Kanzleiumsätze

Clifford Chance hat sich Ende März in einer Abstimmung für ein deutlich vereinfachtes Verfahren zur Beendigung der Equity-Partnerschaft im Fall von unzureichender Leistung ausgesprochen. Die überraschend große Mehrzahl der stimmberechtigten Equity-Partner folgte damit einem Vorschlag des internationalen Managements der Kanzlei, das sich seit Monaten mit Debatten um Vergütungssystem und fallende Umsätze konfrontiert sieht. Auslöser der Diskussionen war ein Fall aus dem vergangenen Jahr: Englischen Presseberichten zufolge hatte Clifford erstmals einem Partner den Equity-Status entzogen. Betroffen war der frühere Managing Partner in Bangkok, Wirot Poonsuwan.

Umsätze

Eine Reihe US-amerikanischer Kanzleien haben bereits jetzt ihre Bilanzen für das Jahr 2003 vorgelegt. Ergebnis: Die führenden Sozietäten konnten fast durch die Bank zulegen, und zwar hinsichtlich Umsatz und Gewinn. Besonders erfolgreich scheinen die US-Westküsten-Kanzleien abgeschnitten zu haben. O'Melveny & Myers kommt für 2003 nach eigenen Angaben auf einen Umsatzzuwachs von 16 Prozent (658 Millionen Dollar bzw. 514 Millionen Euro), Gibson Dunn & Crutcher - die auch ein Büro in München unterhält - erreichte 14 Prozent mehr Einnahmen (645 Millionen Dollar bzw. 504 Millionen Euro). Die dritte große Kanzlei mit Stammsitz in Los Angeles, Latham & Watkins, schaffte es sogar, die Grenze von einer Milliarde Dollar zu überschreiten: Mit 1,03 Milliarden Dollar (806 Millionen Euro) legte sie 2003 um 14 Prozent zu. Latham ist in Deutschland mit zwei Büros - Hamburg und Frankfurt - vertreten.

Rödl

Rödl & Partner darf keine Werbeaussagen und keine Angaben über Umsatzentwicklung in Pressemitteilungen machen. Dies hat das Landgericht Nürnberg-Fürth bereits Mitte Dezember 2003 entschieden. Die Richter gaben damit einer Klage der Rechtsanwaltskammer Nürnberg statt.

Rödl

Der Gesamtumsatz von Rödl & Partner ist im Geschäftsjahr 2003 leicht um 1,4 Prozent auf 147,1 Millionen Euro gestiegen. Dies teilte die weltweit tätige Nürnberger Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Anfang Februar mit. In Deutschland wird trotz stetiger internationaler Expansion noch der mit Abstand größte Umsatz erzielt. Hier setzte die Gesellschaft insgesamt 102,4 Millionen Euro um.

Im September hat auch die französische Rechtspresse die Jahresumsätze der dortigen Kanzleien veröffentlicht. Trotz zum Teil immenser Unterschiede, die sich aus den Umfragen der Magazine ,Decideurs Juridiques' und ,Juristes Associes' ergeben, sind doch zwei Trends erkennbar: Britische und US-Sozietäten machen weiter französischen Boden gut und die WP-nahen Kanzleien spielen im Konzert der Großen keine Rolle.Laut ,Juristes Associes' konnte die Mehrheit der Kanzleien ihre Vorjahresergebnisse halten oder geringfügig verbessern. Allerdings sei das langsamste Wachstum seit Erhebung der Zahlen für 2002 festzustellen gewesen, die Zahl der Neueinstellungen befänden sich ebenfalls auf dem Tiefpunkt. Dabei machte die Zeitschrift nur bei jenen Kanzleien eine Umsatz-Verbesserung aus, die es geschafft hätten, neue Beratungsbereiche für sich zu erschließen. Zudem habe eine rigidere Kostenkontolle in die Büros Einzug gehalten.

Nauta Dutilh vorne, Loyens & Loeff mit überraschendem Zuwächsen, De Brauw hat sich verkleinert: Erneut haben die fünf bekanntesten unabhängigen Kanzleien Hollands ihre Umsatzzahlen und Anwaltszahlen veröffentlicht. Einer Tabelle von "The Lawyer" und - davon zum Teil abweichenden - JUVE-Recherchen zufolge, ergaben sich gegenüber dem Vorjahr einige Veränderungen. Die Umsatzzahlen von Nauta Dutilh liegen mit 143 Millionen Euro für 2002 an der Spitze. Den erstaunlichsten Zuwachs hingegen gab es bei Loyens & Loeff, die sich um 31 Prozent verbesserte. Die Anwälte der insgesamt multidisziplinär aufgestellten Sozietät erwirtschafteten einen Jahresumsatz von 87 Millionen Euro gegenüber den 69 Millionen aus dem Jahr 2001.

Dank Rekordumsätzen im Gesellschaftsrecht sind die deutschen Büros von Freshfields Bruckhaus Deringer zum ersten Mal seit der Fusion mit der Londoner Praxis gleich gezogen.Quellen in der englischen Hauptstadt berichten, dass der Umsatz der Gesamtsozietät im Geschäftsjahr 2002/2003, das im April endete, rund 446 Millionen Euro (330 Millionen Pfund) betrug.

Ernüchterung in London

Nach Jahren stark steigender Profitabilität haben die Londoner Kanzleien im vergangenen Jahr teilweise dramatische Rückgänge erleiden müssen. Obwohl bei den vier "Magic Circle"-Kanzleien Allen & Overy, Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance und Linklaters die Umsätze weiter gestiegen sind, fielen die Profitabilitätsziffern zurück auf das Niveau von vor drei Jahren. Dies berichtet ,The Lawyer'.Danach war Clifford Chance am stärksten betroffen. Wo jeder Partner 2001 noch 1,2 Millionen Euro mit nach Hause nehmen konnte, ist nun aus der Partnerschaft zu hören, dass der Durchschnittsgewinn stark zürückgegangen sei - wohl auf weniger als 900.000 Euro.

Nach der Fusion der englischen Praxis von Rowe & Maw mit der US-Kanzlei Mayer Brown & Platt im Februar des vergangenen Jahres sind nun erstmals Umsatzzahlen veröffentlicht worden. Nach Angaben der Kanzlei konnten die Einnahmen aller Büros in den USA, England, Deutschland, Frankreich und Belgien zusammen um 13 Prozent erhöht werden.Die fusionierte Sozietät kam danach im Geschäftsjahr 2002 (Januar bis Dezember) auf einen Umsatz von 740 Millionen US-Dollar gegenüber 655 Millionen US-Dollar unter Zugrundelegung der kombinierten Zahlen der Praxen im Jahr 2001.

Nachtrag

Übersicht über Kanzlei-Umsätze in Deutschland wird immer kompletterAndersen erzielte im Geschäftsjahr 2001, das im August 2001 endete, einen Umsatz von rund 57 Millionen Euro. Dies entspricht Platz 14 im aktualisierten JUVE-Ranking (erweitert um BBLP Beiten Burkhardt Mittl & Wegener mit 70 Millionen Euro und Platz 9 im Ranking). Der Umsatz pro Equity-Partner lag bei Andersen mit 1,42 Millionen Euro ähnlich wie bei BBLP Beiten noch um einiges besser als der Gesamtumsatz und rund doppelt so hoch wie bei Menold & Aulinger, mit der Andersen seit Juli zu Luther Menold fusioniert ist.

Zum ersten Mal hat JUVE in Zusammenarbeit mit The Lawyer für das Jahr 2001 die Umsätze führender Kanzleien im deutschen Markt ermittelt.(Aktualisiert 2002-10-02) Spitzenreiter der JUVE-Rangliste nach Gesamtumsätzen der deutschen Büros ist Freshfields Bruckhaus Deringer mit 242 Millionen Euro, deutlich mehr als die nächstplatzierten Clifford Chance Pünder mit 180 und Linklaters Oppenhoff & Rädler mit 152 Millionen.