Mit einem einzigartigen Projekt geht jetzt auch die Juristische Fakultät der Universität Münster neue Wege in der Verbesserung der Juristenausbildung in Deutschland (siehe JuVe-Rechtsmarkt-Thema im März).Am Institut für internationales Wirtschaftsrecht wurde im März 1998 das Center for Transnational Law (CENTRAL) gegründet. Professor Dr. Klaus Peter Berger, Initiator und geschäftsführender Direktor des CENTRAL, umreißt den Grundgedanken des Projekts: „Die Praxisnähe der juristischen Ausbildung sollte verbessert werden. Es existierte bislang von keiner Seite ein schlüssiges Gesamtkonzept in dieser Hinsicht. Wir haben nun ein solches Gesamtkonzept inklusive einer durchkalkulierten Finanzierung durch Drittmittel vorgelegt.“ Im Hintergrund von CENTRAL steht ein Förderkreis von Praktikern aus der Anwaltschaft und der Industrie. Durch ihre Zuwendungen setzen die Förderer in Zeiten von Sparzwang und Uni-Misere ein Beispiel für kreative Gestaltungsmöglichkeiten auch der eigenen Zukunftsinteressen. Von der Praxis für die Praxis, lautet das Motto. Die Lücken und Schwächen der zweistufigen Juristenausbildung liegen für die Praktiker aus den Wirtschaftskanzleien und Unternehmen auf der Hand. In Professor Berger haben sie einen Partner gefunden, der, geprägt durch die eigene einstufige Ausbildung und sein Studium an einer US-amerikanischen law school, die Verbesserungswürdigkeit des deutschen Jurastudiums erkannt hat. Aus seiner Sicht fehlt für die deutschen Studenten „eben jene Verzahnung von Wissenschaft und Praxis. Das Ziel ist es, Synergieeffekte aus einer Vernetzung von Wissenschaft und Praxis zu schaffen.“ Zu den konkreten Vorhaben des neuen Zentrums zählen neben einer Internationalisierung und Aufstockung des Bibliotheksbestandes, ein Rhetorik-Workshop für Juristen, eine Sommerakademie zum internationalen Wirtschaftsrecht und Hilfen zur gezielter Vorbereitung auf ein Studium in den USA. Besonderes Augenmerk richtet das CENTRAL auf die Betreuung von Moot-Teams. Bereits jetzt verbuchen Berger und seine Münsteraner Studenten bei diesem „Spiel“, in dem vor Praktikern ein juristischer Fall nach international geltendem Recht verhandelt wird, einen großen Erfolg. Sie gewannen dieses Jahr drei von vier möglichen ersten Preisen des International Commercial Arbitration Moot. Unter 58 Universitäten aus 25 Nationen konnte das deutsche Team den Schiedsverfahrenswettbewerb im fiktiven Streit um den Kauf einer Ölbohrinsel vor Qatar für sich entscheiden. Kläger- und Beklagtenschriftsätze wurden in englischer Sprache verfasst, und auch sonst bemühte man sich um größtmögliche Authentizität. Die Teilnehmer traten in Kontakt zu dem Scheich, um die wirklichen Gegebenheiten vor Ort kennen zu lernen, gründeten eine virtuelle Wirtschaftskanzlei samt Briefkopf und Visitenkarten und mussten im April in Wien schließlich mündlich verhandeln. Die Studenten begrüßen ein solches Bindeglied zwischen Theorie und Praxis ausdrücklich. Der Erfolg spricht sich herum und spornt an. Wenn dann noch, wie vorgesehen, das CENTRAL auch die Funktion eines Career Center übernimmt, steht einem fruchtbaren Austausch zwischen Universität und Arbeitswelt nichts mehr im Wege. Den möglichen Vorwurf, das amerikanische System doch nicht einfach auf Deutschland übertragen zu können, kontert Berger gelassen. „Ich betone: Ich will das deutsche wissenschaftliche Ausbildungssystem nicht abschaffen oder trockenlegen, aber das bisher fehlende Wechselspiel von Theorie und Praxis muss hinzukommen. Eine Übertragung des amerikanischen Systems kann es nicht geben, aber was mir vorschwebt, ist the best of both worlds.“