Insolvenzen

Im Insolvenzfall der Göttinger Gruppe ist Prof. Rolf Rattunde von Leonhardt Westhelle seit Juni auch Verwalter der wichtigsten Gruppengesellschaft Securenta. Er löst den bisherigen Insolvenzverwalter, Steuerberater Peter Knöpfel von der Treugarant AG, ab.Knöpfel selbst hatte nach langen Streitigkeiten mit Anlegeranwälten und einer abgebrochenen Gläubigerversammlung seine Bestellung zurückgegeben, das Amtsgericht Göttingen beauftragte Rattunde. Der ist bereits seit einem Jahr Verwalter der Göttinger Gruppe Finanzholding in Berlin. Beobachter hatten Mitte 2007 mit Kopfschütteln auf die mangelnde Zusammenarbeit der Insolvenzgerichte reagiert, die es versäumten, die Insolvenzen beider Gesellschaften an einem Standort und bei einem Verwalter zu bündeln. Das Berliner Verfahren betrifft rund 90.000 Gläubiger, in Göttingen warten 250.000 Securenta-Anleger auf Geld. Insgesamt sind vermutlich 1,5 Milliarden Euro verschwunden. Über die Bewertung der Forderungen herrscht Uneinigkeit: Wenn die Anleger als stille Teilhaber behandelt werden, könnten ihnen neben den Verlusten sogar noch Nachforderungen drohen. Können sie als normale Gläubiger auftreten, bliebe ihnen das erspart. +++

Dr. Stephan Eilers (48) ist Vorsitzender des Finance Committee von Freshfields. Das neunköpfige Gremium ist weltweit verantwortlich für die Kanzleifinanzen, also etwa Umsatzerfassung, Steuern und Rechnungslegung. Eilers ist im Juni seit zehn Jahren Mitglied und wurde kürzlich für eine weitere Amtszeit von den Seniorpartnern eingesetzt. Der Kölner Steuerrechtspartner gehörte auch bei der Restrukturierung der Partnerschaft und der Umstellung des Pensionssystems zum engeren Kreis der Entscheidungsträger. JUVE: Herr Dr. Eilers, welche Rolle spielen Währungsschwankungen in der Finanzplanung und -analyse einer internationalen Kanzlei?

Paris

Das Pariser Büro von Clifford Chance verstärkt sich zum Juli mit dem deutschen Restrukturierungsexperten Dr. Reinhard Dammann. Der 48-Jährige kommt von White & Case in Paris, für die er fast 20 Jahre lang tätig war.Dammann, der sowohl in Frankreich als auch in Deutschland als Anwalt zugelassen ist, steigt als Partner in der Praxisgruppe Konfliktlösung/Arbitration ein.

Berlin

Die Berliner Medien- und Immobilienkanzlei Merleker & Mielke baut mit der neuen Partnerin Anna Leonhardi (37) ein eigenständiges Ressort für Insolvenzrecht auf.Leonhardi wechselte im Mai mit zwei Mitarbeiterinnen von der Insolvenzkanzlei Dr. Petereit & Armbrüster, für die sie seit 2003 den Standort Berlin mit aufgebaut hatte. Zuvor sammelte Leonhardi, die auch als Insolvenzverwalterin bestellt wird, Berufserfahrung auf den Gebieten Bankrecht und Forderungsmanagement bei der Deutschen Bank.

  Juve Plus

Hitachi Power Europe, eine Kraftwerke-Tochter des japanischen Elektronikkonzerns Hitachi, hat das insolvente Darmstädter Traditionsunternehmen Donges Stahlbau gekauft. Donges hatte Mitte März Insolvenz anmelden müssen. Der Kauf erfolgte über die neugegründete Donges Steeltec GmbH, die den Betrieb fortsetzen wird. Die rund 320 Arbeitnehmer wurden übernommen.

  Juve Plus

Das Versandhandelsunternehmen Neckermann.de hat Mitte April weitreichende Restrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Im Mittelpunkt der Pläne steht eine umfassende Kostenreduzierung.

Insolvenzrecht

Aus der Mitte 2007 begonnenen Insolvenz-Kooperation der Berliner Verwalterin Vera Mai mit dem Münsteraner Berufskollegen Michael Mönig und dem früheren Richter am Landgericht Wolfgang Fahlbusch ist jetzt formell die Kanzlei mmf entstanden.Mönig arbeitete parallel zu der Kooperation bis Ende Februar Partner bei der Kanzlei kwm in Münster, die er mit gegründet hatte. Er schied dort nun mit drei weiteren Anwälten aus, die bei mmf Partner sind. Es handelt sich um Dr. Carsten Wirth, Martin Voß und Jürgen Althaus sowie fünf Associates. Nach den Abgängen hat kwm mit 17 Berufsträgern an den drei Standorten Münster, Berlin und Hamburg eine medizin- und allgemein wirtschaftsrechtliche Ausrichtung.

Auch Thielert-AG insolvent

Jetzt ist auch die Thielert AG insolvent: In seiner ersten Amtshandlung reichte Marcel Kleiß, der neue Alleinvorstand des Flugzeugmotorenherstellers, Insolvenzantrag beim Hamburger Amtsgericht ein. Der Thielert-Aufsichtsrat hatte den Pinneberger Rechtsanwalt vorgestern auf den Posten gewählt.Als vorläufigen Insolvenzverwalter setzte das Gericht Dr. Achim Arendt ein, Partner der angesehenen Insolvenzkanzlei hww Wienberg Wilhelm. Arendt verwaltet derzeit vor allem Unternehmen im Hamburger Umland, in Nordniedersachsen und in Schleswig-Holstein.

Thielert-Krise

Das Amtsgericht Chemnitz hat für die Thielert Aircraft Engines, eine Tochter des Hamburger Flugzeugmotorenbauers Thielert, ein Insolvenzverfahren eröffnet. Dr. Bruno Kübler (63), Dresdner Namenspartner der Kanzlei Kübler, wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.Nach Einschätzung Küblers ist auch die Pleite der Muttergesellschaft Thielert Holding absehbar. In der vergangenen Woche hatten sich deren Liquiditätsschwierigkeiten verschärft (Thielert-Restrukturierung vorerst gescheitert). Ein von einigen Großaktionären um die Sputnik-Gruppe ausgearbeitetes Restrukturierungskonzept scheiterte, nachdem das Landeskriminalamt Unterlagen vorgelegt hat, denen zufolge die Unternehmens-Jahresabschlüsse zwischen 2003 und 2005 vermutlich unrichtig sind. Der Aufsichtsrat kündigte im Zuge dessen den Vorständen Frank Thielert und Roswitha Grosser mit sofortiger Wirkung.

Frankfurt

Die Insolvenzkanzlei Schneider Geiwitz & Partner hat Ende April mit zwei Quereinsteigern ein neues Büro in Frankfurt eröffnet.Die beiden Insolvenzverwalter Christian Feketija (36) und Petra Heidenfelder (47) stiegen als Partner ein. Eine Büroeröffnung mit Quereinsteigern kommt bei Insolvenzkanzleien eher selten vor.

Die Insolvenzkanzlei Anchor hat zum April ein Büro in Ulm eröffnet. Prof. Dr. Martin Hörmann (37), der zuletzt bei der Insolvenzverwalterkanzlei Schneider Geiwitz & Partner in Neu-Ulm tätig war, leitet und baut den Standort als verantwortlicher Partner auf. Hörmann arbeitete zehn Jahre bei Schneider Geiwitz. Dort war er vor allem in den Bereichen Anfechtungs- und Eigenkapitalersatzrecht sowie Geschäftsführerhaftung tätig. Er war aber auch mit der Insolvenz von Walter Bau beschäftigt, bei der Schneider-Geiwitz-Namenspartner Werner Schneider als Insolvenzverwalter eingesetzt war.