Markt und Management

Zum Redaktionsschluß erreicht uns die Nachricht, daß die Sozietät Wessing & Berenberg-Gossler zum 01.01.1999 drei namhafte Kanzleien mittlerer Größe an mehreren wichtigen Standorten gewinnen konnte. Mit Aretz Schmalz Weber Böning (Frankfurt, 12 Anwälte), Curschmann Rechtsanwälte (Hamburg, 19) und der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Michel Müller vergrößert sich die Gesamtzahl der Berufsträger bei Wessing auf über 200 an sechs deutschen und drei ausländischen Standorten.

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Wer geht, wer kommt, was bleibt? Aktuelle Personalien, die den Markt bewegen - im übersichtlichen Newsticker! Alle ansehen

Auch weiterhin erlebt der Nürnberger Kanzleienmarkt einen Um- und Aufbruch. Jüngstes Beispiel sind die Anwälte Dr. Stefan Pürner, Martin Thüncher und Aribert Panzer, die das Nürnberger Stammbüro der großen multidisziplinären Sozietät Rödl & Partner verlassen und sich zur gemeinsamen Kanzlei zusammengetan haben. Den Schwerpunkt der Dienstleistung wird die international orientierte, wirtschaftsrechtliche Betreuung mittelständischer Unternehmen und Privatpersonen bilden.

Nachzutragen ist mit dem Start des Frankfurter Büros die vorläufig letzte Etappe des dynamischen Wachstumskurses, den Raupach & Wollert-Elmendorff im vergangenen Jahr verfolgt haben. Die Kanzlei ist damit seit ihrer Gründung zum 1.1.98 auf bereits etwa 30 Anwälte gewachsen und hat mit ihren inzwischen fünf Büros das selbst gestreckte vorläufige Ziel bundesweiter Präsenz an den wichtigsten Märkten erreicht.

Nun ist auch im bekanntesten Kanzleiverbund Deutschlands, der Advoselect EWIV, das Fusionsfieber ausgebrochen: Zum 1. Januar 1999 haben sich zunächst die Mitgliedskanzleien Schlawien Habel Helming (München) und Naab Skarnicel Schubert (Frankfurt) zusammengeschlossen und firmieren kündig als Namen Schlawien Naab Partnerschaft.Die zum Januar vereinten Kräfte umfassen nach Angaben von Dr. Oliver M. Habel, Partner in München, zunächst 33 Rechtsanwälte (13 Partner) und Büros außer an den Stammsitzen in Berlin und Leipzig. Die neue Sozietät steht ferner in enger Kooperation mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.

Das Thema lag förmlich in der Luft: Seit der Lockerung der standesrechtlichen Restriktionen denkt die Anwaltschaft intensiv über Möglichkeiten des gezielten Marketing als der notwendigen Voraussetzung für wirkungsvolle Werbung nach.„Erfolgreiches Marketing in der modernen Anwaltskanzlei“ war der Titel, unter dem der 2. Kölner Anwaltskongreß, eine Gemeinschaftsveranstaltung vom Verlag Dr. Otto Schmidt und dem Anwalt-Suchservice, dieses Thema Ende November letzten Jahres aufgriff.

Mit Bestürzung wurde am Markt die Nachricht vom Abbruch der weiteren Gespräche zwischen der niederländischen Sozietät Stibbe Simont Monahan Duhot und Gleiss Lutz Hootz Hirsch aufgenommen, nachdem deren Partnerversammlung sich nicht mit der nötigen Deutlichkeit für die Fusion entscheiden konnte. „Es gab zwar eine klare Mehrheit“, berichtet Dr. Bodo Riegger, Stuttgarter Partner bei Gleiss Lutz, „jedoch nicht die erforderlichen 85 %. Daraufhin haben wir die Verhandlungen abgebrochen.“

Die Spaltung von Schön Nolte Finkelnburg & Clemm sieht als lachenden Dritten die weiter dynamisch wachsende Sozietät Feddersen Laule Scherzberg & Ohle Hansen Ewerwahn. „Finkelnburg & Clemm haben auch mit einer Reihe anderer Kanzleien gesprochen, aber im Zusammengehen mit uns sah man die Chance, in Berlin den Bereich des privaten Baurechts und des Wirtschaftsrechts auszubauen“, erläutert Dr. Cornelius Fischer-Zernin, Feddersen-Partner in Hamburg, den Hintergrund der Fusionsentscheidung. Auf beiden Gebieten hat die Kanzlei mit Prof. Dr. Nils Clemm und Prof. Dr. Gerhard Laule hochangesehene Praktiker in ihren Reihen.

Die alljährliche Betriebsamkeit, mit der Kanzleien im Dezember Fusionen und Reorganisationen unter Dach und Fach bringen, erwies sich diesmal als besonders ertragreich: Zwei größere Sozietäten fusionierten, eine dritte leitete die substantielle Verstärkung ihrer Präsenz in der neuen Hauptstadt Berlin ein.Kurz vor Redaktionsschluß erreichte JUVE Rechtsmarkt die Meldung, daß die Hamburg-Berliner Sozietät Schön Nolte Finkelnburg & Clemm aufgelöst wird und der größere Hamburger Teil mit der bundesweit vertretenen Kanzlei Gaedertz Rechtsanwälte zusammengeht.

Durch ihren französischen Partner Jean-Gabriel Recq vertritt die Stuttgarter Kanzlei Diem & Partner derzeit die Straßburger Dependence eines international tätigen Reisebüros in einem kuriosen Fall. Das Unternehmen verwendete bis vor einiger Zeit Vertragsformulare in deutscher und englischer Sprache, die von französischen Behörden im Rahmen einer polizeilichen Hausdurchsuchung beschlagnahmt und als Ordnungswidrigkeit in 1789 Fällen geahndet wurden. Umstrittene Begründung: Der fremdsprachige Vertragstext verstoße gegen das Gesetz zur Reinhaltung der französischen Sprache.

Im weiteren Ausbau ihrer starken Osteuropa-Präsenz hat Nörr, Stiefenhofer & Lutz bereits zum 1. November letzten Jahres mit Bukarest das fünfte Büro in den östlichen Reformstaaten eröffnet. Unter Leitung des Münchner Partners Dr. Wolfram Theiss sind zunächst zwei deutsche Anwälte vor Ort tätig, Arbeitsschwerpunkte bilden vor allem die Investitionsbetreuung deutscher und ausländischer Mandanten bei Privatisierungen, Joint Ventures und M&A. Die bisherige Geschäftsentwicklung bezeichnete Theiss als bereits sehr erfreulich, unter anderem sei man in einem großen Mandat für einen deutschen Klienten aktiv.

Seit dem 1. November 1998 ist die besonders für ihre Praxis im Gesundheitswesen und im Luftverkehrsrecht bekannte Münchner Kanzlei Ehlers, Ehlers & Partner auch in Berlin mit einem Büro vertreten. Geleitet wird der dortige Standort von Dr. Brigitte Collatz, die sich nach ihrer Tätigkeit in der Pharmaindustrie vor einiger Zeit als Einzelanwältin niedergelassen hatte. Collatz war mit ihrer Nischenpraxis zunehmend im Bereich der EU-Zulassungen tätig und wird jetzt den bestehenden Schwerpunkt von Ehlers, Ehlers & Partner im Pharmarecht verstärken. „Gerade die Beratung international operierender pharmazeutischer Unternehmen wird durch die Expansion noch kundenorientierter,” heißt es aus dem Münchner Büro.