Dieselskandal

VW-Diesel

Sechs Wochen vor der Einführung von Musterklagen stehen die ersten Kläger bereits in den Startlöchern. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der ADAC wollen Schadensersatz im Namen von VW-Fahrern fordern, die vom Dieselskandal betroffen sind. Juristische Schützenhilfe erhalten die Verbände von zwei der rührigsten Klägerkanzleien, die eigens für Musterfeststellungsklagen eine Kooperation gegründet haben.

  Juve Plus Dieselgate

Das Landgericht Stuttgart hat heute in drei Verfahren die Anlegerklagen gegen die VW-Mutter Porsche diskutiert. In dem Prozess waren prominente Zeugen wie der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn geladen, die allerdings alle die Aussage verweigerten. Die Verfahren stocken auch, weil unklar ist, ob sie überhaupt weiter in Stuttgart verhandelt werden dürfen oder dem laufenden Musterverfahren gegen Volkswagen am Oberlandesgericht Braunschweig zugerechnet werden müssen. Das hatte am Montag begonnen.

  Juve Plus Auftakt zur Abrechung

9,5 Milliarden Euro – das ist auch für Volkswagen keine kleine Summe. Um diese Milliardenforderung geht es, wenn heute vor dem Oberlandesgericht Braunschweig ein Prozess von Aktionären gegen Volkswagen und Porsche startet. In dem Verfahren nach dem Gesetz über Musterverfahren in kapitalmarktrechtlichen Streitigkeiten (KapMuG) machen mehr als 2.000 Kläger, darunter viele institutionelle Investoren, Verluste geltend, die ihnen aufgrund des Dieselskandals entstanden sein sollen.

Kommentar zu VW

In Wolfsburg ist man stolz auf VW. Daran hat der Dieselskandal nichts geändert. Der Käfer war das Symbol des Wirtschaftswunders, der Golf hat sogar einer ganzen Generation ihren Namen gegeben. Hartnäckig kämpfte der Konzern dafür, der größte Autohersteller der Welt zu werden. Das Ziel ist erreicht. Strenge Hierarchien und ein Krebsgeschwür namens Abgasmanipulation sind der Preis dafür. Das Vertrauen der Öffentlichkeit ist verspielt. Es wird Zeit, dass sich was dreht.

Interview mit Hiltrud Werner

Drei Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals steckt Volkswagen mitten in den Aufräumarbeiten – allein für Anwälte ist mittlerweile ein dreistelliger Millionenbetrag gezahlt worden. JUVE sprach mit Hiltrud Werner, im Konzernvorstand seit Februar 2017 für Integrität und Recht zuständig: Wie weit ist sie bei der Fehlersuche? Und was hält sie von der Idee, Führungskräfte-Boni an nachweisbare Compliance-Bemühungen zu knüpfen?

  Juve Plus Abgasskandal

Der Autozulieferer Bosch muss nach Auffassung des Stuttgarter Landgerichts interne Unterlagen zum Diesel-Abgasskandal bei VW herausgeben. Bosch könne sich nicht auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen, urteilte der zuständige Richter am Freitag. Konkret geht es um E-Mail-Wechsel zwischen Beschäftigten des Zulieferers und Volkswagen-Mitarbeitern sowie um einen Brief der Bosch-Rechtsabteilung an VW. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kommentar

Vor nicht allzu langer Zeit sagten diverse Studien den Vormarsch alternativer Rechtsdienstleister voraus. Diese hätten mit schlanken Strukturen und technischem Know-how das Zeug, Großkanzleien mit ihren Heerscharen von Associates arbeitslos zu machen, indem sie ihnen die Commodity-Arbeit wegnehmen. Dann kam Dieselgate, und was machte die VW-Kanzlei Freshfields? Stellte massenhaft Juristen ein, die Berge von Akten sichten und bewerten. Commodity-Arbeit.

Dieselskandal

Es ist das höchste Bußgeld, das wegen eines Wirtschaftsdelikts in Deutschland je verhängt worden ist: Wegen Manipulationen an Dieselfahrzeugen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Volkswagen zur Zahlung von einer Milliarde Euro verdonnert. Der Konzern akzeptiert das Bußgeld.

  Juve Plus Dieselvorwürfe

Die Staatsanwaltschaft München hat ihre Diesel-Ermittlungen auf Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiteres nicht genanntes Vorstandsmitglied ausgeweitet. Dabei durchsuchte sie auch die Wohnungen der beiden Vorstände. Es gehe um Betrug und „mittelbare Falschbeurkundung” sowie die Frage, ob Dieselfahrzeuge mit manipulierter Software in den europäischen Verkauf gebracht wurden.

  Juve Plus Dieselaffäre

Dr. Fabian Reuschle darf weitermachen. Der kritische Richter am Landgericht Stuttgart leitet dort einen KapMug-Prozess gegen Volkswagen und die Porsche SE. Reuschle hat sich bei VW unbeliebt gemacht, weil er beharrlich auf die Herausgabe von Dokumenten bestand, die der Autobauer wohl lieber aus dem Prozess heraus halten wollte.

Freshfields gegen Hausfeld

Frehsfields Bruckhaus Deringer gegen Hausfeld: Wo um viel Geld gestritten wird, stehen sich diese Kanzleien gegenüber. Im Lkw-Kartell oder in der Dieselaffäre – Hausfeld für die Kläger, Freshfields für die Beklagten. JUVE bat die Kanzleien zu einem Schlagabtausch ohne Richter: Gehen die Pläne für neue Kollektivklagen zu weit oder nicht weit genug? Das ausführliche Streitgespräch lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 6/2018 des JUVE Rechtsmarkt.