eigenen Standort in Deutschland zu eröffnen würde uns in Konkurrenz zu den deutschen Kanzleien setzen, mit denen wir zur Zeit zusammenarbeiten“, erklärt Wieder diese Entscheidung.

Die sechstgrößte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der Welt, Price Waterhouse, setzt ihren Expansionskurs im europäischen Rechtsmarkt fort und gründet eine eigene deutsche Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.Das Unternehmen wird geführt von Prof. Dr. Michael Veltins, dem ehemaligen Leiter des Leipziger Standorts von Wessing Berenberg-Gossler. Sein neues Frankfurter Büro hat am 1. Juni mit fünf Rechtsanwälten die Arbeit aufgenommen und wird sich schon in den nächsten Monaten auf acht Berufsträger vergrößern. Die bis zu diesem Zeitpunkt bestehende Price Waterhouse-Kanzlei Nehm & Co. mit ihren 18 Berufsträgern wird in der neuen Gesellschaft Price Waterhouse Veltins aufgehen.

Am 1 . Juli eröffnet die überörtliche Sozietät Beiten Burkhardt Mittl & Wegener ihr neues Büro in Düsseldorf. Nach längeren Überlegungen, durch Ausdehnung auf einen weiteren Standort weiter zu wachsen, gab der konkrete Wunsch von Mandanten den Ausschlag für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Neben den Standbeinen Gesellschaftsrecht, M&A und IPO, sowie Medien- und Telekommunikationsrecht wird ein wichtiger Schwerpunkt in dem von Beiten Burkhardt begrifflich geprägten Bereich der forensic services liegen, Dieser Sektor bietet in der sich immer stärker ausdifferenzierenden Palette anwaltlicher Dienstleistungen die investigative Zivilprozessvorbereitung und anschließende Prozessführung für Unternehmen, die durch Wirtschaftsstraftaten geschädigt wurden. Der Leiter des Düsseldorfer Büros, Dr. Helmut Görling, unterstreicht, dass es vorrangig darum gehe, zivilrechtliche Haftungsansprüche durchzusetzen: „Es ist üblich, die strafrechtliche Seite von Wirtschaftsdelikten anwaltlich zu vertreten, eine anwaltlich spezialisierte zivilrechtliche Betreuung blieb bisher nicht selten ausgeblendet. Wir kümmern uns hingegen darum, gerichtsverwertbare Beweise zu beschaffen, ohne die ein Schadensersatzprozess oft gar nicht angestrengt werden kann.“ Görling war als ausgebildeter Kriminalbeamter selbst lange Ermittler im hessischen LKA. Für seine jetzige Tätigkeit verfügt er damit über nicht zu überschätzende Kenntnisse und Informationen vor allem im Hinblick auf die vorgesehene enge Zusammenarbeit mit den staatlichen deutschen Ermittlungsbehörden. Auf internationaler Ebene besteht bereits eine enge Kooperation mit der Revisuisse Price Waterhouse AG in der Schweiz, deren Abteilung forensic investigations unter Leitung von Dr. Christof Müller jüngst von der Volcker-Kommission beauftragt worden war, die auf Schweizer Konten lagernden Vermögen jüdischer Holocaust-Opfer aufzuspüren. „Aber auch z.B. für Unternehmen, die durch Pflichtverletzungen von früheren Organmitgliedern auf einen Konkurs zugetrieben worden sind, besteht ein vitales Interesse daran, die veruntreuten Gelder zurückzuerhalten“, erläutert Görling weiter. „Wir übernehmen in Zusammenarbeit mit Price Waterhouse die Suche, Identifikation, Sicherstellung und Zurückführung dieser veruntreuten und international verschobenen Gelder.“ Meist ist die Geschäftsleitung der Schädiger, so auch bei den aktuellen Großmandanten, unter anderem einem rheinischen Traditionsunternehmen und zwei international tätigen Banken. Neben der Beschaffung der veruntreuten Gelder gilt es, gegen solche Schädiger vor allem Organhaftungsklagen durchzusetzen. Dass es sich bei dieser Spielart der organisierten Wirtschaftskriminalität um ein nur vorübergehendes „Mode-Phänomen“ handelt, steht – so scheint es – nicht zu hoffen: Görling bestätigt, dass die Fälle Balsam, Coop und Südmilch für eine „Wachstumsbranche“ stehen, in der traditionelle Hemmschwellen und Ehrbegriffe ihre Schutzfunktion verloren haben. Neben Beiten Burkhardt-Partner Dr. Uwe Hartmann, der vom Prager Büro nach Düsseldorf wechselt, dort aber weiterhin Ansprechpartner für deutsche Mandanten mit Kontakten in die Tschechische Republik bleiben will, gehört Dr. Stefan Weinheimer aus dem Münchner Büro zum neuen Team. Er betreut neben dem Medien- und Telekombereich schwerpunktmäßig Merchandising-Mandate aus der Fußballbundesliga. Mit weiterer Verstärkung durch jüngere Kollegen aus den eigenen Reihen und einigen Neueinstellungen sollen zunächst zehn Rechtsanwälte in Düsseldorf arbeiten.

Am 9. Juni hat Flick Gocke Schaumburg ihr seit knapp drei Monaten bestehendes Frankfurter Büro offiziell eröffnet. Die Ausdehnung auf die Mainmetropole erfolgt mit dem Ziel, von dort aus bestimmte Mandantengruppen besser betreuen zu können. Die Mandantschaft der Kanzlei ist über die gesamte Bundesrepublik verteilt und kommt darüber hinaus auch aus dem Ausland. Wir haben in Bonn keine Mandanten“, formuliert Prof. Dr. Detlev Jürgen Piltz, verantwortlicher Partner für das neue Frankfurter Büro, etwas überspitzt mit Hinblick auf diese besondere Mandatsstruktur der Kanzlei.Gerade für die Betreuung der ausländischen Mandanten bietet sich Frankfurt als Standort an. „Das inbound-Geschäft kann man nur von hier aus richtig bedienen“, erklärt Piltz. Das gleiche Argument örtlicher Nähe gilt seiner Ansicht nach auch für das Finanzgeschäft sowie für eine dritte Mandantengruppe der Kanzlei: „Wir wollen den süddeutschen Raum von Frankfurt aus betreuen, denn es gibt schlicht keine vernünftige Verkehrsverbindung von Bonn nach Stuttgart.“

Die erst am 1.1.98 gegründete Kanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff um den namhaften Steuerrechtler und ehemaligen Oppenhoff-Partner Prof. Dr. Arndt Raupach ist nach Büros in München und Düsseldorf zum 1. Juli auch in Hamburg vertreten.Schwerpunkte der Beratung bilden, entsprechend der Gesamtausrichtung der Kanzlei, Steuer- und Gesellschaftsrecht bei Unternehmenskauf, -nachfolge und -umstrukturierungen. Die Kernmannschaft des neuen Büros bilden unter der Leitung von Geschäftsführer Dietmar Völker mit Dr. Dirk Dirksen, Wolf-Dieter Rath und Mathias Mielke vier berufserfahrene Rechtsanwälte, die durch mehrere Neueinsteiger unterstützt werden. Dirksen und Rath bringen als of counsel ihre Kenntnis des Hamburger Marktes in das neue Büro ein, die sie jeweils langjähriger Syndikus-Tätigkeit bei der Deutschen Unilever Hamburg verdanken. Mielke ist bereits seit 1989 als Anwalt in Hamburg tätig, während Völker nach dem Studium in Hamburg 1994 seine Anwaltslaufbahn bei Rädler Raupach Bezzenberger begann.

Die Entscheidung der Londoner Kanzlei SJ Berwin & Co. und der in Frankfurt und Berlin ansässigen Boutique Knopf Tulloch & Partner, ihre Aktivitäten im private equity Bereich zusammenzulegen, wird in diesem ohnehin regen Markt (siehe JuVe-Rechtsmarkt April 1998) für Aufruhr sorgen.Die acht Partner zählende deutsche, multidisziplinäre Sozietät (drei Anwälte, zwei Wirtschaftsprüfer und drei Steuerberater) ist im private equity-Markt bekannt für ihre Arbeit in der Steuerstrukturierung von Fonds und Transaktionen. Jetzt will die Kanzlei ihre Marktposition nutzen, sich zu einer full service-Sozietät zu entwickeln. Knopf Tulloch hofft durch ihre Beziehung mit den Londonern (63 Partner und insgesamt über 200 Anwälte) schneller zusätzliches Personal – vor allem Rechtsanwälte rekrutieren zu können, um damit den erwarteten Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.