Insolvenzen

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Die Reinhard Müller GmbH hat von dem Osnabrücker Drogeriemarktfilialisten Ihr Platz dessen Schweizer Tochtergesellschaft Estorel AG erworben. Daneben wurden sämtliche Forderungen der die Estorel finanzierenden Commerzbank von dem Einzelhandelsunternehmen Müller Ltd. & Co. KG übernommen. Estorel ist mit 33 Filialen eine der größten Drogerieketten in der Schweiz. Die familiengeführte Müller-Gruppe erzielte im vergangenen Geschäftsjahr mit rund 400 Filialen im In- und Ausland einen Umsatz von rund 1,74 Mrd. Euro. An dem Kauf war keine finanzierende Bank beteiligt - die Müller-Gruppe hat die Finanzierung selbst gestemmt.

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Veolia Water hat sich im Bieterverfahren um den TXU-Anteil an den Braunschweiger Stadtwerken (BVAG) durchgesetzt. Die Tochter des französischen Versorgungsriesen Veolia Environnement zahlte der TXU Stadtwerke Holding für die 74,9-prozentige Beteiligung 370 Millionen Euro. Die Holding ist ein Unternehmen der Texas Utilities (TXU), deren Europa-Tochter Insolvenz hatte anmelden müssen. Im Mai 2002 hatte TXU der Stadt Braunschweig für die Anteile noch 425 Millionen Euro gezahlt. Jetzt erhält sie – ohne direkt an dem Geschäft zwischen dem Londoner Insolvenzverwalter und Veolia beteiligt zu sein – für ihre Zustimmung von TXU noch einmal 28 Millionen Euro. Die Bieter Macquarie Corporate Finance und ein Konsortium der HSH Nordbank und der Helaba gingen leer aus. Berater Veolia

Insolvenzriese gespalten

Die Insolvenzgroßkanzlei Wellensiek Grub & Partner ist nach vier Jahren in ihre Ursprungsteile zerfallen. Künftig machen die elf Partner von Wellensiek - mit Stammsitz in Heidelberg - und die sieben Grub-Partner in Stuttgart wieder alleine weiter.Die Trennung der Einheiten um Dr. Jobst Wellensiek (72) und Dr. Volker Grub (67), zwei der namhaftestesten Insolvenzverwalter Deutschlands, kommt überraschend. Beobachter haben jedoch bereits seit langem auf eine stockende Zusammenarbeit der beiden Kanzleiteile hingewiesen. Auf der einen Seite standen die von Wellensiek-Partnern dominierten Büros in Heidelberg, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin, Dresden, Erfurt, Leipzig und Hildesheim, auf der anderen Seite das Grub-Büro in Stuttgart. Nur in dem noch recht jungen Münchner Standort scheint eine Zusammenarbeit stattgefunden zu haben.

  Juve Plus Nörr und Görg mit Sanierungsplan am Ende

Trotz wochenlanger Verhandlungen über eine Sanierung von Walter Bau hat der Augsburger Baukonzern vor zwei Tagen Insolvenz beantragt. Das Unternehmen und die 27 Gläubigerbanken konnten sich nicht über eine Fortführung des Geschäfts einigen. Am Ende scheiterte die Sanierung des Betriebs mit insgesamt rund 9000 Beschäftigten dem Vernehmen nach an der ABN Amro Bank, die eine Vielzahl neuer Bedingungen nachgeschoben hatte. (Jörn Poppelbaum)

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Neulich in der Redaktion fragte jemand: "Wie, Jürgen Möllemann im Insolvenzticker? Der ist doch tot." Ja, aber nur im richtigen Leben. Nicht im Leben des Fiskus und nicht im Leben von Nachlass- und Insolvenzverwaltern.Und so kam es, dass Anfang des Jahres der Münsteraner Rechtsanwalt und Nachlassverwalter Möllemanns, Michael Mönig (Mönig Krollzig Ries Richter Schnieder Goez), beim örtlichen Amtsgericht Insolvenzantrag stellte. Folge: Der Staat könnte auf mehreren Milllionen Euro Steuerschulden sitzen bleiben. Mit der Sache weiter auseinander setzen wird sich nun der vorläufige Insolvenzverwalter, Alpmann Fröhlich-Partner Norbert Kruse.

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Der US-Investor Apollo Real Estate Advisors hat 49 Prozent der Aktien der 3C Development AG erworben. Verkäufer war die Adler Real Estate AG, eine Tochter der Agiv, die Mitte Dezember Insolvenzantrag gestellt hatte. 3C engagiert sich in der Entwicklung von Fachmärkten und Einkaufszentren. Vereinbart wurde, dass sich Adler mit bis zu einem Fünftel als Finanzinvestor an künftigen Projekten von 3C beteiligen kann. Im Zuge der Transaktion erwarb Apollo zudem die restlichen 50 Prozent an einem Fachmarkt-Projekt in Baden-Baden.

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Ihr Realismus ist fast erschütternd. Wenn zwei Top-Partner von Hengeler Mueller und Allen & Overy unabhängig voneinander betonen, dass man um jedes Mandat kämpfen muss, scheinen die Zeiten wirklich hart zu sein. Insbesondere, wenn die Anwälte von langjährigen Mandanten beauftragt werden - also eigentlich kein Grund zur Sorge bestehen sollte.Trotzdem geben sich die beteiligten Rechtsberater der Restrukturierung von KarststadtQuelle AG sehr zurückhaltend. Zum Beispiel Hengeler-Rainmaker Prof. Dr. Michael Hoffmann-Becking: Obwohl der 61-Jährige für seine Kanzlei den Großauftrag einer umfassenden Refinanzierung für KarstadtQuelle rausgeholt hat, bleibt Hoffmann-Becking auf dem Boden.

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Der indische Graphithersteller Graphite India Limited (GIL) hat die Conradty-Unternehmensgruppe von Insolvenzverwalter Dr. Werner Pöhlmann erworben. Die Conradty-Gruppe aus Röthenbach/Peglitz bei Nürnberg stellt Grafit- und Kohlenstoffprodukte her und beschäftigte zuletzt 160 Mitarbeiter. Für GIL ist der Kauf die erste Unternehmensakquisition außerhalb Indiens. Im Zuge der Transaktion wurde außerdem ein Vertrag mit dem Freistaat Bayern geschlossen, der die Haftung von GIL im Fall von Altlasten auf dem Betriebsgrundstück limitiert.

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In der Bundeshauptstadt herrscht Premierenfieber: Die Berliner Symphoniker treten auf. Aber eigentlich sind es gar nicht mehr die Berliner Symphoniker. Denn der Trägerverein des ehemals hochsubventionierten Orchesters musste vor Monaten Insolvenz beantragen, nachdem der Senat Zuschüsse in Höhe von drei Millionen Euro gestrichen hatte. Nun hat sich Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma (Leonhardt & Partner) eine Alternative erdacht: Die Symphoniker machen weiter - als gemeinnützige GmbH. Und damit doch eine Premiere. Er habe die erste privatwirtschaftliche Kulturinstitution in Berlin geschaffen, sagt Köhler-Ma. "Wir ebnen damit den Weg jenseits der Subventionskultur", sagt er auch. Für die Musiker heißt die Lösung jedoch Kröten schlucken. Sie verlieren ihre feste Anstellung und werden nun je nach Bedarf beschäftigt.

Mit dem Wechsel des Gesellschaftsrechtlers Rupert Weber zu Maitland & Co. hat zum Dezember ein weiterer Corporate-Partner das Londoner Büro von Linklaters verlassen. Nachdem vor drei Monaten das englische Branchenblatt 'The Lawyer' erstmals über eine Restrukturierung der Londoner Corporate-Praxis berichtet hatte, ist dies bereits der dritte Partnerverlust für Linklaters. Hintergrund sei die anhaltende Überprüfung der Partner-Performance durch das Management (JUVE 11/04).Weber war seit 1988 bei Linklaters, seit 1998 als Partner. Innerhalb der letzten 16 Jahre arbeitete er insgesamt rund sechs Jahre in Deutschland. Dabei spielte er eine entscheidende Rolle beim Aufbau der deutschen Linklaters-Praxis und der nachfolgenden Fusion mit Oppenhoff & Rädler.

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Ende einer der größten Insolvenzfälle der deutschen Industriegeschichte: Zwei Jahre nach der Eröffnung des Verfahrens wurde nun der Autozulieferer Peguform von der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Cerberus übernommen. Das Unternehmen aus Bötzingen bei Freiburg ist auf die Herstellung von Kunststoffteilen, wie sie in Cockpits oder Stoßfängern verwendet werden, spezialisiert. 2004 soll Peguform rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz gemacht haben.