Insolvenzen

  Juve Plus Thielert-Krise

Die Krise des Hamburger Flugzeugmotorenherstellers Thielert hat sich verschärft: Das von einigen Großaktionären um die Sputnik-Gruppe ausgearbeitete Restrukturierungskonzept ist vorerst gescheitert, nachdem das Landeskriminalamt Unterlagen vorgelegt hat, denen zufolge die Unternehmens-Jahresabschlüsse zwischen 2003 und 2005 vermutlich unrichtig sind. Dies teilte die Thielert AG gestern Abend mit. Außerdem kündigte der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Huth Dietrich Hahn-Partner Dr. Georg Wittuhn den Vorständen Frank Thielert und Roswitha Grosser mit sofortiger Wirkung.

Nach Pin-Insolvenz

Der Rechtsabteilungsleiter der insolventen Pin-Group kehrt in die Anwaltschaft zurück. Ab Mai wird der Postrechts- und Regulierungsexperte Christian Frhr. von Ulmenstein Partner im Berliner Büro von Staubach & Partner. Der 42-Jährige war rund acht Monate bei Pin, die sich seit Jahresanfang in der Insolvenz befindet.Von Ulmenstein hatte erst im August 2007 begonnen, die Rechtsabteilung des damals noch expansiven Briefdienstleisters aufzubauen. Nach dem Insolvenzantrag der Luxemburger Pin-Holding in diesem Februar war die Rechtsabteilung nach Köln verlegt worden. Dort arbeitete sie vor allem dem Insolvenzverwalter Dr. Bruno Kübler zu. Zuletzt waren in der Abteilung neben von Ulmenstein zwei weitere Juristen beschäftigt, die nun ebenfalls wieder als Anwälte arbeiten.

Wiedersehen

Die Düsseldorfer MDP-Kanzlei Advises hat einen alten Bekannten gewonnen: Zum April kam Hans-Jörg Hegerl (47), der auf die Bereiche Restrukturierung und Insolvenz spezialisiert ist. Wie fast alle Gründungspartner von Advises kommt auch Hegerl von RSM Hemmelrath, wo er zuletzt den Bereich Corporate Restrukturierung und Insolvenzrecht in Deutschland verantwortete.

Die Spedition Ricö, zu deren Großkunden Volkswagen zählt, hat Anfang März wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Torsten Gutmann von Lüders Warneboldt Gutmann aus Lehrte wurde vom Amtsgericht Osterode zum Insolvenzverwalter bestellt.Gutmann gehört zu den am meisten bestellten Verwaltern in Niedersachsen. Er muss sich nun um das Schicksal von über 3.000 Mitarbeitern kümmern. Rund ein Drittel davon arbeiten in einem Zentrallager in Sachsen-Anhalt, die restlichen bewegen eine Flotte von über 2.000 Lastwagen, vorwiegend auf deutschen und osteuropäischen Straßen. Das Speditionsgewerbe steckt in einem harten Preiskampf, der schon in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Insolvenzen geführt hat. Ricö ist in dieser Reihe der größte Insolvenzfall.+++

Linklaters baut niederländische Restrukturierungspraxis auf

Paul Kuipers (35) baut für Linklaters in Amsterdam ein niederländisches Team innerhalb der internationalen Gruppe Restrukturierung und Insolvenz (R&I) auf. Kuipers, der Partner bei Simmons & Simmons war, wechselte Anfang Februar als Counsel zu Linklaters. Er bringt zwei Associates mit, Michiel Bindels und Mees Roelofs.Als Ansprechpartner für die Linklaters-R&I-Gruppe fungierten bislang zwei M&A-Partner. „Paul Kuipers ist ein herausragender Anwalt“, sagte der Leiter des Amsterdamer Büros, Martijn Koopal. „Mit ihm können wir unsere Beziehungen zu führenden Finanzinstitutionen und Unternehmen vertiefen, die spezialisierte Beratung im Bereich Restrukturierung und Insolvenz benötigen.“ Linklaters hat am Amsterdamer Standort 2007 auch in den Bereichen Steuer- und Arbeitsrecht spezialisierte Teams aufgebaut, im Steuerrecht ebenfalls mit einem Counsel-Zugang von Simmons & Simmons, Eunice Bruyninckx.

  Juve Plus

Die Abwicklungsgesellschaft der früheren Sozietät Andersen Luther muss rund 2,4 Millionen Euro Schadensersatz bezahlen. Das entschied das Landgericht Köln. Diesen Regressausgleich hatten die Gothaer Versicherungsgruppe, die Beteiligungsholding der Kreissparkasse KSK Köln sowie die Zippel Capital AG eingeklagt, nachdem sie Agio-Zahlungen gegenüber dem Insolvenzverwalter der Consultingfirma Heaven 21 leisten mussten. Die Luther GmbH ist die Rechtsnachfolgerin der früheren Sozietät Andersen Luther, die bis 2002 bestand. In den Jahren 2000 und 2001 hatten Anwälte aus dem Kölner Büro von Andersen Luther die Kläger bei der Investition in Heaven 21 beraten. Im Wege einer Barkapitalerhöhung durch die Kläger verschaffte sich Heaven 21 seinerzeit die notwendigen Mittel, um die Zippel Communication GmbH zu übernehmen.

Pin-Insolvenz

Im Zusammenhang mit der Insolvenz des privaten Postdienstleisters Pin droht der Kölner Kanzlei Axer ein Schaden von rund 900.000 Euro. Wie aus dem Umfeld des Insolvenzverwalters Bruno Kübler bekannt wurde, hatte Axer diese Summe im Dezember 2007 für Beratungsleistungen von dem bereits angeschlagenen Unternehmen erhalten.

Start in Mainz

Mit Dr. Robert Schiebe (35) eröffnet die Insolvenzkanzlei Leonhardt Westhelle & Partner zum Mai in Mainz.Schiebe kommt von Brinkmann & Partner, für die er seit 2004 tätig war. Mit dem Partner wechseln auch die Associates Dr. David Starke und Wojciech Trojan.

Dreier-Zusammenschluss

Görg schließt sich zum März mit der Insolvenzkanzlei Dr. Nerlich sowie dem Wuppertaler Verwalter Dr. Jörg Bornheimer zusammen. Damit steigt Görg auf einen Schlag zur größten Insolvenzverwalterkanzlei in Nordrhein-Westfalen auf.Neben dem Namensgeber Dr. Jörg Nerlich (45) wechseln Dr. Anja Commandeur, Holger Rhode und Dr. Jan Janßen samt Mitarbeiterstab zu Görg. Die Kanzlei Dr. Nerlich mit Stammsitz in Köln war wie Görg bisher ausschließlich in Nordrhein-Westfalen tätig. Der Dritte im Bunde, Dr. Jörg Bornheimer (48), wechselte mit weiteren vier Anwälten von Fischer Roloff Bornheimer & Partner. Er wird regelmäßig von den Gerichten in Köln, Bonn und Wuppertal zum Insolvenzverwalter ernannt.

Stefan Denkhaus von Boege Rohde Luebbehuesen in Hamburg verwaltet die Insolvenz der Mecklenburger Hochbau Schwerin. Insgesamt neun operative Gesellschaften hatten wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Anträge gestellt. Die Mecklenburger Hochbau ist eines der größten Bauunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 220 Mitarbeitern in Schwerin sowie den Niederlassungen Hamburg und Rostock. Viele von ihnen hatten seit November keinen Lohn erhalten. ++++++ Dr. Jörg Nerlich von Dr. Nerlich Rechtsanwälte ist vorläufiger Insolvenzverwalter der börsennotierten Hirsch Mode-AG. Die Düsseldorfer Firma setzt seit 2007 ein großes Restrukturierungskonzept um. Ein Kredit wanderte von der Kreissparkasse Euskirchen zur Stadtsparkasse Düsseldorf und brachte einen Teilschuldenerlass von rund 1,8 Millionen Euro. Der Hirsch-Vorstand wurde neu besetzt. Beate Nolden, Tochter des Großaktionärs Josef Nolden, musste aus der Vorstandsriege weichen und wehrte sich mit Hilfe des Düsseldorfer Rechtsanwalts Prof. Dr. Gunter Hoffmann gegen ihre fristlose Kündigung. Nolden und andere Aktionäre setzten für den 30. Januar eine außerordentliche Hauptversammlung durch. Eine Woche vor diesem Termin wurde jedoch der Insolvenzantrag gestellt. +++

PIN-Insolvenz

Das Amtsgericht Köln hat für die Muttergesellschaft des Briefzustellers PIN, die luxemburgische Holding PIN Group, ein Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Verwalter wurde Dr. Bruno Kübler von der Kanzlei Kübler ernannt.Das Gericht beruft sich bei seinem ungewöhnlichen Schritt auf die Europäische Insolvenzverordnung. Danach liegt die gerichtliche Zuständigkeit für ein Insolvenzverfahren, von dem Gesellschaften in mehreren Ländern betroffen sind, in dem Land, in dem ein Unternehmen hauptsächlich wirtschaftlich tätig ist. Insofern kann im Fall der PIN-Gruppe, die mit insgesamt 91 Tochtergesellschaften in Deutschland Briefdienstleistungen anbietet, ein deutscher Insolvenzverwalter für das luxemburgische Unternehmen bestellt werden.